Camping-Glamping - nicht nur für Spießer

Artikel veröffentlicht am 17. Juni 2010
Artikel veröffentlicht am 17. Juni 2010
Sardinen oder Heringe? Camping - die günstige Urlaubsalternative inspiriert nicht nur Spießer, sondern Festival-Trotter und Kinoleinwände.

Wenn der Arbeitssuchende Patrick Chirac (Schauspieler Franck Dubosc) aus Dijon im formschönen Badeschlüpfer, rosafarbenem Muskelshirt und glänzend von glitschigem Huile de Monoï 2010 in Camping 2 und Badeschlappen bereits zum zweiten Mal über französische Kinoleinwände schlappt und damit das ein oder andere Camper-Klischee - FKK, Sparfüchse & Spießertum und soziale Randgruppen - bedient, so hat der Film doch trotz so manch hinkender Pointe etwas heimeliges an sich.

Man muss ja als eingefleischter Camper, wie es deutschen Camping-Fans zu ihrem großen Leidwesen in Europa oft nachgesagt wird, auch nicht unbedingt FKKler sein oder in Südfrankreich oder am Gardasee demonstrativ einen Gartenzwerg vor dem Wohnwagen platzieren.

Neben uns Deutschen haben die Holländer und Belgier den schlimmsten Camper-Ruf auf dem alten Kontinent. Angeblich verstopfen sie die sommerlichen Autobahnen mit ihren Wohnmobilen und Camping Cars, die in Italien auch Roulotte (frz.) genannt werden. Zudem gelten die Benelux-Touris mit ihrem Haus am Haken als Geizhälse, bringen sie doch ihre eigenen Konserven samt Camping-Kocher mit auf den französischen camping, den italienischen campeggio oder den polnischen kemping (Zeltplatz).

Bei all diesen Camper-Klischees würde der Engländer, welcher - wer hätt’s gedacht - der eigentliche Erfinder des Wohnwagens ist, wohl anmerken, dass Kritiker maßlos camp it up - „übertreiben“. Denn seien wir mal ehrlich, bei der großen Festival-Auswahl diesen Sommer (Sziget, Glastonbury, Bestival auf der Isle of Wight etc.) ist das von lat. campus „Feld“ abgeleitete Euro-Camping die günstigere Urlaubsalternative für Festival-Trotter. Für die Hasser von Dixi und Gemeinschaftsdusche gibt es neuerdings auch Abhilfe - das Glamping, eine Mischung aus Gamour und Camping, die bei den etwas gehobeneren Naturfreunden zunehmend im Trend liegt.

Campen in freier Wildnis (camping sauvage; campeggio abusive) sollte man jedoch lieber gleich vergessen, das ist europaweit eigentlich nur noch in Skandinavien erlaubt, wo das Jedermannsrecht gilt. Ein kurzer Schnack mit den Besitzern des Grundstücks genügt und schon kann der Italiener sein tenda canadese (kanadisches Zelt) und der Spanier sein tienda de campaña oder iglú aufbauen. Der Deutsche packt seine Heringe aus, während der Franzose Sardinen (sardines) dabei hat. Dann trennt nur noch eine dünne Stoffschicht vom Schlafen unter freiem bzw. „nacktem“ Himmel, wie die Polen sagen (spać pod gołym niebem). Und bei so viel Lagerfeuerromantik, die das Campen auch mit sich bringt, kommt es schon mal vor, dass der Spanier am nächsten Morgen „mit einem Zelt aufwacht“ (despertarse con la tienda de campaña) … die Übersetzung lasse ich Campingfreunde im Wörterbuch nachschlagen!