COP22: "Kein Zurück im Kampf gegen den Klimawandel"

Artikel veröffentlicht am 29. November 2016
Artikel veröffentlicht am 29. November 2016

Im Kampf gegen den Klimawandel liegt noch ein weiter Weg vor uns. Sein Erfolg wird von den Regierungen dieser Welt und ihren Taten abhängen. Aber die Klimakonferenz COP22 sorgt für gute Nachrichten. Ein Kommentar.

Vor Kurzem habe ich den Dokumentarfilm Samuel in the Clouds geschaut. Er erzählt die Geschichte eines alten Skilift-Betreibers, der jeden Tag zum Alpino Boliviano Club auf dem Berg Chacaltaya in Bolivien fährt, um das Schutzgebiet der Anden zu bewachen. Der Berg ist 5300m hoch, aber seit 2009 ist der Schnee von seinem Gipfel verschwunden. Und dennoch geht Samuel weiter täglich auf den Berg, in der Hoffnung, dass der Schnee eines Tages zurückkehrt. 

Es ist das Ziel der internationalen Klimaverhandlungen diesen verhängnisvollen Trend umzukehren. Seit 1995 findne sie jährlich statt; gerade erst ist die diesjährige Konferenz in Marrakech zu Ende gegange. Aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns, und sein Erfolg wird von den Taten der Regierungen dieser Welt abhängen. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Morokko als Anführer Afrikas

Morokko, Gastgeber der diesjährigen COP22 Klimakonferenz in Marrakech, bemühte sich sehr, sein grünes Engagement auch zu zeigen. Im Laufe des letzten Jahres schaffte Marokko die Plastiktüten ab, begann alte, umweltverschmutzende Taxen und Busse zu ersetzen, plante die Ausweitung seines Strassenbahnnetzes in Casablanca und Rabat und gründete die Initiative „Adaptation of African Agriculture" („Anpassung der afrikanischen Landwirtschaft"), um lokale Landwirte zu unterstützen den Klimawandel zu reduzieren. 

Um COP22 auch gebührend zu feiern, führte Marokko in der Hauptstadt Marrakech Afrikas erste City-Bike-Sharing-Initiative ein. Zusammen mit den neuen Elektrobussen der Stadt ist sie Teil eines grösseren Projektes, um den öffentlichen Verkehr in marokkanischen Städten umweltfreundlicher zu gestalten. Und die Regierung ging noch einen Schrit weiter, indem sie das ehrgeizige Engagement, die Produktion von erneuerbaren Energien bis 2030 um 52% zu erhöhen, vorantrieb. 

Wer möchte mehr?

Während des COP22 setzte sich das Climate Vulnerable Forum, eine Gruppe aus 40 besonders gefährdeten Nationen, verschiedene Ziele; insbesondere verpflichtete sich die Gruppe zwischen 2030 und 2050 erneuerbare Energien zu 100% zu nutzen. 

Die Under 2-Koalition, ein Club der subnationalen Regierungen, entschied, ihre Emissionen bis 2020 um mindestens 80% zu reduzieren. Die Mitgliedsländer gaben außerdem bekannt, ihre Mitgliedschaft zu erweitern. Alle Mitglieder zusammen sind nun für ein Drittel der globalen Wirtschaft verantwortlich und haben eine Bevölkerung von fast einer Milliarde Menschen, die in Nordamerika, Europa, Lateinamerika, Afrika und Asien leben. 

Zu den acht große Nationen, die sich der Bedeutung von sauberer Luft in Städten und einer Reduzierung von Umweltverschmutzungen im Verkehr besonders bewusst sind, zählen Kanada, China, Frankreich, Japan, Norwegen, Schweden, Grossbritanien und die USA. Sie versprachen in Marrakech, eine Ausweitung des elektrobetriebenen öffentlichen Verkehrs und drängten andere Regierungen dazu, ihrem Beispiel zu folgen. 

Ein Wendepunkt für erneuerbare Energien

2015 war zudem ein Wendepunkt für erneuerbare Energien, sagt die Internationale Energieagentur. Mehr als die Hälfte der neuen Stromkapazitäten wird über erneuerbare Energien produzierten - die Wind- und Solarenergie führen die Liste an, und haben letztes Jahr sogar die Kohleenergie eingeholt, womit sie zur größten Energiequelle der Welt wurden.

„Der Klimagipfel in Marrakech zeigt, dass es keinen Weg mehr zurück gibt, im Kampf gegen den Klimawandel", sagte Kathleen Van Brempt, Vize-Präsidentin der Partei der Sozialdemokraten und Sozialisten im EU Parlament (S&D) für Nachhaltigkeit und MdEP für die belgische Partei SP-A. „Wenn man den Einfluss, den Donald Trumps Wahl auf die UN-Klimaverhandlungen hat, mit den Einfluss von George Bush im Jahr 2000 vergleicht, dann sieht man jede Menge Gemeinsamkeiten. Während der COP6-Konferenz im Jahr 2000 in Den Haag konnte die internationale Gemeinschaft keine Einigung zu dem Kyoto Protokoll finden. Heute war die internationale Reaktion zu einer potentiellen Abkopplung der USA deutlich strenger und unterstützte kühn einen multilateralen Ansatz."

Mit der sofortigen Ratifizierung des Pariser Abkommens zum Klimawandel sorgte COP22 für gute Nachrichten. Bei all diesen positiven Entwicklungen wäre die richtig gute Neuigkeit allerdings, dass die Verpflichtungen der Regierungen auch in die Tat umgesetzt werden.