Der MacGyver des ukrainischen Transportwesens 

Artikel veröffentlicht am 20. September 2016
Artikel veröffentlicht am 20. September 2016

2013 hat ein ukrainischer Grafikdesigner im Alleingang eine Karte des Straßenbahnnetzes seiner Stadt Dnipro entworfen. Diesen Sommer hat er die Fahrpläne einer Kindereisenbahn wieder auf Vordermann gebracht und historische Tickets entworfen - auf eigen Kosten. Porträt.

„Ich würde jetzt nicht sagen, dass es sich um ein sehr philosophisches Projekt handelt“, sagt Aleksander Zajtsew in Bezug auf sein Engagement. „Ich will einfach nur zum Wandel beitragen und sehen, dass die Welt sich ändert. Wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte, inspiriert mich das.“

In Dnipro, Aleksanders Geburtsort von über einer Million Einwohnern in der Zentralukraine, gibt es viele Quellen für Inspiration. Nachdem er zwei Jahre in der Hauptstadt Kiew als IT- und Grafikdesigner gearbeitet hatte, ist er vor zwei Monaten in seine Heimatregion zurückgekehrt.

Aber auch schon vor seiner Rückkehr hatte Aleksander immer wieder Projekte in Dnipro vorangetrieben. So zum Beispiel hat er den Fahrplan seiner Stadt komplett neu überarbeitet. „Ich habe einen Straßenbahn-Fahrplan für Dnipro entworfen. Davor hat echt niemand kapiert, wie die Bahnlinien funktionieren und wo genau sich die Haltestellen befinden.“ Nach einigen Problemen, die mit dem Druck der neuen Pläne und der Finanzierung des Projekts zu tun hatten, ging am Ende aber trotzdem alles gut.

Arbeiten für umme?

Es war nicht das erste Mal, dass Aleksander ehrenamtlich unterwegs war. „Vorher war ich Mitglied eines Kiewer Kollektivs: The Agents of Change. Wir wollten den Metroplan updaten und haben dann potenzielle Spender und Institutionen angesprochen, uns bei der Finanzierung zu helfen, um die Fahrpläne drucken zu können.“

Diesen Sommer hat der junge Vater in Dnipro auch ein Projekt für Kinder initiiert. „In einem der Parks der Stadt gibt es jetzt eine Kindereisenbahn. Da kommst du nicht dran vorbei, alle Leute der Stadt kennen diese Eisenbahnstrecke. Als Kind bin ich immer damit gefahren. Und als ich dann selbst Vater wurde, habe ich sie wiederentdeckt und mir gedacht, die Eisenbahnstrecke muss mal gründlich überarbeitet werden.“

Aleksander arbeitet daraufhin an neuen Fahrplänen und entwarf Tickets zum Sammeln, die den traditionellen Kassenbon ersetzen sollen. „Ich wollte, dass die Kids mit einem Erinnerungsticket hier rausgehen, als würden sie eine Postkarte erhalten“, erklärt Aleksander. Die Kosten für den Druck der ersten 1000 Tickets übernahmen Aleksander und einige seiner Freunde selbst. Für die nächste Runde kam das Geld aber innerhalb weniger Tage über einen Spendenaufruf auf Facebook zusammen.

Sich in der Ukraine sozial zu engagieren werde zunehmend populärer, bemerkt Aleksander auch. IT und Design werden besonders für Projekte zum Schutz der Umwelt verwendet. So zum Beispiel für Fußgängerzonen und Parkplätze, die neu konzipiert werden.

„Ich denke, dass sich nach den Demos auf dem Maidan-Platz etwas Grundsätzliches geändert hat. Der Wandel ist jetzt deutlicher spürbar. Viele Menschen und besonders junge Leute haben gemerkt, dass sie aktiv zur Gestaltung ihrer Zukunft beitragen können“, erklärt Aleksander. „Der Wunsch, aktiv in die Politik einzugreifen, ist dabei unser Motor.“

tu.