Chronik eines kubanischen Todes

Artikel veröffentlicht am 14. März 2007
Artikel veröffentlicht am 14. März 2007

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Noch immer hält die kubanische Regierung 283 Regimegegner in Gefängnissen fest. Viele kommen in den unmenschlichen Haftbedingungen zu Tode.

Am 10. Januar 2007 starb der Kubaner Miguel Tamayo Valdés fünfzigjährig an Herzversagen. Tamayo Valdés gehörte zu den Gründern der illegalen Organisation Hermanos Fraternales por la Dignidad („Bruderschaft für die Würde“). Er starb als erster der 75 Dissidenten, die 2003 zu 28 Jahren Haft verurteilt worden waren. Auf Druck des ehemaligen spanischen Premierministers José María Aznar und des ehemaligen italienischen Premierministers Silvio Berlusconi beschloss die Europäische Union daraufhin, Sanktionen gegen Kuba zu verhängen.

Am 9. Juni 2004, ein Jahr nach seiner Inhaftierung wurde Tamayo Valdés kurzfristig wegen „gesundheitlicher Probleme“ entlassen. So lautete zumindest die offizielle Begründung. „Man wollte vermeiden, dass er der kubanischen Regierung nicht im Gefängnis wegstirbt“, meint Elizardo Sánchez, Vorsitzender der Kubanischen Menschenrechts-Kommission. Erst kürzlich kritisierte seine Organisation, dass „die Unterdrückung weitergeht. Die Regierung hat die Strategie gewechselt und lange Gefängnisstrafen durch kurzzeitige Maßnahmen ersetzt, wie zum Beispiel Festnahmen, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen von Publikationen oder Arbeitsmaterial und Einschüchterung durch die Polizei.

Misshandlung im Gefängnis

Dieser Art von Unterdrückung war Tamayo Valdés in den letzten Monaten seines Lebens ständig ausgesetzt. Hinzu kam, dass sein Herzleiden nicht richtig behandelt wurde. Noch bevor man ihn ins Gefängnis brachte, hatte der gelernte TV-Installateur zwei Herzinfarkte erlitten. „Sie haben mir die Medikamente nicht gegeben, die du mir geschickt hast“ steht in einem Brief, den Valdés aus dem Gefängnis an seine Frau sandte. „Sie messen mir nicht den Blutdruck. Zu acht hausen wir in einer drei mal sechs Meter großen Zelle, mit nur einem Waschbecken und einer Toilette. […] Nur ein Mal habe ich einen Priester sehen dürfen. Es gibt nur ein einziges Telefon für 600 Insassen.“ Der Regimegegner wurde darüber hinaus auch psychologisch misshandelt und durfte nur eine Stunde am Tag im Innenhof spazierengehen. Dadurch verschlimmerte sich seine Krankheit – ohne dass man ihm die notwendige Behandlung zuteil werden ließ.

Außerhalb des Gefängnisses sah er sich immer wieder mit offener Ablehnung konfrontiert. Von den Nachbarn seines Viertels wurde er als „Made und Söldner der US-Regierung“ beschimpft und bedroht, man forderte ihn auf, wegzuziehen. Allein im Oktober 2006 wurde er von der kubanischen Polizei sechs Mal festgenommen. Man nahm ihm sowohl seine Papiere als auch sein Geld weg. So berichtet es der Verein für die Förderung der Kubanischen Zivilgesellschaft (APSC), die von der christdemokratischen Ökonomin Martha Beatriz Roque geleitet wird.

„Es gibt noch mehr, denen es sehr schlecht geht“

Auch Roque zählt zu den 75 Dissidenten, die 2003 eingesperrt wurden. Damals suchte Valdès mehrere Male die Botschaften der Niederlande und der USA auf, um ein Visum für die Ausreise zu bekommen und sein Herzleiden im Ausland behandeln zu lassen. Er bekam es. Bis auf seine Frau lebte zu dieser Zeit bereits seine ganze Familie im Exil. Dennoch verweigerten ihm die kubanischen Behörden die Ausreise. Valdés starb im Januar in einem schäbigen Gefängniskrankenhaus. Wie APSC bereichtet, war die einzige ärztliche Behandlung, die er auf der Insel bekam, „die tägliche Einnahme von 25 Tabletten.“

Valdés’ Tod rief heftige Reaktionen anderer kubanischer Regimegegner hervor. Elizardo Sánchez und Osvaldo Payá haben an die internationale Gemeinschaft appelliert, „sich nicht von der Trägheit übermannen zu lassen“. Die beiden Männer haben das Proyecto Varela gegründet, das sich für die Demokratisierung Kubas einsetzt. 2002 erhielt Payá den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments. Man müsse wachsam bleiben gegenüber „Versuchen, den Totalitarismus fortleben zu lassen“, forderten Sánchez und Páya in ihrer Erklärung. „Tamayo Valdés war der erste, der sterben musste. Aber es gibt noch mehr, denen es sehr schlecht geht und die ihm in den Tod folgen werden“, bekräftigte die Frau des Dissidenten Héctor Maseda, der derzeit eine Haftstrafe von 20 Jahren absitzt.