Der Krieg hat Folgen für die gesamte Kaukasusregion

Artikel veröffentlicht am 27. August 2008
Artikel veröffentlicht am 27. August 2008
Ein Interview und Tagebuch des Außenministers von Abchasien, Maxim Gunji, der zweiten abtrünnigen Region Georgiens.

Welche Folgen hat der Krieg für Abchasien?

Der Krieg hat die Stabilität in der gesamten Kaukasusregion beeinflusst. Hier ist nicht viel gekämpft worden, aber unserer Armee ist es im Norden von Kodori Gorge in Abchasien gelungen, , georgische Truppen mit geringen Verlusten zurückzudrängen, die dort positioniert waren, um Abchasien anzugreifen.

Wie haben die in Europa lebenden Abchasen darauf reagiert?

Die etwa 24.000 im Ausland lebenden Abchasen wohnen vor allem in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Es gab viele Kampagnen und Proteste, besonders in der Türkei. Der Friedensplan von Frankreichs Präsident Sarkozy ist ein guter Anfang für ein verstärktes Streben nach Unabhängigkeit auf dem internationalen Parkett.

Wie war die Reaktion der westlichen Medien?

Die US-Medien haben sich sehr mutig und offen auf die Seite Georgiens gestellt. CNN und BBC haben Filmmaterial aus Zchinwali benutzt und behauptet, es stamme aus der georgischen Stadt Gori. Sie haben Bilder von Georgiern veröffentlicht, die georgische Soldaten auf ihrem Weg nach Südossetien begrüßten, und sie präsentiert, als handle es sich um Südosseten, die die georgische Armee willkommen hießen. Sie haben die Zahl der getöteten Zivilisten mit über 2.000 beziffert als ginge es um Aktienkurse. Sie haben ausschließlich Interviews mit dem Präsidenten Michail Saakaschwili gesendet, der keine objektiven Antworten geben kann. Keine ausländischen Journalisten waren in Zchinwali vor Ort abgesehen von denen, die auf georgischen Panzern mitfuhren. An den ersten Tagen haben sie Bombardements von Seiten der georgischen Armee gezeigt und behauptet es sei der Beschuss Georgiens durch die Russen. Während der ersten Tage des georgischen Angriffs verhielten sich die Medien auffällig still, um dann plötzlich zu berichten, dass Russland in Georgien einmarschiert ist. Es gab noch viele weitere Fälle von Fehlberichterstattung.

Wie sieht dagegen die Medienlandschaft in Abchasien aus?

Die abchasischen Medien sind nicht so entwickelt wie die westlichen – oder auch wie die georgischen, die viel mehr Unterstützung durch westliche Fachleute erhalten – aber sie sind freier als in Georgien. Saakaschwili hat in Georgien den Informationsfluss unterbunden und sein Volk von Informationen abgeschottet. In Abchasien wäre es unter keinen Umständen möglich, die Medien so zu kontrollieren, wie dies in Georgien geschieht.

Ist Georgien in anderer Hinsicht europäisch?

Georgien ist nicht europäisch. Wie kann Saakaschwili ein Interview vor einer Europaflagge geben? Er wiederholt einfach nur ständig das Wort ‘Demokratie‘. Ist das eine Beruhigungspille für das westliche Publikum? Kann man Georgien überhaupt als europäisch betrachten, wenn man bedenkt, dass es ständig versucht, Europa in einen Konflikt mit Russland zu verwickeln und für Instabilität an den Außengrenzen Europas zu sorgen?

Kennen Sie Abchasen, die sich für Georgien aussprechen?

Es gibt ein paar kleine Gruppen von Flüchtlingen, die nach Abchasien zurückgekehrt sind und Georgien aktiv unterstützen.

Abchasien wehrt sich: vier Tagebucheinträge

©Lev Yakupov/ Flickr

7.-8. August – Russland greift Georgien an

Wir mobilisieren unsere Armee und bieten Südossetien humanitäre und politische Hilfe an. Wir kritisieren offen den georgischen Übergriff.

12. August - „Ende“ der Kampfhandlungen / EU vermittelte Waffenruhe

Wir starten ein Manöver in Kodori Gore, eine unmittelbare Bedrohung für unsere Sicherheit.

21. August – Russland unterbricht die Allianz mit der Nato

Unsere Nationalversammlung appelliert an Russland, Abchasien anzuerkennen.

22. August – Moskau “zieht sich zurück“

Wir appellieren an Russland, ein Militärabkommen mit Abchasien abzuschließen und russische Einheiten als Schutztruppen stationiert zu lassen.

1. September - EU-Gipfeltreffen

"Beim EU-Gipfeltreffen müssen auch Vertreter von Südossetien und Abchasien zu Wort kommen. Es wäre unfair, wenn nur Georgier eingeladen werden und nicht allen Parteien vertreten sein würden."