Cherie Blair, an Gesetzen stricken

Artikel veröffentlicht am 28. Oktober 2006
Artikel veröffentlicht am 28. Oktober 2006

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Cherie Blair, 52, Ehefrau des britischen Premierministers, über ihren Beruf als Juristin, ihre Liebe zu den Beatles und das Stricken als Therapie.

Irgendein mütterlicher Ratschlag fällt der britischen First Lady immer ein. Noch bevor wir mit dem Interview beginnen, wird der Reporter ins Kreuzverhör genommen. „Sie sind also im letzten Studienjahr?“, fragt Mrs. Blair. „Dann sollten Sie wirklich aufhören, andere Dinge nebenher zu machen. In Ihrem letzten Jahr müssen Sie alles geben. Nichts ist schlimmer als die Note ‚Befriedigend’!“

Im Kreuzfeuer der Kritik

Der Ratschlag spricht für die Zielstrebigkeit und die beeindruckende Arbeitsmoral, die Tony Blairs „bessere Hälfte“ seit Jahrzehnten ausmachen. Auch deshalb musste Cherie Blair in den vergangenen Jahren allerlei Kritik einstecken. In ihrem Beruf als britische Kronanwältin ist die First Lady unter ihrem Mädchennamen Cherie Booth bekannt. Mehrmals geriet sie wegen ihrer Beteiligung an kontroversen Gerichtsverfahren unter Beschuss. Zuletzt 2004 im Fall des muslimischen Mädchens Shabina Begum, das Booth vor Gericht verteidigte. Begum sollte von der Schule ausgeschlossen werden, weil sie einen traditionellen islamischen Schleier getragen hatte.

Kritiker werfen Cherie vor, sie sei „ungnädig“. Die Klatschpresse attackiert sie wegen ihrer dreistelligen Friseurrechnungen. Es scheint, als lichteten sich die Reihen ihrer Unterstützer. In den Medien wurde berichtet, dass sie den Schatzkanzler und möglichen Nachfolger Tony Blairs, Gordon Brown, während des letzten Labour-Parteitages der Lüge bezichtigt habe. Das verärgerte selbst treue Anhänger der First Lady. Ist denn nichts Gutes mehr über „die britische Hillary Clinton“ zu berichten?

Strickende Einser-Juristin

Nicht unbedingt. Cherie machte ihren Jura-Abschluss an der London School of Economics (LSE) mit einer glatten Eins. Zugleich stellte sie neue Rekorde im Multitasking auf, indem sie ihre Mahlzeiten direkt über den Büchern einnahm. Und auch Stricknadeln gehörten, wie sie mir erzählt, zu ihren Geheimwaffen. „Die Abschlussprüfungen habe ich nur dank der komplizierten Pullover bestanden, die ich damals strickte“, erinnert sie sich. „Es hat ewig gedauert, sich durch diese Strickmuster zu kämpfen, und am Ende habe ich nie wieder einen Pullover getragen. Ich konnte Pullover nicht mehr ausstehen.“

Dass es an der LSE inzwischen einen universitätseigenen Strickklub gibt, wusste sie noch nicht. „Das freut mich zu hören“, antwortet sie. „Stricken kann wirklich eine therapeutische Wirkung haben. Aber ich glaube nicht, dass man die Sachen, die man während des Examens strickt, jemals tragen möchte.“

„Politiker brauchen Lebenserfahrung“

Cherie Booth, die Tochter des berühmten Schauspielers Anthony Booth traf Tony Blair während ihres Jura-Studiums. Damals dachte Cherie für kurze Zeit über eine politische Karriere nach. Als aber der frühere US-Präsident Bill Clinton sie 2005 drängte, sich für die Parlamentswahlen aufstellen zu lassen und ihr seine persönliche Unterstützung im Wahlkampf anbot, lehnte sie ab. Dazu steht sie noch immer. „Ich habe mich 1983 für die Parlamentswahlen aufstellen lassen, danach war ich lange Zeit Parlamentarier-Ehefrau. [Tony Blair zog 1983 für den Wahlkreis Sedgefield ins Parlament ein; Anm. d. Red.] Ich denke, das reicht mir“, fasst sie zusammen.

