DENA: Oh, jetzt hab' ich Europa voll gedisst, ne?

Artikel veröffentlicht am 26. November 2014
Artikel veröffentlicht am 26. November 2014

DENA überzeugt mit einem individuellen Musikmix aus fetten Beats und Berliner BlingBling. Gerade ist sie mit ihrem aktuellen Album Flash auf Europa-Tour. cafébabel traf DENA in Köln, wo sie mit Lässigkeit und Köpfchen überzeugte. 

Treffpunkt: King George, Köln. Der Club ist superklein und mindestens genauso hip. Zu hip für mich, beim letzten Mal bin ich nicht reingekommen. Es ist auf jeden Fall eine der angesagtesten Adressen Deutschlands und einer der Stops von DENAS Tour zum aktuellen Album Flash. Jetzt schaue ich mich um und überlege, wo DENA hier denn überhaupt zwischen den plüschigen Sesseln, den alten Retrolampen und der Bar auftreten soll. Der Besitzer zeigt auf einen Fleck in der Mitte: „Hier.“ Passt irgendwie. Hier ist alles hip, cool, stylish. Genau so stelle ich mir auch DENA vor. 

So kennt man Denitza Todorowa, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, schließlich bereits seit ihrer ersten Single , dem Internet-Hit 'Cash, Diamond Rings, Swimming Pools'. In Schlabberpulli, goldener Prollokette und dem lässigsten Musikvideo seit es Flohmärkte gibt, spielte sich DENA im Sommer 2012 mit eingängigen HipHop-Beats, poppiger Hook und coolen Rhymes von unseren Herzen direkt ins Tanzbein. 

DENA - Cash, Diamond Rings, Swimming Pools, 2012

Der Mix aus 'Balkan from the block' und Berlin Neukölln schlug ein wie eine Bombe! Alle warteten gespannt auf das Album und wurden nicht enttäuscht. Denn spätestens seit Flash (Melting Pot Music) ist klar: Dieser Mix ist eben ihr Style. Cool, ein bisschen rotzig, direkt.

Der neueste Hipstershit also?

„Lass mal rüber in den Bagelshop, einen Kaffee trinken.“ Naja, wie aufgesetzter Berliner Hipsterschick sieht das hier auf jeden Fall nicht aus. Wir trinken Kaffee, im Hintergrund läuft Backstreet Boys und DENA wirkt so lässig, dass man ihr abkauft, dass sie einfach ihr eigenes Ding macht und ihr egal ist, ob das jetzt einem gewissen Stil entspricht oder nicht. Und so sagt sie es dann auch. Style ist für sie eher etwas Abstraktes. „Das ist eher so ein Gefühl, was man für etwas hat. Für mich ist das etwas Intuitives.“ Also einfach ein Lebensgefühl? No bullshit, for real?

Jap, einfach ein Lebensgefühl. Und woher kommt das? Von ihren bulgarischen Wurzeln? Oder doch aus der Neuköllner Hipsterszene? Oder ist sie doch ein typischer Kandidat der coolen, europäischen Jugend von heute? Weder noch. Dena hat ihre ganz eigene Sicht der Dinge. „Europa ist schon ein Thema, was mich immer beschäftigt hat.“ 

Die gebürtige Bulgarin lebt bereits seit zehn Jahren in Berlin. Damals kam sie zum Studieren nach Deutschland und die Anfangsphase, als Bulgarien noch nicht zur EU gehörte, bedeutete aufgrund von Visa und Co. schon Stress: „Die EU ist schon ein elitärer Club. Wir meinen, es ist total normal, dass wir für’s Wochenende in die Oper nach Wien fliegen, aber für Leute aus Mazedonien oder der Türkei ist das absolut nicht so. Ich glaube echt, dass einiges durch Pässe, Ausweise und Zugehörigkeiten reguliert wird. Und das ist auf jeden Fall dieses zweischneidige Schwert - Bulgarien vor und nach der EU - so wie ich es erlebt habe. Ich bin natürlich sehr happy, dass ich heute mit Easyjet überall in einer Stunde hinfliegen kann und alles scheint irgendwie zusammengewachsen.“ 

DENA - Guest List, 2013

Alles zusammengewachsen also?

Aha! Also repräsentiert sie doch die junge, hippe Eurogeneration? Ein bisschen ja, denn auch DENA machte mal Erasmus. Sie studierte ein Semester in Istanbul und bekam dort eine ganz eigene Sicht auf Europa: „Da habe ich immer am Bosporus rumgehangen und mir gedacht 'Ok, hier endet Europa jetzt!'. Geographisch zumindest, aber vom Gefühl der Leute würde man das nie so sehen. Die würden nie sagen, Istanbul ist Teil von Europa oder so. Geographie und das, was sich in den Köpfen der Leute abspielt, sind echt zwei verschiedene Sachen.“ 

Und so ist es auch ein bisschen in Bulgarien, erklärt sie: „Ich bin jetzt nicht so oft da, aber in Bulgarien wird es schon oft zu einem Thema gemacht und man misst sich mit den anderen: Sind wir europäisch? Also europäisch wird quasi als Inbegriff für Zivilisation und positive Werte verwendet. Aber Europäer, das ist in Bulgarien wirklich ein politischer Begriff. Aber was da als europäisch empfunden wird, ist eher dieser Club der fünf Großmächte.“ Puh, also doch kein Kind Europas? 

DENA feat. Erlend Øye - Flashed (Acoustic Version), 2014

Die Inspiration holt sich die Sängerin meist bei Freunden und in der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Das überrascht nun wirklich kaum, denn schließlich arbeitete sie bereits mit Leuten wie Erlend Øye, Jence von Digitalism und Ballett School zusammen. Macht das auch ein bisschen das Zusammenleben in Berlin aus? Zumindest könnte sie sich zurzeit nicht vorstellen, wirklich irgendwo anders zu wohnen. 

Sie findet an Berlin einfach super, „dass das alles so international und durchmischt ist und man nicht ständig damit konfrontiert wird, wo man herkommt. Da fragt selten jemand 'Oh, du hast aber einen komischen Akzent, wo kommst du denn her?'“ Und das schafft eben eine ganz besondere Stimmung in Berlin, die DENA sehr zu schätzen weiß. „Von so einem Gefühl der Freiheit her. Dass ich also komplett nicht an irgendwelche Sprachen und Grenzen denke. Ich lebe eigentlich völlig losgelöst von Grenzen.“

DENAs Style ist ein Lebensgefühl. Und das liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen Bulgarien, Istanbul, Berlin und dem Rest der Welt. „Oh, jetzt hab ich Europa voll gedisst, ne?“ Nee, alles gut. Die hat ihre eigene Meinung und die hat mit langweiligem Hipstergehabe nichts zu tun. Sie scheint sich einfach gerne von ihrer Umgebung und den Menschen, die mit ihr zusammenarbeiten, inspirieren zu lassen. „Haters gonna hate, lovers gonna love, one thing is for sure“, singt sie auf der Platte. We love! Denn die ist klug, diese DENA, und einfach sie selbst. No bullshit. For real.