Cellist Matthieu Saglio: Erasmus lebenslänglich

Artikel veröffentlicht am 19. März 2010
Artikel veröffentlicht am 19. März 2010
Ein französischer Cellist mit spanischem Herz in Portugal: Matthias Saglio führt uns zwischen Musik und Erasmus-Eifer durch die Straßen von Lissabon.

Nach einer umjubelten Darbietung im französisch-portugiesischen Institut von Lissabon, treffe ich den französischen Cellisten Matthias Saglio zu einem Bummel durch das zwar frische, aber durchaus sonnige Lissabon. Der Künstler lebt heute in Valencia. Unter seinem karierten Hut wirkt er äußerst entspannt. Um seinen Hals baumelt ein Fotoapparat: „Ich bin ein echter Tourist“, sagt er sich beinahe entschuldigend. Nachdem wir durch das schicke Viertel Graça geschlendert sind, machen wir es uns in einem der zahlreichen Cafés im Chapitô, der Kulturhochburg von Lissabon, nieder.

Von Rennes nach Valencia

Der französsiche Cellist auf Stippvisite in Lissabon„Ich habe im Alter von 8 Jahren angefangen“, erzählt Matthieu. „Man merkt bereits im jungen Alter, ob jemand Musiker wird oder nicht.“ Matthieus Eltern zögerten keine Sekunde, als sie ihn im Konservatorium von Rennes anmeldeten. Zunächst begeisterter Flötist, muss er dieses Instrument jedoch bereits nach kurzer Zeit wegen seiner zu kleinen Finger aufgeben. Das Cello entdeckte Matthieu also eher über Umwege: „Ein wunderbares Instrument, das einem die Möglichkeit gibt, viele verschiedene Dinge zu tun“.

Doch in seiner Jugendzeit kehrt der Musiker den Instrumenten zunächst den Rücken: „Mit 12 Jahren hat man andere Interessen.“ Aber seine Mutter, die es selbst bereut in der Jugend mit dem Klavierspielen aufgehört zu haben, treibt ihn an. Heute ist er dafür dankbar, obwohl es eine andere Frau war, die ihn schlussendlich dazu brachte Frankreich zu verlassen. Als Student der Agrarwissenschaften in Nancy verliebt er sich in eine spanische Erasmus-Studentin. Er folgt ihr, dank des Erasmus-Programms, nach Valencia, bevor er nach Rennes zurückkehrt, um dort sein Studium zu beenden. Doch das Fernweh packt ihn erneut und er entscheidet sich für einen Master nach Spanien zurück zu gehen, wo er obendrein heiratet und Vater von drei Kindern wird.

Ein untypischer Cellist

Das Herz des ehemaligen Erasmus-Studenten schlägt für die portugiesische HauptstadtDie Musik sei sein Leben, erklärt Matthieu Saglio weiter. „Ich bin wie ein Vogel im Käfig, wenn ich nicht spiele“, gesteht der Künstler, der den Applaus des Publikums jedes Mal aufs Neue genießt. Matthieu ist außerdem Fan von „Musicals“. Bereitwillig erkennt er an, lieber „abseits des klassischen Weges“ weitermachen zu wollen. Denn Matthieu Saglio ist kein Cellist im klassischen Sinne. Er wechselte zunächst zum Jazz, führte mit der Gruppe Jerez-Texas zum ersten Mal einen Cellisten in den Flamenco ein, bevor er ein Quartett aufbaute, das aus einem Schlagzeuger aus Panama, einem spanischen Pianisten und einem senegalesischen Koraspieler besteht.

Matthieus Konzert im französisch-portugiesischen Institut von Lissabon wurde live auf Antena 2, dem portugiesischen Radiosender für klassische Musik, übertragen und war ein guter Start. Matthieu bekam drei Rückrufe und seine CDs verkauften sich seitdem blendend. Sein neues Projekt heißt 'Cello solo': „Dieses Soloprojekt soll originell und ehrlich sein, ich schaffe eine gute Beziehung mit den Leuten.“

Expat-Musik

Später kehren wir in das Graça-Viertel mit seiner majestätischen Kirche zurück, um unseren Spaziergang fortzusetzen. Vor der Miradouro - einem Ausblickspunkt - kommt Matthieu auf sein Leben in Spanien zurück: „Ich habe mich in dieser Stadt nie wie im Ausland gefühlt“, sagt er grinsend. Doch der Künstler bedauert, dass es zwischen der Copa América und dem Grand Prix der Formel 1 in dieser wachsenden Stadt nur wenig Platz für soziale Projekte gibt.

Erasmus lebenslänglich

„In Spanien redet man nicht viel von Portugal. Das ist sehr schade“, sagt der ehemalige Erasmus-Student. „ Europa ist kein Land, sondern vielmehr eine Vereinigung von Ländern“, erzählt er. Die gemeinsame Währung und der Handel ermöglichen eine gewisse Annäherung der Länder. Aber der momentan wichtigste Aspekt für gegenseitiges Verständnis bleibt das Erasmus-Programm, um Kurioses über seine Nachbarn herauszufinden und die goldene Zeit des Studiums zu verschönern. „Es ist gut für einen Studenten, eine andere Welt kennen zu lernen, neue Freundschaften zu schließen und andere Sprachen, Kulturen und Traditionen zu entdecken. Erasmus ist eine Reise, das ganze Leben wird für ein paar Monate zu einer Reise. Und wenn man einmal beginnt, hört man nicht mehr auf.“ Der mehrsprachige Musiker weiß wovon er spricht. Er lebt mittlerweile seit neun Jahren in Valencia.