Chile: Riesenpuppe jagt Rhinozeros

Artikel veröffentlicht am 26. März 2007
Artikel veröffentlicht am 26. März 2007

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Wie die französische Theatergruppe Royal de Luxe mit ihrem Theaterstück „Das versteckte Rhinozeros“ die chilenische Hauptstadt Santiago unsicher machte.

Am 25. Januar fanden sich die Bewohner von Santiago in Chile mit einer ungewöhnlichen Anblick konfrontiert: zwei Busse waren offenbar vor dem Palast von La Moneda, dem Regierungssitz des Landes, zusammengekracht. Die meisten dachten, dass es sich um einen Unfall handelte, und fanden deshalb die offizielle Erklärung unglaubwürdig: ein gigantisches Rhinozeros zerstöre auf seinem Rundzug durch die Strassen alles, was sich ihm in den Weg stellte und halte sich noch irgendwo in der Stadt versteckt. Daraufhin machte sich ein mehr als sieben Meter großes Mädchen auf, um das Tier zu finden: Die Zerstörung der Stadt schien programmiert.

Schwerpunkt Europa

Das Straßen-Theaterstück „Das versteckte Rhinozeros” wurde von der französischen Theatergruppe Royal de Luxe während des Festivals Santiago a Mil („Tausend Kilometer pro Stunde“) an einem Wochenende aufgeführt. Es bezog dabei alle Bewohner der chilenischen Hauptstadt in seine Geschichte ein.

Santiago a Mil ist das bedeutendste Theaterfestival Chiles. Von den dreißig Stücken, die während des Festivals gegeben wurden, ragten die Werke aus Europa eindeutig heraus. Diesmal entschieden sich die Organisatoren des Festivals dafür, vier europäische Aufführungen zu präsentieren: Neben dem „Rhinozeros“ waren das Theaterstück „Feuer-Mazurka“ der deutschen Choreografin Pina Bausch und zwei Stücke des englischen Regisseurs Peter Brook zu sehen.

„Dass Pina Bausch und Peter Brook und Royal de Luxe auf dem Festival vertreten sind, ist ein Luxus, den alle Festivals der Welt gern genießen würden”, hob die Festivalleiterin Stella Carmen Romero in einem Interview mit dem chilenischen Magazín Cosas hervor. „Doch wie jeder Luxus war das ganze ziemlich teuer: eine Million Euro. Deshalb mussten wir auf einige andere ausländische Theaterinszenierungen verzichten, die ebenfalls von großem Interesse sind”, räumte sie ein.

700 000 Menschen in den Strassen

Ungefähr 8 500 Zuschauer sahen die Aufführungen von Bausch und Brooks Werken, die damit von den internationalen Theaterstücken des Festivals den meisten Erfolg einheimsten. Bauschs „Feuermasurka”, das bei der Weltausstellung von Lissabon im Jahr 1998 uraufgeführt wurde, erhielt großen Applaus. Das Stück war auch in dem spanischen Film Hable con Ella („Sprich mit ihr“) von Pedro Almodóvar zu sehen. Peter Brook präsentierte mit „Sizwe Banzi ist tot“ ein Drama über die südafrikanische Apartheid, und zeigte mit „Der grosse Inquisitator“ die geisterhafte Erscheinung von Christus in Sevilla. Dieses Stück basiert auf einer Erzählung Fiodor Dostoievskis. Die Werke wurden auf Französisch und Englisch aufgeführt und vom chilenischen Publikum begeistert aufgenommen – den spanischen Untertiteln sei dank.

Als unübertroffener Publikumsmagnet entpuppte sich aber die Rhinozeros-Jagd der Theatergruppe Royal de Luxe, die die kleine Riesin und das Rhinozeros zum ersten Mal außerhalb Europas in Szene setzte. Während des ganzen Wochenendes des Festivals schien das versteckte Rhinozeros die Hauptstadt Chiles gleichzeitig zu beherrschen und in Aufruhr zu versetzen: die Marionette des Mädchens spazierte von einem Ende der Stadt zum anderen, frühstückte mit der Präsidentin Michelle Bachelet und lockte um die 700 000 Menschen auf die Straßen, die sehen wollten wie sie aß, schlief, herumging und schließlich das entronnene Rhinozeros einfing. Alain Bourdon, der Kulturattaché der französischen Botschaft in Chile – einer Schirmherrin von Santiago a Mil – war am Ende des Festivals „ungeduldig zu erfahren, was wir 2008 auf dem Programm haben werden“.

Video mit der Riesenpuppe