Dänemark in den Augen seiner internationalen Regisseure

Artikel veröffentlicht am 28. April 2016
Artikel veröffentlicht am 28. April 2016

Neben ihrer speziellen Ästhetik sind dänische Filme berühmt für starkes Storytelling, mutigen Realismus und schwarzen Humor. Eine neue Generation von Filmemachern aus dem Ausland bringt ihre eigenen Empfindlichkeiten, Ideale, Themen und Ästethiken mit nach Dänemark - nicht ohne Kompromisse.

Milad Alami und Andreas Thaulow sind zwei junge Regisseure mit Migrationshintergrund, die in Kopenhagen leben und arbeiten. In meinen Interviews mit den Regisseuren wollte ich mehr über ihre Beziehung zum Film als Spiegel ihrer eigenen Ideale und Weltanschauungen herausfinden.

Außenseiter und die Suche nach Identität

„Ich glaube, dass ein Film trotz Lokalkolorit sowohl in Dänemark als auch in Thailand wichtig sein kann. Es gibt ähnliche Typen von Menschen, Geschichten und Konflikten, und sie sind ziemlich universell“, sagt Milad Alami, während wir über seinen Debüt-Featurefilm sprechen. Die Dreharbeiten sollen im August beginnen und Milad ist sowohl aufgeregt als auch konzentriert. Es gibt noch viel zu tun.

Alami wurde im Iran geboren und ist in Schweden aufgewachsen. Er zog nach Kopenhagen, als er an der staatlichen Filmhochschule Den Danske Filmskole angenommen wurde, wo er mehrere erfolgreiche Kurzfilme gedreht hat. Der junge Regisseur ist besonders fasziniert vom Übergang zwischen Teenageralter und Erwachsensein.

Die Figuren in Alamis Filmen sind starke und komplexe Individuen, oft junge Frauen, die als Außenseiter auftreten. Milad Alami bevorzugt das Motiv des Outsider, denn es gibt ihm die Möglichkeit, die Welt aus einer neuen, ihm selbst fremden Perspektive zu betrachten. Damit werden wir als Zuschauer unweigerlich in universelle Geschichten über Zugehörigkeit, Verlust, Liebe und Identitätssuche eingesogen.

Der Sinn des Lebens im Global Village

Andreas Thaulow ist ein norwegischer Regisseur, der 2003 nach Dänemark kam. Er hat an der unabhängigen Filmschule Super16 im Nordisk Film Studio in Kopenhagen einen Abschluss gemacht. Seit einer Weile lässt Andreas sich von der Philosophie inspirieren, vor allem der Ethik und ihren moralischen Aspekten. „Wer über Moralphilosophie schreibt, schreibt Fiktion“, sagt der Regisseur.

In seiner Arbeit tauchen oft Gewissensfragen, Missverständnisse und die Gratwanderung zwischen innerer Wut und Softie-Dasein auf. Seine Figuren sind oft junge Männer, die von ihrer Umgebung missverstanden werden, weil sie aus einer starken Mischung aus Kontrasten geformt werden. Das führt meistens zu intensiven Konflikten, sowohl mit sich selbst als auch mit der Umgebung.

„Für mich ist es wichtig, über meine Rolle als Filmemacher nachzudenken, welchen Lebenszweck ich in der weiteren Welt habe. Ich glaube, unserer Job ist es, Menschen zu unterhalten und sie über Situationen nachdenken zu lassen, über die sie vorher vielleicht nicht nachgedacht hätten“, so das Ideal, nach dem Andreas Thaulow in seinen Filmen sucht.

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Text und Videos von Marijana Verhoef

Dieser Artikel ist Teil unserer Reportagereihe 'EUtoo' 2015 zu 'Europas Enttäuschten', gefördert von der Europäischen Kommission.