Der Wein und die Finanzkrise: Ein schlechter Jahrgang

Artikel veröffentlicht am 16. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 16. Dezember 2008
Unter der internationalen Finanzkrise leidet auch der Markt der Luxusartikel und der Champagner wird von gleichermaßen schmackhaften, aber billigeren Weinen verdrängt.

Das krisengeplagte Fest, für die einen zum Wein-en, für die anderen zum Lachen. Genau zur diesjährigen Weinlese brach die Finanzkrise aus und nicht alle werden auf das neue Jahr anstoßen, obwohl 2008 ein ausgesprochen guter Jahrgang war. So ist es keineswegs verwunderlich, dass sich auf dem Höhepunkt der schwerwiegendsten Finanzkrise seit der Großen Depression von 1929 nur wenige einen Clos de la Roche oder Cyrot Chaudron für 30.000 Euro leisten können. Einige Branchenkenner halten dies allerdings für eine wahre Geschäftschance.

Weniger Champagner zu Silvester

Auch viele Champagner-Importeure beklagen sich. Delphine Veissière, Autorin des Buches Voglia di Champagne - 365 giorni all'anno („Lust auf Champagner - 365 Tage im Jahr“, erschienen bei Trenta, 2007), hat keinen Zweifel: „Die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Champagnerkonsum sind nicht von der Hand zu weisen. Die Veröffentlichung einiger Prognosen bezüglich der Familienbudgets hat eine wahre Panikreaktion ausgelöst. Viele Endverbraucher gehen nicht mehr in Restaurants, Arbeitsessen wurden abgesagt und Bestellungen für Weihnachtsgeschenke fielen kleiner aus.“ Das heißt, zum ersten Mal werden auch Champagner-Genießer, für die es in der Regel niemals Krisen gab, weniger anstoßen.

Der Montepulciano d’Abruzzo in der New York Times

Bei all diesen Wirtschaftsproblemen gibt es aber auch Unternehmen, die von der Krise möglicherweise profitieren. Denn der Verbraucher, dessen Budget für bestimmte Edelflaschen nicht mehr ausreicht, könnte auf weniger teure Qualitätssorten umsteigen. Die Herstellerin des Montepulciano d'Abruzzo Masciarelli, Marina Cvetic, ist hiervon überzeugt: „In dieser Zeit verkaufen sich die teuersten Weine schlechter, andere hingegen besser.“ Die New York Times veröffentlichte jüngst eine Liste mit Weinempfehlungen, um der Finanzkrise zu begegnen, und in dieser Liste erscheint auch der Montepulciano d'Abruzzo.

Wird es uns also gelingen, auch dieses Weihnachtsfest würdig zu begehen? Ob Hersteller, Händler oder Verbraucher, die Herausforderung ist für alle die gleiche: Gefragt sind Weine, die nicht das Bankkonto leerräumen, aber dennoch für Gaumenfreude sorgen. Sehen wir, ob uns das gelingt. In diesem Sinne fröhliche Weihnachten und Prost!