Debatte im tazcafé zum Thema "Green Cinema"

Artikel veröffentlicht am 6. Dezember 2010
Artikel veröffentlicht am 6. Dezember 2010
Wie können Filme das ökologische Handeln beeinflussen? Bekommen Umweltthemen durch sie größere Aufmerksamkeit? (ökofilmtour), (EYZ Media GbR) und (Medienwissenschaftlerin, TU Berlin) haben für Café Babel Berlin Bilanz gezogen und nach den Möglichkeiten des Mediums gefragt.

Ernst Alfred Müller Natalie GravenorJohanna Schulz

Ein glücklicher Moderator - Sébastien Vannier - vom cafebabel.com Team in Berlin!

Zunächst versuchte Johanna Schulz, eine Definition des „grünen Films“ zu geben. Welche Filme sind das eigentlich und können diese unsere Handlungen beeinflussen? Das Thema sei übrigens gar nicht so neu, erklärte sie, der älteste Film zum Thema „Kontrolle der Wasserqualität Federsee“ wurde 1911 gedreht. Die Kollision zwischen Natur und Zivilisation tauchte als Thema nicht nur in Dokumentationen wie „Leben ohne Gleichgewicht“ (1982) oder „Dschungelburger“ (1995) auf, sondern auch in Science-Fiction-Filmen wie „Soilent Green“ (1973), den man als Öko-Thriller bezeichnen könne. Diese Filme hatten meist nur ein Nischenpublikum, ein Umstand, der sich mit Filmen wie „Eine unbequeme Wahrheit“ (Al Gore, 2006) „The Age of Stupid“ (Franny Armstrong, 2008) ändern sollte. Doch wie kommen die Inhalte von grünen Filmen zu den Zuschauern?

Ernst-Alfred Müller stellte seine ökofilmtour vor, ein jährliches Filmprogramm mit meist regionalen Filmen zu ökologischen Themen, das in kleinen Ortschaften, in Kirchen, Kulturhäusern und Freizeiteinrichtungen in Brandenburg gezeigt wird. Durch die hohe Identifikation mit der Region würden sich viele Menschen für die Filme interessieren, in denen es manchmal um lokale, immer um nachvollziehbare Themen ginge. Unterhaltsamkeit sei für ihn das wichtigste Kriterium, um einen Film in seine Reihe aufzunehmen. Frau Schulz wies darauf hin, dass viele Barrieren überwunden werden müssen, bevor ein Zuschauer tatsächlich sein Verhalten ändere. Unterhaltsamkeit wäre daher ein gutes Mittel. Der Rezipient nehme Medien selektiv wahr, kann also die Themen verdrängen, die ihn nicht interessieren. Die komplexen Inhalte und Botschaften müssten erst entschlüsselt werden und sollte sich der Zuschauer zu sehr überredet fühlen oder die Nachrichten als zu übermächtig empfinden, erzeuge das ein Ohnmachtsgefühl und passives Verhalten. Johanna Schulz plädierte dafür, ökologische Themen in bestehende Filmformate einzubinden, um eine größere Zuschauerschicht zu erreichen.

Natalie Gravenor von EYZ media tut genau dies in ihrer täglichen Arbeit. Sie vermittelt Filme mit ökologischen und sozialen Anliegen an Festivals, oder veranstaltet Filmreihen mit ihren Partnerorganisationen, die immer mit einer Diskussion über das betreffende Thema einhergehen. Sie räumte ein, dass einige Filme aufgrund ihrer pompösen Musik oder der schnellen Montage für einige abschreckend wirken könnten, betonte aber, dass sie mehr Identifikation für die Zuschauer bieten würden, wenn in Dokumentarfilmen Mittel des narrativen Kinos verwendet würden. Sie zeigte Ausschnitte der Filme „Unser Planet“, „Rainbow Warriors“ und „Gasland“. 

Nach der Diskussion feierten wir den 10. Geburtstag von cafebabel.com mit leckeren Geburtstagsmuffins - ein Dankeschön an alle Helfer! 

Bereits zum sechsten Mal in Folge geht cafebabel.com in eine neue Runde seiner monatlichen on the ground Reportageserie. 2011 steht unsere Mission Green Europe on the ground unter einem grünen Stern. Für die Lokalteams bedeutet das: 10 Reportagereisen - Debatten inklusive - in 10 europäischen Metropolen, die den grünen Daumen Europas in menschennahen Artikeln kritisch unter die Lupe nehmen. Budapest, Rom, Brüssel, Strasburg, Paris, Sevilla, Ljubljana sind mit dabei.