Cola-Klischee Spot: Spanier verhelfen polnischem Klempner zum Euro 2012-Ticket

Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2012
Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2012
In einem Werbespot für einen bekannten Softdrink schenken Gäste in einer spanischen Bar dem polnischen Einwanderer und Klempner Jacek ihre Cola-Flaschen, mit denen man Flüge in die Austragungsorte der EURO 2012 Polen und Ukraine gewinnen kann. Platitüden oder gut gemeint? Junge Polen und Spanier diskutieren.

Pablo (25), Sevilla

“Der Spot erzählt eine Geschichte. Und das hat grundsätzlich erstmal nichts mit der Nationalität zu tun. Nun kann man das Ganze natürlich totdiskutieren, indem man versucht, darin ziemlich verbohrte Ideen über Osteuropa herauszulesen. Aber der Protagonist wird in einem positiven Licht dargestellt und kämpft in gewisser Weise sogar gegen Klischees an. Ganz ehrlich? Was mich eher stört sind die Klischees, die in der spanischen Gesellschaft gegen Einwanderer aus Polen oder Rumänien existieren. Ich habe die Nase voll von dieser Art Hypersensibilität gegenüber bestimmten Themen, aber ich kann auch verstehen, wenn einige Polen sich daran angestoßen haben. Das wäre das Gleiche mit einem Spanier in Deutschland gewesen. Das Interessanteste an diesem Werbespot ist eigentlich, dass jemand einen Job in Spanien gefunden hat – und dann auch noch im Bausektor.“

Natalia (29), Warschau

“Niedlich, ich finde den Clip toll! Man bekommt doch einen guten Eindruck von diesem Polen – er arbeitet hart, unterstützt seine Familie, die daheim geblieben ist, er spricht Spanisch, hat sich angepasst und wird in seinem Viertel gemocht. Alle wollen ihm behilflich sein. Man kann regelrecht sehen, dass er Teil der Gruppe ist. Auch wissen alle Leute und vielleicht insbesondere die Spanier heutzutage, was Sparen bedeutet. Auch die Leute im Werbefilm scheinen zu wissen, was es heißt, jeden Heller umdrehen zu müssen (die junge Kellnerin, Manuel, der ältere Herr, alles Risikogruppen). Der Film will uns sagen, dass Freundschaften das wertvollste Gut in Krisenzeiten sind.“

Cristina (24), Oviedo

“Nur dieser Softdrink-Hersteller kann mit so einer Werbung ankommen. Sie versuchen immer zu den tiefsten Abgründen der Gefühlswelt vorzudringen. Es stimmt schon, dass sie das Klischee des ‚armen Polen‘ verwendet haben, der nach Spanien kommt, um die Jobs zu machen, die sonst keiner machen will. Aber das ist nicht die Idee hinter dem Spot. Was gezeigt wird ist, dass der Pole nicht genug Geld verdient, um sich eine Reise in die Heimat leisten zu können. Vor Jahren haben die Leute in Spanien im Bausektor noch eine Menge Geld verdient. Doch das ist jetzt Vergangenheit. Große Sportevents wie die EURO 2012 können zu mehr Solidarität führen: Kauf einen dieser Softdrinks und du hilfst vielleicht jemandem, nach Hause zu seiner Familie zu fliegen. Für einen Werbefilm ist die Message gelungen: direkt und berührend. Wir sollten damit aufhören, überall immer gleich eine Kontroverse loszutreten.“

Aleksandra (26), Wroclaw

“Es hätte schlimmer sein können. Ich kenne mich mit dem Leben der Polen in Spanien wenig aus, aber höchstwahrscheinlich sind sie wie Jacek Bauarbeiter. Jacek ist sicher auch ein liebender Vater ist, der vielleicht auch die komische Angewohnheit hat, seine Schuhe immer auf den Balkon zu stellen… Spaß beiseite, der einzige Schaden, den das Image der Polen aufgrund dieses Webefilmchens nehmen könnte, ist, dass die Leute Jacek für den Durchschnittspolen schlechthin halten. Aber das wäre ziemlich dumm. Fahrt lieber zur Europameisterschaft 2012 nach Polen und bildet Euch eine eigene Meinung.“

Isabel (27), Plasencia

“Es ist mal wieder diese typische Art von sentimentaler Masche – die Marke ist eben immer auf Tränendrüse aus. Normalerweie reagiere ich auf diese Art von Webefilm sehr kritisch, und trotzdem hat mich der Spot irgendwie angesprochen. Das ist ein guter Film, die Geschichte eines Einwanderers in Spanien. Man erhält zumindest einen Eindruck, wie seine Integration und soziale Anerkennung aussehen könnte. Mein Fazit lautet: Gelungen! Der Spot hätte durchaus kitschiger ausfallen können.”

Marysia (26), Warschau

“Es ist nett zu sehen, dass auch mal ein positives Polenbild gezeichnet wird – auch wenn es sich um einen Werbespot handelt, der nur mehr Drinks verticken will. Sonst werden wir ja immer als Jobklauer hingestellt (Klempner, Krankenschwester), als Schwanenjäger und –esser in Großbritannien geoutet (Daily Mail meint, das würde man in Polen essen) oder es werden immer wieder die gleichen Hooligan Bilder aus den Stadien gezeigt.“

Video: (cc)Brzocha23/YouTube