Daumen raus: Per Anhalter durch Rumänien

Artikel veröffentlicht am 25. September 2008
Artikel veröffentlicht am 25. September 2008
Mit dem französischen Verein Trans Euro Stop können junge Menschen per Anhalter ein europäisches Land entdecken. Sommer für Sommer am Straßenrand, manchmal auch über die Grenzen von Schengen hinweg.

Vom nördlichen Polarkreis bis Marokko, von Griechenland über Österreich bis Irland - seit 23 Jahren ermöglicht Trans Euro Stop jedes Jahr etwa zwanzig Jugendlichen eine ganz andere Art des Reisens. Die Teilnehmer trampen zu zweit in ein Land ihrer Wahl. Dort sind einzelne Etappen vorgesehen, um die Kultur des jeweiligen Landes zu entdecken. Es bleibt aber auch für jeden genug Freiheit, um nach eigener Lust und Laune herumzureisen.

Außergewöhnliche Reisebekanntschaften

©Trans Euro StopDieses Jahr steht auf den Pappschildern für den Straßenrand, dem Fahrtenbuch des Vereins: „Rumänien“. Thomas, 24 Jahre alt, stammt aus Nantes und ist im Sommer als Anhalter in Richtung Osten getrampt. „Wenn man allein, ohne seine Freunde losfährt, ist man offener für Neues, für das Land und die rumänische Kultur“, erklärt er. Thomas ist gemeinsam mit Fabien unterwegs, der ebenfalls aus Frankreich stammt. „Ist per Anhalter reisen nicht total veraltet?“ hatte sie erstaunt ein polnischer Fahrer gefragt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden Abenteurer schon problemlos Frankreich und Deutschland hinter sich gelassen. Allerdings haben sie in beiden Ländern unterschiedliche Erfahrungen gemacht: „Auf den Raststätten der deutschen Autobahnen haben wir Autofahrer direkt darauf angesprochen, ob sie uns nicht mitnehmen können. Man muss da schon ein bisschen dreist sein.“

Von Einladungen zum Essen bei den Einheimischen bis hin zu einer Fahrt mit einem treuen Reiseabschnittsgefährten - diese Art der Fortbewegung trägt einiges zum ewigen Mythos der Reisebekanntschaften bei. „Einmal hat sogar ein Bahnhofsvorsteher Fabien angeboten, seine Tochter zu heiraten“, erzählt Thomas. Und auch als die Sprachhürden immer höher wurden, funktionierte die Kommunikation durch Zeichen und Gesten einwandfrei. „Oft halten die Fahrer an, um sich die Fahrzeit mit Diskussionen zu verkürzen. Wenn man einfach nur schlafen will, ist der Anhalter für sie nicht interessant.“ Manche Etappen legten Thomas und Fabien mit dem Zug zurück, um rechtzeitig zur Gruppe zu stoßen und um Prag und die Slovakei zu sehen.

Edel- und Pferdekarren

Nach acht Tagen erreichen die beiden Anhalter die Heimat Draculas. Hier kreuzen Pferdefuhrwerke nagelneue BMW, die Straßen sind mit Schlaglöchern übersäht. An den Rändern stehen Verkäufer mit Blaubeeren. Hier weht neben jeder rumänischen Flagge auch die europäische - niemals eine ohne die andere. Die beiden Reisenden werden warmherzig empfangen: „Als wir in Rumänien angekommen sind, haben wir einen Musiklehrer kennen gelernt. Er hat einem Taxifahrer einen bekritzelten Zettel in die Hand gedrückt. Dieser hat uns dann in ein Dorf gefahren, wo uns eine Lehrerin bei sich aufgenommen hat. Ihre Tochter sprach Französisch und hat uns die ganze Umgebung gezeigt.“

Eine Europareise mit Trans Euro Stop ist originell und zugleich beruhigend für ein sommerliches Abenteuer. „Viele junge Europäer, die wir unterwegs auf der Straße oder in den Jugendherbergen getroffen haben, waren von dem Verein begeistert“, erinnert sich Thomas. Momentan ist Trans Euro Stop eher noch lokal verankert. Der Verein sieht jedoch vor, seine Road Trips zunehmend auch auf europäischer Ebene weiterzuentwickeln.