Deutschland heißt #refugeeswelcome

Artikel veröffentlicht am 22. April 2015
Artikel veröffentlicht am 22. April 2015

Eine Gruppe junger Deutscher bringt Flüchtlinge und leere WG-Zimmer unter dem Namen ‚Flüchtlinge Willkommen‘ (Refugees Welcome) zusammen. 

Die Plattform Flüchtlinge Willkommen (Refugees Welcome) ging im November 2014 online, als Mareike Geiling, eine der Initiatoren, nach Kairo umzog. Für diese Zeit, so entschied sie gemeinsam mit ihrem Mitbewohner Jonas Kakoschke, konnte ein Flüchtling in ihrem WG-Zimmer übernachten. „Um die Miete zu finanzieren, haben wir Freunde und Familie gefragt, ob sie uns mit monatlichen Mikro-Spenden unterstützen“, erzählt Mareike. „Nach nur zwei Wochen hatten wir die Miete für 9 Monate zusammen. Nachdem dies so gut funktioniert hatte, versuchten wir die Initiative in ganz Deutschland zu etablieren.“

Gesagt, getan. Als sie begannen, ihren Plan in die Tat umzusetzen, holten sie auch Mitgründerin Nummer drei, Golde Ebding, ins Boot, der die Idee sofort zusagte. Worum geht’s genau? Mareike findet klare Worte: „Wir mögen die Massenunterkünfte in Deutschland nicht. Deshalb haben wir nach Möglichkeiten und Wegen gesucht, Flüchtlinge in Wohngemeinschaften oder anderen regulären Wohnsituationen unterzubringen.“

Wärmere Willkommenskultur für Flüchtlinge

„Wir sind überzeugt davon, dass Flüchtlinge nicht stigmatisiert und ausgeschlossen werden sollten, indem man sie einfach in irgendwelche Massenunterkünfte steckt. Stattdessen sollten wir sie herzlich willkommen heißen. Wir glauben an eine wärmere Willkommenskultur für Flüchtlinge! Refugees Welcome ist eine Webseite, auf der man seine WG registrieren und anschließend in Kontakt mit suchenden Flüchtlingen treten kann. Wir helfen außerdem bei der Finanzierung eines angebotenen WG-Zimmers für Flüchtlinge.“

Bis heute wurden 530 WGs auf der Plattform registriert. In deneen wohnen Mitbewohner im Alter zwischen 21 und 65 Jahren. Sie alle wollen Teil des Projekts sein und haben komplett verschiedene Backgrounds und Berufe, vom PR-Berater über Tischler und natürlich viele Studenten, Singles, verheiratete Paare und junge Familien. Über 390 Flüchtlinge haben sich bisher auf der Seite registriert. Sie sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und kommen von der ganzen Welt, aus Afghanistan, Bangladesch, aus Burkina Faso, Kenia, Mali, Niger, Nigeria, Irak, Iran, aus Pakistan, Russland, dem Senegal, Somalia und Tunesien. Die Mehrheit kommt momentan aus Syrien.

Den Gründern von Refugees Welcome zufolge bringe es Vorteile auf beiden Seiten, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen: „Flüchtlinge haben so die Möglichkeit, in adäquatem Wohnraum zu leben, die Sprache zu erlernen und sich einfacher an das neue Umfeld zu gewöhnen. Der Beherberger kann auf der anderen Seite Einblicke in neue Kulturen erhalten und einer Person in einer schwierigen Lage aushelfen.“ 29 Flüchtlinge sind bereits in deutschen und österreichischen Wohngemeinschaften untergekommen. In Österreich läuft die Initiative seit Januar 2015.

“Wir sind von der Freundlichkeit der Leute überwältigt“, sagen Jonas und Mareike. Auch die Reaktionen der Flüchtlinge demonstrieren ihre Dankbarkeit und Würdigung unserer Initiative." Ein Flüchtling aus Frankfurt habe ihnen geschrieben, dass der Prophet in seiner Religion sage: „Wer Menschen nicht dankt, dankt Gott nicht.“ Er bedankte sich bei den Initiatoren, die anderen in Not helfen, für „das Matchmaking und das Gefühl, wie ein Mitglied der WG-Familie behandelt zu werden“.

Bakary ist 39 Jahre alt und lebt aktuell in der Wohnung von Jonas und Mareike. Wie viele andere hat er Deutschkurse begonnen und hofft auf eine Arbeitserlaubnis. „In einer WG wohnen zu können bedeutet für mich Harmonie und einen guten Weg der Kommunikation zwischen Flüchtlingen und Deutschen“, sagt er. „Ich mag die Idee von Flüchtlinge Willkommen, da sie Menschen ermöglicht, die Vorteile einer WG zu entdecken. Es gibt mir persönlich den Mut, meine eigenen Pläne und Dinge, die ich machen wollte, als ich nach Deutschland kam, zu realisieren.“

Die Idee hat sich auch anderswo in Europa und darüberhinaus herumgesprochen: „Wir erhalten jetzt auch Anfragen von anderen Ländern in Europa, wie Griechenland oder Portugal, aber auch aus Australien oder den USA“, enthüllen die Gründer und sind zufrieden, dass ihre Idee auch anderswo soviel Begeisterung auslöst. Mit den vielen Hiobsbotschaften, die uns momentan aus dem Mittelmeer erreichen, und halbherzigen Entscheidungen auf EU-Ebene, scheint diese Initiative ein kleiner Lichtblick in Hinsicht auf eine neue Art der Willkommenskultur für Flüchtlinge in Europa.