Der irische Nobel Seamus Heaney ist tot

Artikel veröffentlicht am 17. September 2013
Artikel veröffentlicht am 17. September 2013

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Als ich vom Tode des irischen Dichters Seamus Heaney erfuhr, der am 30. August 2013 im Alter von 74 Jahren verstarb, schien es passend mich wieder in jene Worte zu vertiefen, die mich in solchen Situationen immer begleiten - Heanys Gedichte über Trauer, Erinnerung und das heilende Ritual der Beerdigung.

Its heft and hush become a bright nowhere, 

A soul ramifying and forever 

Silent, before silence listened for. 

(Clearances) 

Bei Schülern und Studierenden in ganz Großbritannien ist der irische Nobelpreisträger am bekanntesten für das erste Gedicht der Sammlung Death of a Naturalist (Tod eines Naturforschers) - "Digging" (Graben). Das knapp gefasste Gedicht, das die Beziehung des Erzählers mit dem Land und zu seinem Vater beschreibt, wird jedes Jahr im Englisch-Unterricht im ganzen Land auseinanderklamüsert. Auch wenn es so fruchtbar scheint wie die Erde, die der Vater des Erzählers durchschneidet, so fehlt "Graben" sowohl die Sinnlichkeit anderer, in der selben Sammlung enthaltenen Gedichte, wie auch die gewichtige, deutliche Trauer seiner späteren Moor-Gedichte:

As if he had been poured

in tar, he lies

on a pillow of turf

and seems to weep

the black river of himself. (The Grabaulle Man)

Mit komplizierten Beschreibungen von Moorleichen aus der Eisenzeit, die man im Torf fand, so erforschen diese Gedichte auch die wenig greifbaren Konturen der Schuld derer, die im heutigen Irland "in kultivierter Empörung die Augen schließen." Fast die gesamte Lebenszeit Heaneys stand unter dem Einfluss der Nordirland-Unruhen. Auch wenn seine Dichtung manchmal durch die gegensätzlichen Sichtweisen von Unionisten und Nationalisten verzerrt wurde, so gehören zu seinen bewegendsten Werken jene, die die erlittenen Verluste der Menschen und das ungeheure, schmerzliche Leid der Beteiligten greifbar machen.

It was a day of cold

Raw silence, wild-blown

Surplice and soutane. (Casualty)

Wenige Monate vorher, sagte ich zum schottischen Dichter John Burnside, dass man Mitglieder seiner Zunft oft als Säulenheilige betrachtet und ihnen eine gewisse Aura zuschreibt. "Das hat sich geändert, weißt du", antwortete John. "Der letzte, auf den das tatsächlich zutrifft, ist Seamus Heaney. Nicht dass er sich wichtig machen würde - aber wenn er einen Raum betritt, dann spürt man das. Er hat Ausstrahlung."

Wo auch immer ihr euch in Europa befindet heute nacht, stoßt auf einen großartigen Dichter an, den wir schmerzlich missen werden.

Dawn-sniffing revenant,

Plodder through midnight rain,

Question me again. (Casualty)