Code Girls oder HTML ist für alle da

Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2016
Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2016

Coden ist was für sozial-inkompetente Jungs? "Überhaupt nicht!" sagen die jungen Code Girls aus Leipzig. Cafébabel sprach mit Julia Hoffmann & Natalie Sontopski über das Programmieren, Frauen in der IT-Branche und ihr neues Buch "We Love Code".

Programmieren - das klingt nach chipsessenden Nerds, die mit fettigen Fingern (und Haaren) auf ihre Tastatur einhämmern? Weit gefehlt! Dass Coden auch für Frauen ziemlich cool sein kann, zeigen die Code Girls Natalie & Julia mit ihrem Buch We Love Code (Koehler & Amelang, 2016) und in regelmäßigen Workshops, bei denen sie ihre Leidenschaft fürs Programmieren weitergeben. Warum eine gewisse Code Literacy (Kenntnis über das Coden) wichtig ist, fragt ihr euch jetzt? Schließlich kommt man auch sehr gut durch den Alltag, ohne zu wissen, welcher Algorithmus hinter Google, Twitter & Co. steckt, oder? Stimmt, aber...

"Die Digitalisierung ist nicht mehr rückgängig zu machen, ob man das schön findet oder nicht. Deshalb finde ich, dass es wichtig ist, ein bisschen Ahnung davon zu haben, womit man sich jeden Tag umgibt", antwortet mit Julia der Code Girls. Das Schlagwort lautet: Partizipation. Die Welt wird eben von Programmierenden gemacht. Und die sind meistens männlich, just sayin'! Partizipation ist deswegen so wichtig, weil, wie Natalie treffend formuliert, "je mehr du über das Programmieren weißt, umso mehr kannst du dich auch einbringen und selbst Dinge verändern oder anstoßen. Ich denke, das geht nur, wenn man gewisse Grundkenntnisse hat und sich ein bisschen auskennt. Zum Beispiel auch im Bezug auf Datenschutz, der ja auch mit Code zusammenhängt."

Coden? Das ist doch was für Frauen, oder?

Überraschenderweise war das Programmieren nicht immer eine Männerdömäne. Im Gegenteil - bis in die 80er galt das Coden als typischer Frauenberuf. "Weil es sehr eintönig war und nicht gut bezahlt wurde", erklärt Natalie. "Ich glaube, der Umschwung hatte  etwas damit zu tun, dass man dann von der Hardware auf die Software gewechselt ist und  kapiert hat, dass das die Zukunft ist. Da witterte man auf einmal das große Geschäft. Und tatsächlich korrelierte das mit dem Rückgang der Frau in der IT-Branche." Oh. LOL.

Und Julia ergänzt: "Ich glaube, die IT-Branche hat auch nicht gerade das beste Image. Gerade für Frauen, so heißt es oft, herrscht dort nicht die beste Arbeitsatmosphäre. Man hat immer das Bild vom typischen Nerd, der irgendwie nicht so sozial verträglich ist und das schreckt sicherlich auch viele Frauen ab." 

Ähm ja, kann ich bestätigen. Auch für mich galt das Coden bis jetzt nicht als super sexy. Um das negative Image der IT-Branche zu ändern, müsste man deshalb, laut Natalie & Julia schon in der Schule ansetzen und einfach mehr weibliche Programmierinnen und Informatikerinnen anstellen: "Es gab ja auch ziemlich glamouröse Programmiererinnen, wie z.B. Ada Lovelace. Wenn man merkt, dass man Programmiererin oder Informatikerin werden kann, egal wie man aussieht, oder für was man sich sonst noch interessiert, wäre das sehr gut."

We <3 Code

Ihr Buch soll jedoch generelles Interesse fürs Coden wecken. "Es ist nicht unter der Maxime geschrieben, dass es jetzt nur für Frauen oder Mädchen sein soll", erklärt mir Natalie die Idee hinter We Love Code, "aber es wäre natürlich schön, wenn mehr Mädchen und Frauen sich danach denken 'Hey, vielleicht wäre auch eine Karriere in dem Bereich was für mich!' Es sind eben auch gut bezahlte Jobs. Und die Ungleichheit in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen zeigt sich auch hier wieder, weil es in dem IT-Bereich einfach grundsätzlich viel mehr Männer gibt. Wäre ja auch schön, wenn wir Frauen auch ein bisschen was vom Kuchen abbekommen würden, oder?"

Es sei, so betont Julia, wie das Erlernen einer neuen Sprache beschränke sich nicht auf langweilige Formeln, die man dann allein in einem abgedunkelten, nach Männerschweiß riechenden Kämmerchen zusammenbastelt. Mich haben die Code Girls mit ihrer positiven Energie und ihrem Spaß am Coden jedenfalls gecatcht!

Wer jetzt Lust hat, selbst an einem der Workshops teilzunehmen, bekommt alle aktuellen Infos der Code Girls auf ihrer Homepage & auf Facebook oder liest am besten einfach selbst das Buch We Love Code.

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In unserem Projekt Mind The Gap dreht sich alles um Frauen- und Genderthemen. Wir wollen facettenreiche Geschichten aus ganz Europa erzählen und dem Austausch über Gleichberechtigung eine junge, europäische Perspektive hinzufügen.