Der Mars – ein heißer Planet

Artikel veröffentlicht am 8. März 2004
Aus der Community
Artikel veröffentlicht am 8. März 2004

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Nicht Europa entdeckte das Wasser auf dem Mars, sondern die USA. Dem alten Kontinent bleibt jetzt nur noch eine Möglichkeit, um in die Geschichte der Raumfahrt einzugehen: Der erste Fuß, der den Mars betritt, muss europäisch sein.

„George Bush kündigte den Wunsch an, den ersten Menschen auf den Mars zu entsenden.“ Diese Nachricht wurde trotz ihrer scheinbaren Aktualität schon 1989 bekannt gegeben. Jetzt tritt George Bush Jr. wieder einmal in die Fußstapfen seines Vaters, nachdem er bereits Teil zwei des Irakkrieges angeführt hat.

Der glorreicherweise auf den Namen des Kriegsgottes getaufte Mars ist dabei, einen Krieg darüber zu entfachen, wer als erstes sein Wasser entdecken wird - sofern es denn überhaupt existiert. Am 18. Januar fand der Mars Express, ein Projekt der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), erstmals Eis auf dem Mars. Der alte Kontinent verstand es, diese „Entdeckung“ als einen exklusiv europäischen Sieg zu verkaufen.

Europa, der Kontinent ohne Geschichte

Russland entsandte 1961 mit Yuri Gagarin den ersten Menschen ins All und die USA 1969 mit Neil Armstrong den ersten Menschen auf den Mond. Europa, das den Errungenschaften in der Geschichte der Raumfahrt bisher noch fern stand, wollte mit der Entdeckung des Wassers auf dem Mars endlich Lorbeeren ernten. Jedoch bereits im Dezember 2000 kündigten Wissenschaftler des US-amerikanischen Mars Global Surveyors(1) die Entdeckung früherer Meeresgründe auf dem Mars an. Und im Januar 2001 deuteten NASA - Wissenschaftler nach Untersuchungen an einem vom Mars stammenden Meteoriten an, es könnte dort Wasser geben. Im Mai 2002 entdeckte die nordamerikanische Mars Odyssey(2) sogar Wasserablagerungen. Als ob es damit noch nicht genug sei, stellte Bill Clinton 1996 den Meteoriten ALH84001 als Beweis dafür vor, dass es auf dem Mars einmal Leben gegeben habe (3).

Aber es scheint, dass für Europa die US-amerikanischen Entdeckungen bereits Schnee von gestern sind, und dass ihre – psychologische – Vormachtstellung über den Mars die Europäer jetzt sogar zu überzeugenderen Vorschlägen bringt. Der Sicherheit, dass es dort oben Wasser gibt, sollen bemannte Fahrten zum Mars, im Rahmen des Projektes „Aurora“, folgen. Für 2004 ist geplant, den ersten Europäer auf den Mond zu senden. Nach dieser Generalprobe soll dann gegen 2030 ein Europäer auf dem Mars landen.

In diesem Punkt ist Europa aber auch nicht mit den Vereinigten Staaten vergleichbar. Deutschland ist nämlich nicht am „Aurora“-Projekt beteiligt, weil „die Kosten der Operation nicht in Relation zu den Risiken steht“.

Unkontrollierte Einwanderung auf den Mars

George W. Bush hat indessen die Rückkehr nordamerikanischer Astronauten auf den Mond für den Zeitraum ab 2015 angekündigt. Ein Stützpunkt auf dem Mond soll als Ausgangsbasis für eine bemannte Mission auf den Mars um das Jahr 2030 dienen. Abgesehen davon, dass Bush mit seinen Mars-Plänen den Demokraten John Kerry schlagen will, antwortet er auf diese Weise auch auf die extraterresten Absichten Chinas und Indiens, um die militärische Vormachtsstellung der USA im All zu sichern. Die chinesische Weltraumorganisation hat am 14. Februar ihre Pläne bekannt gegeben, im Jahr 2007 mit der Eroberung des Mondes zu starten. Die Chinesen werden vor 2020 aber keine Expedition auf den Roten Planeten in die Wege leiten. Die indische Weltraum-Politik dagegen ist ‚farbenblind’ und nimmt zur Zeit den Roten Planeten nicht wahr.

Indien spezialisiert sich eher auf Anwendungen der Weltraumtechnologie (Satelliten für die Telekommunikation, die Beobachtung der Erde, Kartographie, Meteorologie) und zeigt wenig Interessse für die Forschung. Die übrigen Weltraummächte USA, Europäische Union, Russland, China und Japan allerdings haben jetzt alle das gleiche Ziel. Aber der Mars ist kein guter Gastgeber, denn von den bisher 40 vorgesehenen Expeditionen sind 24 bereits gescheitert.

Die Weltraumkarriere hat positive Effekte für Europa. Die ESA fördert die Entwicklung neuer Raumfahrtstechnologien und schafft Arbeitsplätze für Hochqualifizierte. Rechnet man dazu noch die Allianz mit den Zaren der RKA (Rossiyskoe Kosmicheskoe Agentstvo, Russische Weltraumorganisation), können die europäischen Cäsare danach trachten, die NASA in den Schatten zu stellen. Aber vergessen wir nicht, dass zwar der Mars nur einige Lichtminuten von der Erde entfernt ist, das Budget der ESA aber Lichtjahre entfernt von dem der NASA liegt.

Uns bleibt immer noch die Venus

Zum hohen Eurokurs, zum Sieg im Zollstreit und zum Nein eines Großteils der europäischen Länder zum Irakkrieg wollen die Begründer der Vorstellung einer Vorreiterrolle Europas den Erfolg im Weltraum dazurechnen. Aber Europa darf sich nicht selbst täuschen. Das Wasser auf dem Mars war eine US-amerikanische Entdeckung. Jetzt muss der alte Kontinent seine gesamten Kräfte auf eine bemannte Expedition zum Mars richten. Wenn Europa nicht nur ein großes Medienereignis nach marktwirtschaftlichen Regeln veranstalten, sondern wirklich in die Geschichte der Raumfahrt eingehen will, muss der erste Mann (denn es wird wohl keine Frau sein), der den Mars betritt, Europäer sein. Europa ist dazu fähig. Und wenn die USA oder China oder wer auch immer uns zuvorkommen, wird es ebenfalls ein Sieg für die Menschheit sein. Außerdem wird uns immer die Venus bleiben, die die Göttin der Liebe war...