Colin Dexter: 'Morse ist menschlich, ein bisschen egoistisch und ein Snob'

Artikel veröffentlicht am 17. November 2007
Artikel veröffentlicht am 17. November 2007

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Der pensionierte, britische Autor der "Inspektor Morse"-Krimis, 77, überwachte einst Morsezeichen des russischen Militärs aus der DDR und hat Oxford zur europäischen Metropole des Mord- und Totschlags heraufbeschworen.

"Eines meiner traurigsten Erlebnisse war ein Telefongespräch mit John Thaw, der meine Figur Inspektor Morse spielte, nur Tage bevor John 2002 an Krebs starb." Dexter erinnert sich daran, wie der berühmte britische Fernsehschauspieler sagte: "Ich konnte nie verstehen, warum man mich für einen guten Schauspieler hielt - alles, was ich je tat, war mir den Text zu merken."

Bescheidener Autor

Die Fernsehserie, die auf Colin Dexters Büchern basiert, hat sowohl Oxford als auch die Inspektoren Morse und Lewis zu allgemein bekannten Namen in ganz Europa gemacht. Die beiden fiktiven Polizisten, die Verbrechen sowohl in den Colleges der Universität von Oxford und in der Stadt selbst untersuchen, sind in mindestens 22 Sprachen übersetzt worden. "Und ich habe immer das Recht auf das letzte Wort zu allen Produktionen behalten", sagt der 77-Jährige. Gegen den Willen des Verlagshauses Macmillan hat er seine Filmrechte nicht an den Sender ITV verkauft, der die Folgen erfolgreich produzierte.

Dexter ist beeindruckend bescheiden angesichts seiner großen literarischen Leistung, während wir uns beim Brunch in seinem warmen, sonnigen Garten in seinem Haus im Norden Oxfords unterhalten. "Ich schreibe gerne gute, altmodische Krimis für und über die Mittelklasse. Ich versuche, die Leute zu unterhalten." Es ist wie ein Gespräch unter Nachbarn. Inzwischen Storybook-Berater, zeigt Dexter mir das neueste Inspektor Morse-Skript voller Kommentare und Vorschläge. Er mag vielleicht im Jahr 2000 einen Orden von Prince Charles im Buckingham Palace für seine Verdienste um die Literatur überreicht bekommen haben, aber sein Lieblingspreis ist die ihm 2001 verliehene Ehrenbürgerschaft der Stadt Oxford: "Theoretisch hätte ich die Freiheit, meine Schafe überall in Oxford hüten und weiden zu lassen - wenn ich welche hätte!"

Dank ausreichender Kenntnisse in Französisch und Deutsch genießt er es, deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts zu lesen, und nennt Wagners Walküre als seine Lieblingsoper. Er hat außerdem gerade den neuesten Roman des schwedischen Autors Håkan Nesser rezensiert, mit der Figur des Chefinspektors Van Veeteren in der Hauptrolle.

Inspektor wer?

Viele Insulaner finden es merkwürdig, dass die Episoden zwar all in der Gegenwart spielen, aber die andere Universität Oxfords - Oxford Brookes - niemals erwähnt wird. Wie Oxford-Insider wissen, ist die übergeordnete Geschichte der Serie die historische Rivalität zwischen Oxfords alter Universität und der Stadt. Die Polizisten werden als unwillkommene Gäste behandelt, kaum toleriert von den fiktiven Figuren, die die Universität von Oxford repräsentieren. „Fans und angehende Schriftsteller befragen mich zu meinen polizeilichen Recherchen; die lokale Thames Valley Police ist sehr hilfsbereit gewesen. Aber um ehrlich zu sein habe ich das meiste gelernt, indem ich die Werke meiner Kollegen gelesen habe. Einer meiner Lieblingsautoren historischer Krimis ist C.J. Sansom (ebenfalls Brite)“. Dexter schert sich nicht um den Trend unter vielen Krimiautoren wie I.M. Banks, den Leser durch eine Art soziologischen Kommentar zu deprimieren.

Inspektor Morse zu sehen ist eine gute Art, die wunderbare Architektur Oxfords zu bewundern und ausgewählter, klassischer Musik zu lauschen. Die Handlung konzentriert sich auf den menschlichen Zustand. Es ist der Versuch einer modernen Jane Austen Krimis zu schreiben. Die Handlung hat außerdem für die deduktive Logik, für die die Sherlock Holmes Geschichten von Arthur Conan Doyle exemplarisch stehen, nur Verachtung übrig. Im Gegensatz zu den Werken von Conan Doyle waren Dexters erste Romane ein sofortiger Erfolg. "Die Götter waren mir gnädig!", lacht er. "Ich hatte Glück. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort." Der in Lincolnshire geborene Autor gab 1988 seinen Posten im Prüfungsamt der Universität Oxford auf, nachdem er lange Zeit unter Taubheit litt.

"Als ich zu schreiben anfing und meinen ersten Roman 1973 beendete, sah ich Morse nicht als vollständigen Charakter", verrät Dexter. Normalerweise schrieb er immer einige Seiten in seiner Freizeit, wobei er sich für einige Stunden in seinem Zimmer einschloss und seiner Frau Dorothy und ihren beiden Kindern sagte, sie sollten ihn nicht stören. "Morse entwickelte sich, während ich schrieb. Wie ich ist er Diabetiker, ein Atheist und ein Musik- und Kunstliebhaber." Im Gegensatz zu Figuren mit Superman-Qualitäten hat Dexter Morse menschlich gemacht: ein bisschen egoistisch und snobistisch. Er verliebt sich ziemlich oft in die Damen, wenn nicht sogar in den Gauner. Handlanger Lewis hat hingegen inzwischen den Übergang von Morses Assistenten zu einer führenden Figur geschafft - die „Inspektor Lewis“ Fernsehserie soll im Frühjahr 2008 in Großbritannien ausgestrahlt werden.