Chaos: Wirtschaft in Osteuropa stürzt ins Bodenlose

Artikel veröffentlicht am 5. Mai 2009
Artikel veröffentlicht am 5. Mai 2009
Ist die Europäische Union von der Krise bedroht, die über die Mitgliedsstaaten im Osten hereinbricht? Eine Sintflut schlechter Nachrichten lässt dies vermuten. Solidarität ist das einzige Mittel, um Hilfe zu leisten und sich aus einer möglichen Gefahr zu retten.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR haben die Länder Mittel- und Osteuropas (MOEL) mir der Vergangenheit abgeschlossen und ihren Blick gen Westen gerichtet. Für die Europäische Union war dies ein Glücksfall: neue Märkte, billige Arbeitskräfte, Länder, die es wieder aufzubauen galt. In weniger als zwei Jahrzehnten haben die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Neuerungen die Landschaft sehr zum Vorteil verändert, so dass mehrere Länder Mitglied der EU und anschließend der Eurozone geworden sind.

Aber diese Erfolge verschleiern die wachsende Abhängigkeit der MOEL-Staaten gegenüber der EU. Um ihr oft sehr starkes Wachstum zu finanzieren, haben sie direkte Investitionen aus dem Ausland in Anspruch genommen: Die westlichen Unternehmen haben in diesen Ländern Industrieanlagen aufgebaut, um von ihrer langen industriellen Tradition, ihrer geographischen Nähe und den qualifizierten Arbeitskräften zu profitieren. Bingo: Die Auto-, Industrie- oder Tourismusbranche setzten zum Höhenflug an… um danach die ersten zu sein, die von der Krise befallen wurden.

Verschuldete Haushalte

Eine andere Enttäuschung sind die Haushalte, die sich verschuldet haben, um vergeblich ihren „europäischen Traum“ zu leben. Da die Bankensysteme sich erst in der Entwicklung befanden, haben sie sich bei ausländischen Banken in Devisen verschuldet. Heute können Familien die Darlehen nicht mehr zurückzahlen, da der Verfall der nationalen Währungen deren Wert hat hochschießen lassen. Der private Verbrauch kommt nicht nach und den Haushalten wird die Luft abgeschnürt. Die Krise bohrt genau an dem Fundament, auf das die MOEL-Staaten gebaut hatten.

Aber hinter diesem eher düsteren Gemälde verstecken sich je nach Land differenzierte Wirklichkeiten: von denen, die ihre Währung in Abhängigkeit vom Euro verankert haben bis hin zu jenen, die sich weigerten, das Eigenkapital ihrer Unternehmen für die ausländischen Investoren zugänglich zu machen. Unmöglich, sie in einen Sack zu stecken. Aber genau das tun die Märkte, deren Kurzsichtigkeit alle Währungen der Eurozone nach unten zieht. Die vernünftigere EU zieht einen globalen Hilfsplan vor, ein individuelles Handeln von Fall zu Fall. Wie kann man also die Arbeit des IWF oder der EWBE (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) koordinieren und gleichzeitig europäische Solidarität garantieren?

Rette sich wer kann oder Solidarität?

Wenn eine Krise den Kern einer Wirtschaft trifft, versucht diese zunächst, sich zu schützen. Die westlichen Wirtschaften holen ihr Kapital aus den MOEL-Staaten zurück, um ihre Verluste zu decken. Das Wachstum der MOE-Länder, das auf dieses Kapital gründet, bricht ein. Indem sie sich retten wollen, exportieren die westlichen Wirtschaften die Krise in den Osten - mit ihren Risiken und Gefahren. Nehmen wir das Beispiel Österreichs, wo die Banken 80 Prozent des BIP an die MOEL-Staaten verliehen haben. Wenn diese ihre Schulden nicht zurückzahlen können, wird Österreich mit ihnen zusammenbrechen. Um das zu vermeiden, ist eine europäische Solidarität absolut notwendig. Aber bis wann werden die europäischen und internationalen Institutionen noch Milliarden ausgeben können? Das weiß kein Mensch. Werden sie weiterhin den Ärmsten helfen, wenn das Geld knapp wird? Diese Frage bleibt zunächst offen.