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Artikel veröffentlicht am 19. Januar 2004
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Artikel veröffentlicht am 19. Januar 2004

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Dies ist keine Werbung für den Winterschlussverkauf, und auch kein Vorgriff auf die nächsten Europawahlen - hier geht’s um eine Mannschaft, die sich ein „anderes Europa“ auf die Fahnen geschrieben hat: die europäischen Neo-Konservativen

Sie sind weder rechts noch links. Im Gegenteil, sie werden auf der Rechten mit süffisantem Lächeln übergangen und von der mehr oder weniger Linken geradezu verachtet. Sie haben keine Partei, die Ihnen eine politische Heimat bietet, keine Dogmen und auch keine Zeitung, die sich ihnen verpflichtet fühlte. Aber sie haben Ideen, die die europäische Art zu denken und zu leben revolutionieren - ja verbessern - könnten. Niemand unter ihnen verachtet die Vereinigten Staaten oder ihr Modell, niemand würde auf die Existenz Israels verzichten wollen, des einzigen demokratischen Staats im mittleren Osten. Alle kritisieren die Trägheit und Verzagtheit Europas, sowohl auf der internationalen politischen Bühne wie auch in der Wirtschaft. Werfen wir einen Blick auf die Mannschaft der europäischen „Neo-Konservativen“ - es wäre amüsant, wenn sie als Liste „Wegweiser Europas“ bei den nächsten Europawahlen antreten würden...

Die vier Musketiere

Jean-François Revel, Mitglied der Academie Française, ist einer der bedeutendsten Freidenker Europas. In seinem letzten Essai „L’obsession antiaméricaine“ (Der antiamerikanische Wahn) kritisiert er den intellektuellen Niedergang und den fehlenden Wettbewerb der Ideen der französischen Eliten. Die einzige mögliche Revolution - so schrieb er in den 70erjahren - ist die Amerikanische Revolution, die das Individuum und seine Rechte in den Mittelpunkt der Welt stellt.

Der Philosoph Alain Finkielkraut verdankt einen großen Teil seines Ideengebäudes Hannah Arendt. Er verkörpert den Anti-Intellektuellen par excellence: Als Gegner der Träume eines Milosevic von einem neuen Groß-Serbien klagt er die „Barbarei der modernen Welt“ an, ohne der apokalyptischen und instrumentalen Versuchung des Steinzeitmarxismus zu erliegen. In der französisch-jüdischen Zeitschrift Arche macht er Front gegen jeden kulturellen Relativismus und den wachsenden Antisemitismus in Europa.

Bernard Kouchner ist der historische Anführer der French Doctors. Als ehemaliger Gesundheitsminister der Regierung Jospin war er einer der Wenigen aus der französischen Linken, die die Notwendigkeit eines militärischen Eingreifens gegen Saddam Hussein vertraten - auch auf Kosten der französischen Souveränität, die einigen in Frankreich so wichtig ist - und in dem Bewußtsein, daß es ein Recht oder gar eine Pflicht zur Einmischung gebe, wenn das Lebensrecht vergewaltigt wird.

Zwischen Dostojewski und der Wiederentdeckung der Rolle „Gottes“ hat sich André Glucksmann gegen das russische Massaker in Tschetschenien engagiert, damit Europa in einem gemeinsamen Projekt eine gemeinsame Identität finde - und nicht nur im Antiamerikanismus.

Der Homosexuelle, der den Islam verachtet

Die Nachfolger des ermordeten Pym Fortuyn, die von einem großen Teil der europäischen Presse als fremdenfeindlich und rassistisch verachtet werden, vertreten die völlige Integration der Einwanderer im Namen des Rechts und der Toleranz - aber nicht als Einbahnstraße, um nicht dem Populismus zu verfallen...

Die Mitglieder der Gruppe von Stockholm geben sich nicht mit der Wirtschaftspolitik der Verfassung von Giscard d’Estaing zufrieden, die ihrer Ansicht nach lediglich versucht, Wolf und Lamm zu verheiraten, und entdecken einen Niedergang der sozialen Marktwirtschaft. Sie haben ein transnationales Netz von „think tanks“ aufgebaut, um die europäische Politik zu beeinflussen.

Dazu gehört weiter Civitas mit Heimat in London, die sich um Bürgergesellschaft, Familie und Solidarität kümmern. Dabei nehmen sie einen neuen Standpunkt ein, denn es ist möglich, so meinen sie, Fürsorge für die Schwächeren zu erreichen, ohne dafür den Staat zu mobilisieren.

Timbro ist eines der wichtigsten schwedischen Forschungszentren, das es sich erlaubt, die Gemeinplätze über die Vorzüge des skandinavischen kommunitaristischen Modells zu widerlegen. Die Zeitung Paradigmes ist der französische Reflexionsort der Gruppe. Hier findet man eine vergleichende Methode um zu verstehen, welches Europa uns in allen Bereichen am besten passt. Das Center fort the New Europe ist das Hirn der europäischen Globalisierungs-Befürworter: Sie sind auf den Internationalen Handel spezialisiert und bieten eine intelligente Alternative zu José Bové.

Die radikalen Demokraten

Marco Pannella, Chef der Radicali italiani e transnazionali (Radikale Italiener und Transnationale). Vor, während und nach dem Irakkrieg, hat er der “europäischen Aussenpolitik“ eine gewaltlose Alternative angeboten: Exil, Immnuität ohne Straffreiheit für Saddam und demokratischer Übergang unter der Ägide der UNO. Dabei hat er das europäische Parlament als Vichy-Europa denunziert, da es mit Diktatoren in der ganzen Welt zusammenarbeiten würde.

Emma Bonino, ehemalige europäische Flüchtlingskommissarin, kämpft in Kairo für die Demokratie in der arabischen Welt. Sie hat mit der jemenitischen Regierung eine Regionalkonferenz über die Menschenrechte, die Demokratie und den internationalen Strafgerichtshof im Mittleren Osten abgehalten. Das offizielle Europa nahm davon keine Kenntnis. Zusammen hat sie mit Panella vor einigen Wochen die Partei der europäischen Radikalen gegründet.

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