Der Mindestlohn zerstört Arbeitsplätze!

Artikel veröffentlicht am 11. März 2014
Artikel veröffentlicht am 11. März 2014

|Mei­nung| Der Min­dest­lohn aus US-neo­li­be­ra­ler Per­spek­ti­ve: Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn hat trotz bes­ter In­ten­tio­nen den Le­bens­stan­dard von Ge­ring­ver­die­nern nicht ver­bes­sert. Und, was noch schlim­mer ist: die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen die­ser Markt­ma­ni­pu­lie­rung wer­den ein­fach über­se­hen. Wir klam­mern uns im­mer ­noch an Emotionen statt Ar­gu­men­te.

„Un­er­war­te­ter Ar­ti­kel im Ver­pa­ckungs­be­reich“, plärrt mir der Kas­sen­au­to­mat im Su­per­markt ent­ge­gen. Als ich den An­wei­sun­gen am Bild­schirm folge, blinkt plötz­lich ein Licht, und ein lau­ter Si­gnal­ton er­tönt. Nein, ich ver­su­che nicht, etwas zu steh­len –der Kas­sen­au­to­mat ver­hält sich ein­fach un­ko­ope­ra­tiv. Den aus­blei­ben­den Re­ak­tio­nen des Per­so­nals und der an­de­ren Kun­den zu­fol­ge, ist dies an­schei­nend nor­mal. Sol­che Au­to­ma­ten sind die Folge einer fehl­ge­lei­te­ten Wirt­schafts­po­li­tik, wor­auf ich gleich näher ein­ge­hen möch­te.

Und die Schwächsten leiden

Die Armut und Not, die man­che Men­schen er­lei­den müs­sen, um über die Run­den zu kom­men, ist schwer zu er­tra­gen. Die An­teil­nah­me ist groß, aber nur so­lan­ge die ei­ge­ne Brief­ta­sche nicht be­trof­fen ist. Das Elend die­ser Men­schen lässt uns auf­schrei­en: „Er­höht den Min­dest­lohn!“ Und Po­li­ti­ker werden schnell aktiv, denn sie wit­tern sol­che Ge­le­gen­heiten wie Haie fri­sches Blut. Wenn aber der Po­pu­lis­mus auf diese Weise die Ver­nunft aus­sticht, sind es aber doch am Ende die Schwächs­ten, die am meis­ten dar­un­ter lei­den müs­sen.

Auf den ers­ten Blick ist es eine groß­ar­ti­ge Idee: Wir er­hö­hen den Min­dest­lohn, und alle Men­schen, die in Armut leben, be­kom­men über Nacht eine Lohn­er­hö­hung. Den gie­ri­gen Kon­zer­nen wird ein Teil ihrer Ge­winn­mar­gen ge­stri­chen und die Welt wird ein Stück­chen ge­rech­ter. Ein Jam­mer nur, dass es nicht ganz so ein­fach ist. Denn diese Ar­gu­men­ta­ti­on stößt sich an der harten Realität. Die Höhe des Lohns ist der Preis für eine Ar­beit; er wird je nach An­ge­bots- und Nach­fra­gesi­tua­ti­on auf dem Markt sowie nach der Pro­duk­ti­vi­tät einer Per­son be­rech­net.

Indem ein Min­dest­lohn fest­ge­setzt wird, legt das Ge­setz also ef­fek­tiv ein Min­dest­maß an Pro­duk­ti­vi­tät fest. Im Klar­text: Wenn man keine Ar­beit be­herrscht, die 8 Euro pro Stun­de wert ist, darf man auch nicht ar­bei­ten. Der ein­zi­ge Grund, warum je­mand Ar­beits­plät­ze schafft, ist im­mer­hin, um Geld zu ver­die­nen. Wenn ein Ar­beit­neh­mer aber mehr kos­tet, als er oder sie wert ist, ist der Ar­beit­ge­ber ge­zwun­gen, etwas zu un­ter­neh­men.

BESSER TANKSTELLE, ALS ZU HAUSE SITZEN

Zu den Maß­nah­men, die ein Ar­beit­ge­ber er­grei­fen kann, zählt unter an­de­rem die Um­la­ge der Kos­ten auf den Ver­brau­cher. Ei­ni­ge Un­ter­neh­men ver­zeich­nen zwar enor­me Ge­win­ne, die Mar­gen sind dabei je­doch hauch­dünn. Diese Un­ter­neh­men kön­nen die Kos­ten einer ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Lohn­er­hö­hung also un­mög­lich selbst tra­gen. Die dar­aus re­sul­tie­ren­den Preis­stei­ge­run­gen be­las­ten den Geld­beu­tel des Ver­brau­chers, und die größ­ten Ver­lie­rer sind dabei er­neut die wirt­schaft­lich Schwächs­ten.

Es geht noch wei­ter. Indem die ers­ten Spros­sen der Kar­rie­re­lei­ter quasi kom­plett ent­fernt wer­den, wird die­sen be­nach­tei­lig­ten Per­so­nen auch die Ge­le­gen­heit ge­nom­men, eine Ar­beit über­haupt erst zu er­ler­nen. Selbst der oder die Schul­ab­bre­cher(in) kann sich bei einem schlecht be­zahl­ten Hilfs­job an der Tank­stel­le viele wert­vol­le Fä­hig­kei­ten an­eig­nen. Er oder sie muss z.B. früh auf­ste­hen und pünkt­lich bei der Ar­beit er­schei­nen. Wenn man viel Zeit an einer Tank­stel­le ver­bringt, kann man au­ßer­dem Ei­ni­ges auf­schnap­pen, das für eine Aus­bil­dung zum Kfz-Me­cha­ni­ker nütz­lich sein könn­te. Schlicht nutz­los wäre es, zu Hause blei­ben zu müs­sen – wel­che Fol­gen hätte das für das Selbst­wert­ge­fühl der Be­trof­fe­nen?

