Denkt Juncker wirklich an die Jugend Europas?

Artikel veröffentlicht am 17. September 2016
Artikel veröffentlicht am 17. September 2016

Letzte Woche sprach der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker in seiner Rede vor dem Europäischen Parlament auch die Situation der europäischen Jugend an. Seine Behauptung: Er akzeptiere nicht, dass "Europa ein Kontinent der Jugendarbeitslosigkeit bleibt". Aber wie steht es wirklich um die Jugendpolitik der EU - und was kann man in den nächsten Jahren von ihr erwarten?

Am Mittwoch, den 14. September, hat Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, im Rahmen seiner jährlichen Rede zur Lage der Europäischen Union vor dem Europäischen Parlament gesprochen. Die Jugendorganisationen erwarteten sich viel von dieser Ansprache. Den Mittelpunkt der Rede stellten jedoch europäische Werte und die interne Sicherheit Europas dar. Um mehr über die Jugendpolitik zu erfahren, haben wir mit  Valentin Dupouey, Generalsekretär von JEF Europe (den Jungen Europäischen Föderalisten) und Sarah Farndale, Pressesprecherin von EYF (dem Europäischen Jugendforum) gesprochen. 

Cafébabel: Was denken Sie über die europäische Jugendpolitik seitdem Juncker 2014 sein Amt angetreten hat?

Sarah Farndale: Wir sehen nur sehr wenige konkrete Taten. Der Jugend wurden in der Vergangenheit viele Versprechen gemacht, aber wir konnten keine echten Maßnahmen in dem Bereich erkennen, besonders bei der Einbeziehung der Jugend in die Debatte über die Zukunft Europas. Wir werden von der Politik nicht richtig eingebunden.

Den Europarat, der heute in Bratislava beginnt, haben wir aufgerufen die Jugend in die Debatte einzubeziehen und ihr zuzuhören. 

Cafébabel: Was kann man von Jean-Claude Juncker im Bezug auf die Jugendpolitik erwarten?

Valentin Dupouey: Insbesondere bei den Themen Jugend und Ausbildung haben wir erwartet, dass starke und klare Verbindlichkeiten zur europäischen Finanzierung geschaffen werden, besonders für Erasmus+ und die Jugendgarantie, die zwar erst Schwierigkeiten hatte sich zu entwickeln, zuletzt aber Wirkung zeigte.

Außerdem haben wir erwartet, dass der Europäische Haushaltsstabilitätspakt flexiblere Regeln für Ausbildungs-und Jugendausgaben beinhaltet. Dies ist leider nicht der Fall.

Cafébabel: Was wurde genau versprochen und was wird wirklich passieren?

Valentin Dupouey: Jean-Claude Juncker hatte von der Jugendgarantie gesprochen und schlug dabei einen sehr positiven Ton an. Er hat insbesondere gesagt, er akzeptiere es nicht, dass "die Generation Millenium - die Generation Y - zum ersten Mal seit 70 Jahren ärmer ist als ihre Eltern".

Schlussendlich wurde das Budget für die Jugendgarantie durch die Youth Employment Initiative gekürzt. Im Zeitraum 2014-2016 wurden sechs Millarden Euro investiert, wohingegen dieser Betrag in den Jahren 2017-2020 nur zwei Millarden Euro betragen wird. Die sechs Millarden Euro waren ursprünglich für die gesamte Laufzeit vorgesehen, wurden aber in den ersten drei Jahren aufgebraucht. Ein wenig Geld wird also doch hinzugefügt, was an sich eigentlich eine gute Nachricht ist, auch wenn es deutlich weniger wird als gedacht.

Cafébabel: Sind Sie enttäuscht?

Valentin Dupouey: Wir sind über den großen Unterschied zwischen Taten und und eher progressiven Worten enttäuscht. Wir hatten mit Erklärungen über Jugendfreiwilligenarbeit in Krisensituationen, z.B. für Flüchtlinge oder bei dem Erdbeben in Italien, gerechnet. Aber was dann schlussendlich vorgeschlagen wurde, ähnelt langfristig mehr einer Reaktion als einer Aktion. 

Cafébabel: Was ist Ihr Vorschlag, um die Jugendpolitik der EU zu verbessern?

Sarah Farndale: Zuallererst denken wir, dass die Jugend angehört werden sollte. Es ist wichtig, ihnen in der Debatte eine Stimme zu geben. Außerdem denken wir, dass eine echte Investition in die Jugend, ob bei der Jobsuche oder in der Ausbildung, nötig ist. Es ist dafür zu sorgen, dass die Jugend voll und ganz in die Gesellschaft integriert werden.

___

Cet article a été rédigé par cafébabel Bruxelles. Toute appellation d'origine contrôlée.