Das Prinzip des 'fishing for compliments'

Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2009
Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2009
Das 'fishing' lebt! Wie sich der moderne Komplimenteangler vor der zunehmenden Globalisierung und Entmenschung schützt.

Zu dick? Zu hässlich? Unerträglich? Italienerin? Bei seinen Mitmenschen nach Bestätigung zu suchen, ist für traurige Menschen oder die, die sich nach den guten alten Zeiten sehnen, ein leichtes. Sich beschweren? Nichts einfacher als das!

Es wird allerdings zunehmend schwieriger, dass die Menschen um einen herum, Eltern oder Freunde, diese Notwendigkeit auch verstehen. Demzufolge sehen sich viele Menschen heutzutage des so genannten fishing for compliments angeklagt. Allerseits werden sie attackiert - für ihr simples und legitimes Verlangen nach Bestätigung.

Der englische Ausdruck, der soviel heißt wie 'nach Komplimenten zu angeln', wird denen schonungslos entgegen geworfen, die Tendenz haben, sich selbst kleiner zu machen als sie eigentlich sind. Und zwar, damit die Anderen sie besser unterstützen oder - na klar - ihnen Komplimente entgegen werfen! Das fishing ist das genaue Gegenteil der französischen Wendung s’envoyer des fleurs ('sich Blumen schicken' also sich Komplimente machen) oder der pittoresken spanischen Redensart Tu no tienes abuela? ('Hast Du keine Oma?' [die Dich von Natur aus immer verteidigen würde?]) - beides Symptome einer unglaublichen Arroganz.

Das fishing for compliments aber ist in seiner Feinheit das ganze Gegenteil. Es zeugt von bescheidener Demut, von Angst, Unsicherheit und - das muss jetzt einfach einmal gesagt werden - von Innigkeit.

Sollte man das fishing for compliments im Licht der modernen Gesellschaften, in denen zwischenmenschliche Beziehungen auf ein Minimum reduziert werden, in denen sich das Individuum mehr und mehr isoliert und ständig in Konkurrenz mit Anderen steht, demnach als Antwort des Menschen auf die zunehmende Globalisierung lesen? Als eine Rückkehr zum Menschlichen, dorthin, wo der Mensch langsam verschwindet?

Junge Europäer! Seid ohne Angst und Furcht! Wendet Euch in diesen rastlosen Zeiten der Finanzkrise und der internationalen Mobilität, in diesen Zeiten steigender Preise und Arbeitslosigkeit, an Eure Umgebung, Eure Familie, Eure Kollegen, um eine Rückkehr zum guten alten Kompliment zu provozieren! Nur Mut, das fishing for compliments ist längst nicht tot - die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich weiß, dass ihr meinen Text grottenschlecht findet…Komplimente könnt ihr aber unten in der Kommentarfunktion hinterlassen!

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