Das Geschäft mit dem Krimskrams

Artikel veröffentlicht am 11. September 2008
Artikel veröffentlicht am 11. September 2008
Der Brüsseler Flohmarkt: Schnäppchenparadies und Kontaktbörse

©Clara FajardoDer Flohmarkt der belgischen Hauptstadt ist dem bürokratischen Zentrum Europas zwar fremd, profitiert aber von seiner Nähe. Es ist ein strategisch perfekt gelegener Ort, um alle möglichen Dinge von altem Krempel bis hin zu Antiquitäten zu kaufen und verkaufen. Seine Lage am Place du Jeu de Balle ist ideal, um in der Nähe der Antiquitätenhändler in der Rue Blaes wertvolle Einzelstücke zu finden. Diese leben in Symbiose mit den fliegenden Händlern, die später oft sogar zu ihren Hauptzulieferern werden.

Vollständige Bestecksets aus dem 16. Jahrhundert, Uhren aller Epochen, Kisten voller Porzellan, Teeservices, 100 Jahre alte Radios , Fernbedienungen und Polaroid-Kameras: all dies sind Waren, die man auf dem Flohmarkt finden kann. Auch die Kulturszene Brüssels lässt sich vom Geist des freien Marktes in Miniaturformat und einer Bevölkerung im ständigen Wandel beeinflussen. Dies ist der Schlüssel zum Erfolg des Straßenverkaufs. Zweimal pro Jahr finden in der belgischen Hauptstadt und Umgebung große Sammlungen von Habseligkeiten statt, die keinen mehr interessieren, ob wegen Wohnungswechsel, Umbau oder einfach, um etwas Geld nebenbei zu verdienen.

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Marketingwaffen raus!

“Man muss zu diesen beiden Terminen im Jahr die Waffen des Marketings und der Überredung einsetzen“, erklärt einer der tunesischen Händler der Place du Jeu de Balle, denn der “Haushaltsmüll“, unter dem sich sogar eine Fotografie der Ahnen des Besitzers befinden kann, geht als Gesamtpaket an den höchstbietenden Händler. Dem Profil jedes zukünftigen Verkäufers kommt eine Schlüsselfunktion zu. Sie ist das Hauptkriterium, auf dessen Basis der Eigentümer entscheidet, wem er sein Vermächtnis anvertraut. In dieser Hinsicht herrscht ein harter Wettbewerb zwischen den alten Händlerhasen und den Neulingen, wie der junge Tunesier feststellt, der gerade mal sechs Monate im Geschäft ist.

Aufgrund dieser Strategien der gewitzten Händler tolerieren sowohl die Stadtverwaltung als auch Kaufleute diese Form der steuerfreien Versteigerung. Einerseits sorgt der Flohmarkt für eine Wiedereingliederung in den Warenkreislauf von Gegenständen, die fast alle eine neue Verwendung finden. Darüber hinaus ist er nicht nur eine großartige Fundgrube für die Antiquitätenhändler der Umgebung, die hier nicht nur besondere Einzelstücke finden, sondern bietet den Fachleuten ein wertvolles Netz an Kontakten.

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Loyaler Wettbewerb 

Das Kundenprofil des Käufers, der zur Place du Jeu de Balle kommt, unterscheidet sich grundlegend von dem des Sammlers, der Antiquitätenläden aufsucht. Eine Tatsache, die das Überleben beider garantiert. Ersterer versucht ganz einfach sein Glück und hofft, ein Schnäppchen mit nach Hause nehmen zu können. Patrice, ein Schweizer Student, ist einer von ihnen. Er hat eine Lampe aus den 1970er Jahren für 20 Euro gefunden, deren Ladenpreis dreimal so hoch wäre. Der zweite Kundentyp hingegen sucht ganz bestimmte Läden auf und hat bereits eine feste Vorstellung vom gesuchten Objekt. Wie im Falle der französischen Beamtin Hélène, die in das Antiquitätengeschäft Passage 25 in der Rue Blaes kommt, um eine Originalausgabe von "Tintín au Congo" (Tim und Struppi im Kongo) mit Autogramm des Künstlers Hergé aus dem Jahr 1931 für den Preis von 680 Euro zu erstehen.

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Die Geschäftsführerin des Passage 25 gibt zu, dass sie viele der Stücke in ihrem Laden nur dank Tipps der fliegenden Händler erwerben konnte. Trotzdem verkaufe sie "keinen Müll", hebt sie hervor. Jedes ausgestellte Stück werde im Vorfeld sorgfältig restauriert, was die stolzen Preise rechtfertige.