Cost of Life Day: Ist Budapest die preiswerteste Hauptstadt Europas?

Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2008
Zwölf cafebabel.com -Localteams von Sofia bis London verbrachten gleichzeitig einen Abend damit, ins Kino zu gehen, auswärts zu essen, einen trinken zu gehen und anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren.

©kwazar/flickrVera düst mit ihrem französischen Kleinwagen durch Sofia. Das ist preiswerter als die U-Bahn oder der Marshrutka [siehe Foto], einem in den Balkanländern weit verbreiteten Minibus. Öffentliche Verkehrsmittel sind in der Hauptstadt Bulgariens extrem teuer. Ansonsten kommt man mit einem Euro in Bulgarien aber ziemlich weit. Der „Abend der Lebenshaltungskosten“, den das cafebabel.com-Localteam in Sofia verbracht hat, beläuft sich auf 20 Bulgarische Leva, umgerechnet ca. 10,24 Euro pro Person.

Preiswerter Süden

Unser kleines Experiment bestätigt ein europäisches Nord-Süd-Gefälle. Man kann verallgemeinernd sagen, dass man weniger für Dienstleistungen und Freizeitvergnügen zahlt, je weiter man nach Süden kommt. Babel-Reporter in Lyon, Istanbul, Clermont Ferrand und Sevilla gaben alle um die 16-20 Euro für ihr Abendprogramm aus. In Athen bekommt man für diesen Preis sogar ein Theaterstück geboten, und es gibt in der griechischen Metropole mehr Theater als in London, wie Elina uns berichtet. Paris, Lyon und Sevilla bieten einen mobilen Fahrradverleih an. Dank eines automatisierten Systems braucht man lediglich eine Kreditkarte, um ein Fahrrad zu leihen. Die Gebühren sind in den drei Städten jedoch sehr unterschiedlich. Paris, das Mekka des Tourismus, nimmt seine Besucher aus, wo es nur kann. Das Pariser Team, La Parisienne, muss gleich doppelt leiden. Es lebt in einer der teuersten Städte Europas. Am Abend auszugehen kostet üblicherweise zwischen 25 und 30 Euro, was nur noch von den armen Schweden übertroffen wird, die ein Vermögen für ein Bier ausgeben müssen.

©Köttbullekvist/flickr

Waldemar gibt an seinem Abend in Stockholm fürstliche 27,50 Euro aus und stellt unser Experiment auch noch auf ein wissenschaftliches Fundament: Der Big Mac-Index stellt einen inoffiziellen Kaufkraft-Wechselkurs zwischen verschiedenen Ländern dar.

Am meisten leiden die Moral und die Gesundheit der Straßburger Gruppe unter dem Verzehr von globalisiertem Fastfood. Natürlich hätten sie die Regionalspezialität Flammkuchen vorgezogen, feiern ihre Ergebnisse nun aber mit zahlreichen Happy Meals.

Auch Köln wartet mit einer regionalen Besonderheit auf: Es ist die einzige Stadt in Deutschland, in denen man Bier in 0,2 Liter Gläsern serviert bekommt, die an Reagenzgläser erinnern. Das Gebräu (Spötter sagen, es sei gar kein Bier) wird „Kölsch“ genannt und ist ab 1,30 Euro zu haben.

Die Babelstadt, in der man am meisten für sein Geld bekommt, ist aber Budapest. Éva, Judit und

©habeebee/flickrVeronika haben sich eine Nacht lang für schlappe 7,34 Euro pro Person im Herzen der Stadt vergnügt. Allerdings wenden sie ein, dass der Durchschnittsverdient in Ungarn bei 430 Euro liegt. Im Verhältnis dazu ist das Leben in Budapest also gar nicht preiswert. Die Ergebnisse von cafebabel.coms „Tag der Lebenshaltungskosten“ lassen also nur relative Schlussfolgerungen zu. Aber am Ende sollte das Localteam der Auvergne recht behalten: Ein Abend mit guten Freunden ist unbezahlbar.

*Das Konzept für den Tag der Lebenshaltungskosten wurde im Sommer 2008 bei der Babel Ackademy auf der Isola Polvese in Italien geboren. Vertreter der Localteams des Netzwerks beschlossen, durch einen Aktionstag zum Thema der aktuellen Debatte einen Beitrag zu der Zielsetzung der Initiative ‘EU Debate On the Ground’ zu leisten. Am 25. Oktober diskutierten Babelianer in Tallinn den Beitritt Estlands zur Eurozone.

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