Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne

Artikel veröffentlicht am 11. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 11. November 2007
Es ist immer überraschend eine neue Darstellung von etwas zu entdecken, was man doch eigentlich schon kennt. Wer hat noch nie ein Buch über die Konzentrationslager im Dritten Reich gelesen, oder einen Film bzw. eine Dokumentation darüber gesehen? Oder wer hat dieses Thema noch nie detailliert in der Schule behandelt?
Daher ist es umso unglaublicher, dass es dem Autor bei diesem Thema gelingt, dem Leser eine neue Perspektive zu eröffnen. Ich sah das Buch zum ersten Mal (in spanischer Fassung) auf dem Tisch der Neuerscheinungen irgendeiner Buchhandlung als ich mal wieder einen meiner Spaziergänge machte und nach einem Cover suchte, das mir förmlich ins Auge springt. Dies tat es, ganz sicher. Von weitem konnte ich nur die blassen, bläulichen Streifen erkennen. Als ich näher herantrat und den Titel lesen konnte, dachte ich, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Ich drehte es um, um meine Neugier auf den Inhalt zu besänftigen. Doch das Einzige, was mir gelang war, diese Neugier noch zu verstärken. Ich verließ die Buchhandlung ohne das Buch, da ich kein Portemonnaie dabei hatte. Einige Tage später kommentierte ein Gast einer Gesprächsrunde im Radio die Schlichtheit des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama. Ich hatte das Gefühl, dass mich dieses Buch verfolgt, so dass ich es mir bei der nächsten Gelegenheit kaufte, allerdings mit etwas Angst, dass es mich nach so langem Warten eventuell enttäuschen könnte. Mittlerweile kann ich aber sicher sagen, dass diese Befürchtung nicht eingetreten ist, denn das Buch hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Es ist schon sehr lange her, dass ich ein Buch las, während ich auf der Straße unterwegs war oder dass ich neue Möglichkeiten erfand, um auch an Orten lesen zu können, wo ich bis dato noch nie gelesen hatte. Alles, um Bruno weiter kennen zu lernen. Ich werde nicht viel mehr über den Inhalt erzählen, denn die Magie des Buches besteht darin, ihn zu entdecken. Es sei nur gesagt, dass es schon lange her ist, dass ich an einer Darstellung der Realität Teil hatte, die einerseits so kindlich und süß ist und gleichzeitig doch so schrecklich grausam. Die Geschichte erinnert an „Das Leben ist schön“, doch sobald man versucht Bruno mit Giosué zu vergleichen, wird man überrascht, denn eigentlich sind die beiden „total gegensätzlich“, oder vielleicht auch nicht, oder doch... Weitere Informationen finden sie auf der offiziellen, englischsprachigen Internetseite von John Boyne (www.johnboyne.com). Dort finden Sie alles von Biografien über Artikel bis hin zu kurzen Erzählungen. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ ist eins der neuesten Werke des irischen Schriftstellers. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und in den verschiedensten Ländern veröffentlicht, von Australien über Israel nach China, Brasilien, Italien und in vielen anderen mehr. In Spanien erschien das Buch dieses Jahr im Salamandra-Verlag. Obwohl das Umschlagbild bei den meisten Auflagen beibehalten wurde, entschied man sich in Australien, England und Deutschland (Anmerkung des Übersetzers) für andere Cover. Meiner Meinung nach ist das Bild allerdings ein Teil des Geheimnisses dieses Werkes. Miramax/Disney hat es sich bereits zur Aufgabe gemacht unter der Leitung von Marc Herman einen auf dem Roman basierenden Spielfilm zu drehen. In Spanien wurde dieser Film bisher noch nicht gezeigt. Bleibt nur zu hoffen, dass diese wundervolle Geschichte nicht dem Film zum Opfer fällt.

Boy_20Spain.jpgSara Domínguez Martín

Übersetzt von

Björn Gillmann