Das Leben der Straßenkinder in Nepal – eine Spirale der Selbstzerstörung

Artikel veröffentlicht am 13. Mai 2012
Artikel veröffentlicht am 13. Mai 2012
Von Bibbi Abruzzini Übersetzt von Maike Wohlfarth Unter den 29 Millionen Einwohnern Nepals befinden sich über 30.000 Straßenkinder. Trotz der Krise hierzulande, kann die Realität in Europa in keiner Weise mit dem täglichen Überlebenskampf dieser nepalesischen Kinder verglichen werden. Der slowenische Filmemacher Miha Mohorič ist einer der 719.547 Touristen, die im letzten Jahr nach Nepal reisten.
Er beschloss den Alltag der Straßenkinder im überbevölkerten Katmandu zu dokumentieren. Cafebabel interviewte den Regisseur, der sich wünscht, mit seinem Werk auch in Europa das Interesse für die dortigen Umstände zu wecken.!!!

Warum und wie bist du so nah an die Straßenkinder herangekommen?

Mein erster Kontakt mit Straßenkindern war so, wie für die meisten Ausländer, die Katmandu besuchen: man hat Mitleid mit ihnen und vergisst sie dann schnell wieder. Aufgrund von Visaproblemen war ich jedoch gezwungen länger in Katmandu zu bleiben und bin extrem nah an eine Gang herangekommen. So habe ich kleine Details über das Leben der Straßenkinder entdeckt, die den Touristen normalerweise verborgen bleiben. „KHATTE – The kids from the street“ ist eine Dokumentation über ihren Überlebenskampf und die Rolle einiger Nichtregierungsorganisationen, die die Straßenkinder als Vorwand nutzen um Spendengelder zu sammeln und sich selbst daran zu bereichern. Durch das Eintauchen in ihren Alltag, habe ich gespürt, dass unter der Oberfläche dieser Drogenabhängigen in dreckigen Klamotten Kinder stecken, die Zuneigung brauchen und wie andere Kinder auch lachen wollen. Sie haben nur einander und obwohl sie nichts besitzen, teilen sie noch ihr letztes Essen, und das sogar mit den Straßenhunden. Natürlich ist Europa tausende Kilometer von all dem entfernt, aber schon wenn ich es schaffe, die Europäer für diese, nicht so seltenen, anderen Lebensumstände etwas aufmerksamer zu machen, sehe ich meine Mission als erfüllt.

Sowohl in Nepal als auch in Europa gibt es gegenüber Straßenkindern oft Vorurteile. Welche Gefühle, die in dir geweckt wurden, konntest du mit der Kamera nicht einfangen?

Internationale NGOs, die mit Straßenkindern zusammenarbeiten, waren nicht sehr kooperativ und ich durfte ihre Arbeit mit den Kindern nicht filmen. Außerdem war es schwierig Ladenbesitzer zu filmen, die den Kindern Klebstoff verkaufen, da sie immer versuchten, ihn vor der Kamera zu verstecken. Ich fand es besonders schlimm zu sehen, wie die Straßenkinder von anderen Menschen behandelt wurden, die sie als Kriminelle sahen, anstatt zu verstehen, dass sie keine andere Wahl haben. Könnten sie es sich aussuchen, würden sie nicht auf der Straße leben und Drogen nehmen. Außerdem konnte ich mit der Kamera nicht den niemals endenden Kreislauf einfangen, den ihr Leben darstellt. Es geht immer so weiter und endet in der Selbstzerstörung.

Was für ein Konzept steht hinter HiddenWords production?

Wir sind eine Gruppe engagierter Europäer, die um die Welt reisen, um Dinge zu dokumentieren, denen größere Aufmerksamkeit zuteil kommen sollte oder die in den Medien präsenter sein sollten. Unser Markenzeichen ist unsere Kamera und unsere Vision Geschichten zu zeigen, egal ob sie fröhlich oder traurig sind, wahre Geschichten, die nicht durch die Medien beeinflusst sind. Mit unseren Projekten wollen wir die Grenzen zum Unbekannten überschreiten und auch die Schattenseiten des Lebens, kulturelle und soziale Probleme, aufzeigen.

Wann wird „KHATTE“ herausgebracht und was ist sein Zielpublikum?

„KHATTE – The kids from the street“ kommt Mitte dieses Jahres heraus. Zuerst werde ich mich auf Dokumentarfilmfestivals konzentrieren und dann wird er auch im europäischen Fernsehen ausgestrahlt werden. Beim Dreh hatte ich eine breites Publikum im Blick, da ich glaube, dass dies eine Realität ist, mit der jeder konfrontiert werden sollte.