Coming Out im Kosovo

Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2016
Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2016
Lendi steht vor einer Herausforderung: Er ist einer der ersten offen als Transgender lebenden Teenager im Kosovo. In dieser patriarchalen Gesellschaft ist die Diskriminierung von Menschen, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren, immer noch traurige Realität.

Dem 19-jährigen Lendi aus Pristina wurde bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen, er identifiziert sich aber als Mann und lebt dementsprechend. Die Tatsache, dass er eine der ersten offen als Trans* lebenden Personen im Kosovo ist, zeigt, wie sehr die LGBTQ-Gemeinde [Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer oder Questioning; A.d.R.] dort diskriminiert wird.

2016 feiert der Kosovo den 8. Geburtstag seines Bestehens - und kämpft immer noch darum, innerhalb seiner Grenzen Staatlichkeit und Demokratie zu etablieren. Weniger „wichtige“ Angelegenheiten - wie die Lendis - werden dabei einfach unter den Teppich gekehrt.

Lendi hat sein Leben selbst in die Hand genommen und für sich einen Platz in einer Gesellschaft gefunden, die Menschen wie ihn erst noch akzeptieren muss. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, arbeitet Lendi als Barista in einem örtlichen Rock Café, in dem es vor Teenagern nur so wimmelt. In seiner Freizeit trifft er Freunde und koordiniert verschiedene Aktionen für QESh, eine örtliche NGO, die sich für LGBTQ-Rechte einsetzt.

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Text und Fotos: Fisnik Dobreci

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25 Jahre nach Ausbruch der Balkankriege will Balkans & Beyond originelle Geschichten erzählen und Gesichter der jungen Generation aus Bosnien, Mazedonien, Kroatien, Kosovo, Slowenien, Serbien und Montenegro zeigen, eine Generation, die bereit ist zu vergeben aber nicht zu vergessen. Das Projekt wird von der Allianz Kulturstiftung und cafébabel Berlin getragen.