Ar­beit­ge­ber wür­den auch nach anderen Wegen su­chen, die An­zahl der er­for­der­li­chen Mit­ar­bei­ter zu re­du­zie­ren, wenn sie für ihre Arbeitskräfte zu viel bezahlen müssten. Teure An­schaf­fun­gen, wie z. B. mein nör­geln­der Kas­sen­au­to­mat, wer­den so plötz­lich viel at­trak­ti­ver. Auch wenn die Kun­den ihn nicht un­be­dingt mögen, zie­hen sie ihn doch hö­he­ren Prei­sen vor. We­ni­ger Kell­ner und Bar­per­so­nal haben auch einen lang­sa­me­ren Ser­vice zur Folge; da wir je­doch mit un­se­ren Brief­ta­schen wäh­len und die­je­ni­gen Be­trie­be ho­no­rie­ren, die uns das beste Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis bie­ten, kommt der Ar­beit­ge­ber schnell zur Er­kennt­nis, dass er keine Wahl hat und mit we­ni­ger Per­so­nal aus­kom­men muss. Un­zäh­li­ge Tank­stel­len­hel­fer, Pagen, Platz­an­wei­ser, Fast-Food-An­ge­stell­te, und – der Kas­sen­au­to­mat vor mir be­weist es – Kas­sie­rer, haben durch den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn ihre Ar­beit ver­lo­ren.

Der freie Wille Arbeit und Geld auszutauschen

Jobs, die das auf­er­leg­te Min­dest­ni­veau an Pro­duk­ti­vi­tät nicht er­fül­len, gibt es wei­ter­hin – sie wer­den je­doch als Schwarz­ar­beit in die Il­le­ga­li­tät ge­drängt. Genau wie jede an­de­re Preis­fest­set­zungs­maß­nah­me führt auch der Min­dest­lohn zu Eng­päs­sen und zur Ent­ste­hung von Schwarz­märk­ten. „Aber das ist un­fair”, den­ken da viele,  denn wie soll man mit we­ni­ger als 8 Euro pro Stun­de eine Fa­mi­lie er­näh­ren?

Wie soll man seine Miete be­zah­len? So kann man doch kein wür­de­vol­les Leben füh­ren. Diese schwie­ri­gen Um­stän­de sind real; indem je­doch per Ge­setz eine ge­rin­ge­re An­zahl an Men­schen ein paar Euro mehr pro Stun­de ver­dient, wird diese Si­tua­ti­on nicht ver­bes­sert, sie wird im Ge­gen­teil noch ver­schlim­mert. Au­ßer­dem, wieso gehen wir ei­gent­lich davon aus, dass jeder Ar­beits­platz die Be­dürf­nis­se eines Haupt­ver­die­ners er­fül­len muss? Was ist mit den jun­gen Men­schen, die noch zu Hause leben, und mit­hil­fe einer un­ge­lern­ten Ar­beit etwas für sich und ihre Fa­mi­li­en da­zu­ver­die­nen? Soll­te von ihnen er­war­tet wer­den, eine Fa­mi­lie zu er­näh­ren? Muss jeder, der ar­bei­tet, auch in der Lage sein, eine Miete zu be­zah­len?

Ein Vi­de­obei­trag zur Be­für­wor­tung des Min­dest­lohns.

Be­für­wor­ter des Min­dest­lohns er­in­nern gerne an ver­gan­ge­ne schwe­re Zei­ten und die  Bil­der von Gru­ben­ar­bei­tern, Ha­fen­ar­bei­tern und Sweat­shops. Diese Art der Aus­beu­tung, war den Ar­bei­tern je­doch oft­mals lie­ber als die Al­ter­na­ti­ve – näm­lich ein Leben in land­wirt­schaft­li­cher Sub­sis­tenz. Und durch die Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät und große In­ves­ti­tio­nen wur­den Mil­lio­nen Men­schen aus der Armut her­aus­ge­führt; die Löhne stie­gen ste­tig an und Sweat­shops ver­schwan­den noch lange be­vor der Min­dest­lohn ein­ge­führt wurde. Was wurde durch diese Maß­nah­me also er­reicht? Aus­beu­tung ist nun il­le­gal – das klingt groß­ar­tig und bringt den Po­li­ti­kern An­er­ken­nung. Tat­säch­lich haben sie sich je­doch wie Ver­kehrs­po­li­zis­ten vor den wirt­schaft­li­chen Fort­schritt ge­stellt und ihm Ein­halt ge­bo­ten.

Zu guter Letzt möch­te ich noch auf den As­pekt des frei­en Wil­lens hin­wei­sen – der viel­leicht wich­tigs­te Ge­sichts­punkt zu die­sem Thema. Warum soll­te man nicht selbst ent­schei­den kön­nen, ob eine be­stimm­te Ar­beit für einen selbst loh­nens­wert ist oder nicht? Woher nimmt je­mand das Recht, sich in den Weg zu stel­len, wenn zwei Par­tei­en sich aus frei­em Wil­len dazu ent­schei­den, Ar­beit und Geld aus­zu­tau­schen? Vor­sicht vor Kreuz­züg­lern mit guten Ab­sich­ten, po­pu­lis­ti­schen Po­li­ti­kern und un­er­war­te­ten Ar­ti­keln im Ver­pa­ckungs­be­rei­ch.