Die Alegria der Nomaden – Cirque du Soleil in Brüssel

Artikel veröffentlicht am 30. März 2012
Artikel veröffentlicht am 30. März 2012
Von Lisa Kittel Power und die Weitergabe von Macht im Laufe der Zeit, die Entwicklung von den alten Monarchien zu modernen Demokratien, die Weisheit und Wehmut des Alters im Gegenspiel zur Energie, Anmut und Kraft der Jugend. Davon erzählt das Spektakel Alegria des Cirque du Soleil. Das 110-Mann starke Ensemble aus Artisten, Technikern und Helfern führt ihr Stück noch bis Sonntag Nachmittag (01.04.
) in Brüssel auf. Cafebabel wagte vor der Premiere einen Blick hinter die Kulissen des renommierten kanadischen Zirkus‘. Die belgische Trampolinistin Mieke De Vriendt sprach mit uns über das Leben als „Nomadin“.

Eigentlich lernte die 28-jährige Frau Sport- und Mathematiklehrerin: „Es war mein Traum beim Cirque du Soleil mitzumachen, aber ich dachte, ich wäre nicht gut genug. Deshalb hatte ich die Idee verworfen. Trotzdem hat mich die Vorstellung nicht losgelassen und eines Tages sagte ich mir ‚du musst es wenigstens versuchen.“ Gesagt getan: Sie reichte ein Video mit ihren Akrobatikkünsten ein und wurde für die Basisausbildung im Cirque du Soleil angenommen.

Seit mittlerweile zwei Jahren im Alegria-Team, bestreitet sie den außergewöhnlichen Alltag einer Zirkustruppe auf Welttournée - und diese endet nie. Der Cirque du Soleil ist mit Alegria seit 2009 unterwegs. Zehn Wochen sind die Artisten, Techniker und Helfer jeweils „auf Arbeit“, davon jede Woche in einer anderen Stadt. Danach sind zwei Wochen Ferien.

Eigentlich ist es ganz cool. Wenn wir fliegen, dann bekommen wir wie Superstars einen eigenen Charter. Die Hotels sind gebucht und unsere Koffer werden im alten Zimmer abgeholt und wieder im neuen Zimmer bereitgestellt.“ Auch sonst wird versucht eine möglichst warme und fröhliche Atmosphäre für die Künstler und das Personal zu schaffen, frei nach der Philosophie, ein Künstler, der nicht glücklich ist, kann auch auf der Bühne auch kein echtes Lächeln und keine gute Leistung präsentieren.

Die Schattenseiten eines so „bewegten“ Jobs ist, dass Angestellte mit Partner und Kindern, diese nur alle zehn Wochen 14 Tage lang sehen können. Auch bei Mieke, die noch nicht an Familie denkt, kommt es vor, dass sie sich einsam fühlt: „Ich habe hier Freunde und, wie das auf jeder Arbeit so ist, Menschen, die ich eher als Kollegen bezeichnen würde. Meine zwei besten Freundinnen sind aber meine beiden Schwestern. Sie und die restliche Familie vermisse ich schon manchmal.

Aber nicht nur die Familie, auch belgische Städte kann sie nun anders genießen. Gent sei zum Beispiel wunderschön – vor allem im Vergleich zu so manchen amerikanischen Kleinstädten, durch die sie touren musste: „Natürlich sind nicht alle Städte dort hässlich, aber in einige sind echt öde.“ Brüssel kennt sie selbst gar nicht so gut. Da ist es nützlich, dass es jede Woche City-Ratschläge vom Organisationsteam gibt. Diesmal ganz eindeutig ‚Trinkt belgisches Bier in Brüssel‘. Also zogen die Zirkuskollegen Anfang der Woche los und erkundeten unter anderem das Delirium.

Bei so viel Pflege, Beratung und Abwechslung bleibt der Cirque du Soleil für seine Mitarbeiter trotz einiger „Nomadennachteile“ eine unvergessliche, lehrreiche und fröhliche Zeit. Eben Alegria.