Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Artikel veröffentlicht am 2. Juni 2005
Artikel veröffentlicht am 2. Juni 2005

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Die Wahl des neuen Papstes hat mehr als nur einen enttäuscht. Nachdem sich der Rauch verzogen hat wird sich Benedikt XVI. anstrengen müssen, um sein Theologengewand abzulegen und die einfache Kutte eines Menschenhirten überzustreifen.

Bereits in den ersten Wochen seines Pontifikats hat Benedikt XVI., dem der Ruf eines Hardliners vorauseilt, seine Pläne durchblicken lassen: Er will sich der ökumenischen Kontinuität seines Freundes und Vorgängers Johannes Paul II. verschreiben, für den er den Beginn der Seligsprechung um fünf Jahre vorgezogen hat, und eine konservative theologische Leitlinie verfolgen, die in allen Punkten dem widerspricht, was sich die Mehrheit der Gläubigen, und wohl auch guter Teil der Mediziner wünscht - und dies zu einer Zeit, in der die lebendigen Kräfte des Katholizismus weitgehend blutleer sind.

Vor vierzig Jahren erschien uns dieser hochheilige Herr unglaublich revolutionär. Er spielte aktive Rolle bei der Arbeit am Zweiten Vatikanischen Konzils gespielt. Seine Treue zu den Theorien der Glaubenskongregation erscheint umso verstörender, als dass er früher als scharfer Kritiker einer Kirche galt, die zu antik für eine zu moderne Welt ist. Das sollte allen bewusst sein.

Ein Papst mit menschlichem Antlitz

Auf allen Kontinenten erwarten die Menschen einen menschlichen Papst, der um ihre Ängsten und Lebensumstände weiß; einen Papst, der in der Lage ist, die Gläubigen zu verstehen und zu leiten; einen Papst, der seine Kirche voranbringen würde. Was wir aber haben, ist ein intellektueller Papst mit dubioser Vergangenheit, von dem wir kein genaues Bild haben und der wohl die besten „Spin Doctors“ heuern muss, jene Zauberer eines besseren Eindrucks, um die große „Operation Sympathie“ zu ersinnen, die ihn …menschlicher macht? Und anscheinend wurden einige Hebel in Bewegung gesetzt, damit der Papst vom ersten Tag an einen guten Eindruck hinterlässt. Nahe an den Menschen, die gekommen sind ihn zu grüßen, zeigte sich Benedikt XVI. fröhlich und selbstbewusst. Vergessen war die Schüchternheit, die man von ihm kannte. Auch sein Auftreten bei seiner ersten Predigt war gewollt Vertrauen erweckend. Selbst wenn es der neue Name ist, der dem alten Ratzinger eine gewisse Selbstsicherheit gegeben hat, so war die Wirkung effektiv eingesetzter Kommunikationswerkzeuge doch nicht zu übersehen.

Johannes Paul II. wusste überall eine unermessliche und nie zuvor erreichte Welle der Papst-Begeisterung zu entfachen, egal wo er gerade seinen Kampf führte für den Frieden der Menschen (Kalter Krieg, Kommunismus, Kapitalismus, Terrorismus, Völkermord …) und für den Glaubensfrieden (mit den Juden, den Protestanten und vor allem den Orthodoxen). Unter seiner Ägide vollzog sich die Öffnung von Urbi zu Orbi. Doch statt dem Weltkreis sollte sich Benedikt XVI. nun dem Innenleben der Kirche zuwenden. Es ist Zeit, dass der über die Veränderungen in der Gesellschaft nachdenkt und dass er Vorschläge macht, wie man die Doktrin dem Glauben anpassen kann - denn ohne Kirchenmitglieder hätte das Papsttum keinen Sinn. Schließlich hat er in einer Rede vor der Katholischen Akademie Bayern verkündet: „Warum bin ich noch Christ? Weil man nur in der Kirche Christ sein kann und nicht neben der Kirche.“ Schreiten wir zur Tat!

Erwarteten nicht eigentlich viele vom neuen Papst, dass er, der mit beiden Füßen in seiner Kirche und seiner Zeit verankert ist, dank seiner unglaublichen und außerordentlichen Macht Afrika rettet, die Männer, Frauen und Kinder dort, die unter der Doktrin leiden, die Verhütung verbietet, die wegen ihr sogar sterben und das ohne Beistand, ohne Gott, ohne Liebe? Welche menschlichen Werte kann eine solche Doktrin übermitteln? Ich denke, wenn Benedikt XVI akzeptieren würde, dass der Glauben nicht nur in den Regeln und deren drastischer Anwendung besteht, sondern auch in der Liebe, die durch die Nächstenliebe übertragen wird, dann wäre alles so viel einfacher. Ebenso wie die Worte Johannes Pauls II., in einem anderen Zusammenhang, den Lauf der Geschichte beeinflussen und das Leben der Menschen verändern konnten. Komm, Papst, sag nur ein Wort, so wird Afrika gesund.

Operation Sympathie

Doch statt dessen ist eine ‚Operation Sympathie’ angesagt. Es fällt mir schwer zu glauben, dass die schnelle Einrichtung einer Homepage oder das Umwerben seines Fanclubs ausreichen, um aus einem fordernden Theologen einen Hirten zu machen, der seiner Herde nahe ist und von Liebe und Mitgefühl für seine schwarzen Sünderschafe erfüllt ist… All dies ähnelt eher einem enormen Kommunikationsprogramm im Stile eines Mitterand, der sich die Zähne polieren lässt, als dem Beginn einer spirituellen Ära. Oder kann man per E-Mail eine Petition einreichen und in ihr um die Erlaubnis für die Benutzung von Kondomen bitten, ohne die Exkommunizierung zu riskieren?

In diesem Sinne wäre für Benedikt XVI. statt steriler Selbstvermarktung eher ein offenes Ohr für die Erwartungen der Christen angebracht. Das würde ihm viel eher eine breite Akzeptanz bescheren. Statt von einem Panzerkardinal oder einem Rottweiler des Glaubens zu sprechen, setzen wir lieber darauf, dass Benedikt XVI nicht verlernt hat, menschliche Entscheidungen zu treffen.