Deutsch-französischer Motor kurbelt auch im Südsudan

Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2011
Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2011
Am Samstag erblickte der 54. afrikanische Staat das Licht der Welt – der Südsudan. Gerade erst geschlüpft, hat die Republik in Zentralafrika bereits weltweit Blicke auf sich gezogen und profitiert von der Unterstützung aus Europa.

 Staatsgründungen sind relativ seltene Ereignisse seit dem Ende der Kolonialzeit und dem Fall des Sowjetischen Regimes. Trotzdem bleiben sie manchmal der letzte Ausweg, um historische und traurigerweise oft bewaffnete Konflikte zu beenden. Im Südsudan haben 3 Millionen Sudanesen in einem Unabhängigkeitsreferendum im Januar zu 98% für die Unabhängigkeit ihrer Region gestimmt. Die Erklärung und die offiziellen Zeremonien fanden am Samstag, den 9. Juli, in der Hauptstadt des jungen Staates – Juba - trotz der mit der Unabhängigkeitserklärung einhergehenden Bedrohungen an der Grenze zum Sudan statt.

Es wird geschätzt, dass die europäischen Autoritäten die Unabhängigkeit des Südsudans anerkennen und unterstützen werden. Belgien beispielsweise hat bereits angekündigt, dass es den frisch geschlüpften Staat ohne Verzögerung offiziell anerkennen wird, auch wenn das Land selbst unter aktuellen Querelen zu leiden hat. Auch die Europäische Union hat bereits eine gemeinschaftliche Deklaration zu diesem Anlass vorbereitet und ihre Mitglieder dazu aufgefordert, den neuen Staat unverzüglich anzuerkennen.

Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) akzeptierte selbst ein Freundschaftsspiel, das am Folgetag der Unabhängigkeitserklärung in den südsudanesischen Farben (schwarz, rot, grün, blau, gelb) gegen Kenia stattfand. Rudolf Andrea, der Generalsekretär des Fußballvereins des Südsudans – sicherlich im Wissen um das, was auf dem Spiel stand – sagte, „unsere Nationalflagge zu sehen und unsere Hymne im Stadion während der kommenden Spiele hören zu können, ist ein historischer Moment.“

Auch wenn die institutionelle Anerkennung des Südsudans eine wichtige Etappe ist, die in dessen Aufnahme in die UNO während der Generalversammlung im September in New York münden dürfte, haben die meisten Beobachter ihr Augenmerk auf die zukünftige Entwicklung des kleinen sezessionistischen Staats gelegt. So verfügt der Südsudan beispielsweise über reiche Naturvorkommen – hauptsächlich Erdöl – die in den 20 Jahren, in denen der Konflikt wütete, nicht ausgeschöpft wurden. Es ist ebendieser Reichtum, der dem jungen Staat die Unterstützung der Vereinigten Staaten, der EU und fast aller Mäzenen in seinem Unabhängigkeitsprozess zusicherte. Sie alle haben Interesse daran, dass die Stabilität des frischgebackenen Staates langfristig erhalten bleibt. 

"Der Anfang eines neuen Sudans - ohne Rassen, Religionen oder Stämme"Die Gründung des Südsudans verschafft dem Land eine einzigartige Position in Afrika, nämlich die eines unterentwickelten Landes ohne Staatsdefizit. Eine wahrhaftige Herausforderung für die Entwicklung, die die europäischen Agenturen für Entwicklung angenommen haben. Die französische Agence française du développement (AFD, Französische Entwicklungsagentur) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben jeweils 6 Millionen Euro für die Weiterentwicklung von urbanen Hydrauliktechniken investiert.

Es wird geschätzt, dass nur 29% der südsudanesischen Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser haben. In den größeren Städten ist es sogar noch schwieriger Trinkwasser-Ressourcen ausfindig zu machen: Fast keines der Wasserwerke ist funktionstüchtig, in den Ballungszentren wird der Zugang zu Trinkwasser deshalb auf nur 14% geschätzt. Deshalb belegt der Südsudan in puncto Trinkwasserversorgung nachwievor den letzten Platz der Weltrangliste. Für Dov Zerah, den Direktor des AFD, der sich sehr für das Land einsetzt, habe der Südsudan heute die Rahmenbedingungen, um der strukturellen Unterentwicklung in Afrika endlich den Rücken zu kehren. Wenn jetzt nichts vorwärts gehe, dann bestehe das Risiko, dass Migrantenströme die Tendenzen morgen noch verstärken: Denn im Südsudan gibt es einerseits eine starke Landflucht (die Landbevölkerung macht heute 80% aus), andererseits könnte sich aber auch der Rückkehrerstrom von Flüchtlingen und Vertriebenen nach der Staatsgründung beschleunigen.

Illustrationen: Homepage (cc)United Nations/flickr ; Video: (cc)euronews/Youtube ; Sudan-Poster (cc)Khalid Albaih/flickr