„Deutschlands Wirtschaft wird sich erholen“

Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003
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Artikel veröffentlicht am 1. Dezember 2003

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Die europäische Wirtschaft wurde immer durch den Erfolg der deutschen Wirtschaft vorangetrieben. Schreckt das momentane Stocken des deutschen Motors Länder wie Großbritannien ab?

Deutschland wurde immer als der "Motor Europas" bezeichnet – und das auch zu Recht. Deutschlands Wirtschaftsbilanz in der Nachkriegsära war die meiste Zeit ausgezeichnet und im europäischen Währungssystem von 1979 war die Deutsche Mark die Währung an der alle anderen gemessen wurden. Hinter den Konvergenz-Kriterien des Maastricht-Vertrages und dem Wachstums- und Stabilitätspaktes stecken deutsche Ideen – in einem solchen Ausmaße, dass der Europäischen Zentralbank der Spitzname „Europäische Bundesbank“ gegeben wurde.

Doch jetzt ist der deutsche Motor ins Stocken geraten. Das deutsche Wirtschaftswachstum erreicht in diesem Jahr gerade mal 0,5% nach bedrückenden 0,2% im letzten Jahr. Wenn Deutschland weder durch bloßen materiellen Reichtum noch durch entscheidenden Ideen nicht länger die treibende Kraft der europäischen Wirtschaftsintegration ist, wie wird sich dann die europäische Wirtschaftsintegration in Zukunft entwickeln? Um der Frage nachzugehen, inwieweit sich die deutsche Wirtschaftskrise in der britischen Politik wiederspiegelt, sprach café Babel mit dem liberal-demokratischen Unterhausabgeordneten (MEP) Chris Davies.

café babel: Glauben Sie, dass die Rezession in Deutschland die Auffassung des Durchschnittsbriten gegenüber der Europäischen Union ändert? Vor allem: Glauben Sie, dass es die Menschen von der Idee abbringt, jemals die Einheitswährung einzuführen?

Chris Davies: Meiner Ansicht nach hat die deutsche Rezession nicht viel mit dem Euro oder der Europäischen Union (EU) zu tun. Wie auch immer, durch die starke anti-europäische Neigung in den britischen Medien können wir erwarten, dass die Euroskeptiker versuchen alles Schlimme, von der deutschen Rezession bis zum englischen Misserfolg im Fußball, mit Brüssel in Verbindung zu bringen. Wenn man alle Argumente in Betracht zieht, denke ich, akzeptieren die meisten Leute, dass die deutsche Rezession nichts mit der EU zu tun hat und ich glaube, dass die Briten in jedem Referendum über den Euro in erster die Vor- und Nachteile für Großbritannien im Auge haben.

Ist dies das Ende des deutschen Wohlstands?

Die deutsche Wirtschaft ist um 29% seit der Wiedervereinigung gewachsen – in etwa gleich viel wie die Britische. In Anbetracht der offensichtlichen Schwierigkeiten 18 Millionen Menschen aus dem ehemaligen Ostblock zu integrieren, denke ich, dass Deutschlands Probleme nicht ewig dauern werden – und in Anbetracht der Tatsache, dass ich jeden Tag auf den Straßen hier in England BMWs, Mercedes und Volkswagen sehe, sieht es nicht danach aus, dass sich die deutsche Wirtschaft in einer dauerhaften Gefahr befindet.

In Anbetracht der deutschen Wirtschaftsflaute, denken Sie, dass Großbritannien das Potenzial hätte die europäische Antriebskraft zu werden, wenn wir jemals den Euro übernähmen?

Es gibt keinen Grund, weshalb wir das nicht tun sollten. Aber egal wie, eins ist sicher – Großbritannien wird keine Antriebskraft, weder wirtschaftlich noch politisch, wenn es außerhalb des Euros bleibt.

Denken Sie, dass die Rolle Großbritanniens in der Europäischen Union bis jetzt das Produkt des Willens der Bürger oder das der Regierung war? Glauben Sie, dass Deutschlands wirtschaftliche Schwierigkeiten dies ändern werden?

Davies: Seit dem die Bürger ihren Willen im Referendum von 1973 zum Ausdruck gebracht haben, wird die Rolle Großbritanniens in der EU von dem Britischen Premierminister bestimmt. Deutschland ist das bevölkerungsreichste Land in der EU und ist bekannt für finanzielle Effizienz. Die Tatsache, dass die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland jetzt auftreten, unterstützt die Euroskeptiker in ihrer Sache, aber letztendlich sind diese nur kurzfristig. Deutschlands Wirtschaft wird sich erholen – tatsächlich kurbelt der unterbewertete Euro den deutschen Export bereits kräftig an.