Cherie Blair nimmt in der Politik nur eine Zuschauerrolle ein. Doch sie hat eine klare Vorstellung davon, was einen idealen Politiker auszeichnen sollte. „Vor dem Einzug ins Parlament sollte man erstmal einem ernsthaften Job nachgehen. Man muss Lebenserfahrung sammeln. Genau wie Tony halte ich wenig von Politikern, die nur Karriere machen wollen.“

Die Gesellschaft verändern

Wir gehen zum Angriff über: Ist sie ein Workaholic? Schnell versichert sie, dass man ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben finden müsse. „Ich glaube schon, dass man hart arbeiten muss, aber es ist genauso wichtig, sich hart zu geben“, beteuert sie. „Man sollte ein ausgeglichenes Leben führen. Wer grundsätzlich 24 Stunden am Tag arbeitet, den kann ich nur bedauern. Der große Vorteil als Anwältin ist, selbständig zu sein. Ich bin flexibel und kann mir meine Zeit selbst einteilen.“

Den größten Nachteil ihrer Arbeit sieht Booth in der Unsicherheit. „Wenn man als Freiberuflerin nicht arbeitet, wird man auch nicht bezahlt. Wenn man krank oder schwanger wird, verdient man nichts mehr. Wer selbst sein Leben in der Hand hat, neigt oft dazu, mehr zu arbeiten als notwendig. Ich kenne viele Anwälte, die überhaupt nie Urlaub nehmen.“

Cherie Blair hat trotzdem Spaß an ihrem Job. Sie ist überzeugt, dass ein juristischer Beruf eine Möglichkeit ist, „die Gesellschaft zu verändern“. Sie mag kontroverse neue Fälle. Obwohl Cherie die verborgenen Geheimnisse der britischen Politikwelt wohl vertraut sind, hofft sie dennoch, „Idealistin“ geblieben zu sein. „Ich bin der Meinung, dass sich alle Anwälte vor dem Gesetz der Gerechtigkeit und der Qualität verpflichten sollten“, sagt sie.

Paul McCartney unterm Kopfkissen

Cherie Blair ist gut mit Mary McCartney befreundet, der Tochter des ehemaligen Beatles-Sängers Paul McCartney. Hörte Cherie, die in den Sechzigern aufgewachsen ist, die Beatles? Oder hält sie es eher mit deren Erzrivalen, den Rolling Stones? „Als Mädchen aus Liverpool hörte ich natürlich die Beatles. Ich war ein großer Fan von Paul McCartney. Als ich ihn kennen lernte, erzählte ich ihm, dass ich früher ein Bild von ihm unter meinem Kopfkissen hatte. In den Siebzigern dann, als ich in London studierte, tanzte ich immer zur Musik der Stones.“

Heute geht Cherie Blair nicht mehr so häufig aus wie früher. „Als Studenten sind wir natürlich oft in die Disco gegangen, um zu trinken und zu tanzen. Heute gehe ich weder oft tanzen noch trinke ich viel. Da ich so viele öffentliche Auftritte habe, verbringe ich meine Freizeit lieber bei der Familie, zu Hause. Allerdings gehe ich sehr gern ins Theater, in die Oper oder ins Ballet.“

Ihr Ehemann Tony Blair ist der Musikwelt noch immer sehr verbunden. Booth erzählt von einem Treffen zwischen dem britischen Premierminister und dem Sänger der Rolling Stones, das kürzlich stattgefunden hat. „Mein Mann war ganz aufgeregt, Mick Jagger zu treffen. Er wollte wirklich gern mit ihm über seine Musik sprechen. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass Mick Jagger lieber über Tonys Politik sprechen wollte.“