Der Kaukasuskonflikt in den europäischen Blogs

Artikel veröffentlicht am 28. August 2008
Artikel veröffentlicht am 28. August 2008
Der Krieg im Kaukasus hat die Blogosphäre in Bewegung gebracht. Das Bedürfnis zu verstehen und zu diskutieren ist groß, da PR-Berater die Nachrichten auf beiden Seiten manipuliert haben.

©Photo: rugbyxm/ FlickrRussland mag vielleicht die eigentlichen Kampfhandlungen, die am 7. August ausgebrochen sind, ohne große Schwierigkeiten gewonnen haben, aber Georgien war wesentlich erfolgreicher, was die psychologische Kriegsführung angeht, argumentiert der deutsche Blog Der Spiegelfechter. Der Blogger Jens Berger kritisiert die europäische Flagge, die bei allen offiziellen Fernsehansprachen stets hinter dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili hing.

Im Gegensatz dazu hat das cafebabel.com-Team in Strassburg die georgische Flagge im Herzen Europas entdeckt. Auf ihrem Babelblog kann man die Ansichten französischer Georgier sowie eine Chronologie der zum Krieg führenden Ereignisse lesen.

©Rock is Life/ FlickrAber “Wer hätte sich schon groß angestrengt, um Georgien zu beschützen?“, fragt Jean-Sébastien Lefebvre auf seinem französischen BabelblogNo Way. Es sei nicht überraschend, dass Amerika, die Nato oder die EU den georgischen Fall nicht weiter unterstützt hätten, argumentiert er.

©PostimeesDer italienische Babelblogger Giovanni Angioni hat zahlreiche Kommentare zu seinem Artikel über die Wahrscheinlichkeit eines russischen Einmarschs in Estland, einem Land mit einer großen russischsprachigen ethnischen Minderheit, erhalten. Diese Einträge zeigen, dass einige Bürger in Ost- und Mitteleuropa sich durch die Mitgliedschaft in der EU und in der NATO nicht ausreichend geschützt fühlen. Das cafebabel.com-Team in Tallinn hat eine Debatte mit Journalisten der größten estnischen Tageszeitung Postimees zum Thema organisiert. Die Zeitung veröffentlichte Mitte August eine bunte Karte, die Russlands Militärstrategie für einen Angriff auf Estland schilderte.

©gingerpig2000/ FlickrDie Untätigkeit der NATO und der EU ist ebenfalls der Grund dafür, dass Pawel Lisicki, polnischer Journalist der eher konservativen Zeitung Rzeczpospolita die Idee einer neuen Verteidigungsunion auf seinem Blog hat. EU-Mitglieder, die ehemals Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts gewesen waren, sollten ihre Kooperation verstärken, weil sie die “Erinnerungen an die kommunistische Unterdrückung“ teilen würden, so der polnische Präsident Lech Kaczynski in Tiflis, wo er am 12. August mit drei anderen osteuropäischen Präsidenten seine Solidarität bekundete.

©Chewbacka/ FlickrHelga kommentiert im BabelblogA Glance at Estonia den Konflikt aus der russischen Perspektive, wobei sie mit vielen Links und Videos auf andere Seiten verweist. Laut der Bloggerin kann die Tragödie, die seit 1991 andauert, nur durch die Unabhängigkeit für Südossetien und Abchasien gestoppt werden.