Die Angst fährt mit

Artikel veröffentlicht am 3. November 2006
Artikel veröffentlicht am 3. November 2006

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42 000 Verkehrstote in einem Jahr: Europas Straßen sind gefährlich. Die EU tut zu wenig, um der Gefahr Herr zu werden.

Letztes Jahr starben auf Europas Straßen jeden Tag 114 Menschen. So viele, als würden sich die Attentate in der Metro Londons vom 17. Juli jeden Tag des Jahres zweimal wiederholen. Im gesamten Jahr beläuft sich die Zahl der Verkehrstoten damit auf 42 000. Deutschland führt mit 5 842 Toten die traurige Liste an. Im gleichen Zeitraum wurden zwei Millionen Menschen in Europa durch Verkehrsunfälle verletzt.

Diese Zahlen stammen von CARE. Diese EU-Behörde sammelt Daten zur Verkehrssicherheit in den Mitgliedsstaaten.CARE schätzt, dass sich die Kosten für Verkehrsunfälle in der EU jedes Jahr auf 160 Millionen Euro belaufen. Nur die aggressiven Kampagnen der nationalen Verkehrbehörden und das sich in Europa verbreitende Strafpunktesystem konnten die Zahl der Toten reduzieren.

“Punkte für 1 000 Euro zu verkaufen”

Einige Staaten scheinen den richtigen Weg einzuschlagen. In Spanien zeigt der neue Führerschein mit Punktesystem erste positive Ergebnisse. Jeder Spanier mit Führerschein verfügt nun über ein Konto von 12 Punkten, dass sich bei jedem Regelübertritt reduziert. Die Regelung trat diesen Juli in Kraft. Ersten Schätzungen zufolge hat sich die Opferzahl um 20 bis 30 Prozent verringert.

Das neue Punktesystem führt in Spanien aber auch zu seltsamen Nebeneffekten. Der Kauf von Punkten ist inzwischen zur Mode geworden. In Spanien kann man sehr einfach über Foren und Annoncen im Internet mit einem hilfsbereiten Mitbürger ins Geschäft kommen. Für tausend Euro kaufen Verkehrssünder einen Punkt und können weiterhin durch die Straßen rasen. Diese illegale Übertragung ist möglich, weil der Punktabzug auf dem Führerschein auf Fotografien oder Radar basieren. Diese ertappen nur das Fahrzeug des Regelübertreters, aber nicht den Fahrer.

Frankreich war das erste Land, das den besagten Führerschein 1992 einführte und tatsächlich reduzierte sich die Opferzahl im ersten Jahr um mehr als fünf Prozent. In Italien wendet man das System seit dem 1. Juli 2003 an und der Rückgang betrug im ersten Jahr 3,2, im zweiten Jahr 7,3 Prozent.

Die tschechische Republik entschied sich für ein ähnliches System, musste negative Auswirkungen hinnehmen. Die besten Ergebnisse wurden in Frankreich, Belgien und Luxemburg erzielt. Diese Staaten konnten in den letzten vier Jahren die Todeszahlen auf 30 Prozent herabsetzten. Allein in Frankreich ist die Zahl der Verkehrstoten gegenüber 2002 um 2 500 zurückgegangen.

Die EU kommt nicht voran

Im Jahr 2001 entschied das Europaparlament, die Gefahren auf Europas Straßen zu bekämpfen. In ihrem Weißbuch gaben sie das ehrgeizige Ziel vor, die Anzahl der Verkehrsopfer auf die Hälfte herabzusetzen. Dafür sollten mit dem Programm “Aktion Verkehrssicherheit” von 2003 konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Fünf Jahre sind seither vergangen. Zwei Richtlinien wurden in dieser Zeit vorgeschlagen. Verabschiedet wurde noch keine davon.

Eine der beiden Richtlinien verpflichtet Lastwagen, neue Rückspiegel ohne tote Winkel anzubringen. Die andere richtet sich an die Mitgliedsstaaten. Es werden Evaluierungen der Unfälle, Wirtschaftsprüfungen und Untersuchungen auf den Straßen und Autobahnen gefordert. Doch diese Richtlinie richtet sich nur an die Staaten, die Teil des transeuropäischen Verkehrnetzes sind.

Außerdem hat die Kommission die Europäische Charta für Straßensicherheit angestoßen –eine Erklärung schöner Absichten, die die EU-Staaten zu nichts verpflichtet. Und was ist mit dem europäischen Führerschein, über den seit drei Jahren debattiert wird?

Man versucht ein Netz des Datenaustausches zu schaffen, um zu vermeiden, dass die Fahrer einen neuen Führerschein in einem anderen Mitgliedsstaat erhalten. Die Richtlinie wird vor Ende des Jahres verabschiedet werden. Dann wird der europäische Führerschein in der ganzen Union eingeführt und bis zu 15 Jahren gültig sein.

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