Café Label: Oasis, Emre Aydin und Silver Rocket

Artikel veröffentlicht am 24. November 2008
Artikel veröffentlicht am 24. November 2008

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Die alten Herren des Britpop geben sich die Ehre, türkischer Honigpop räumt bei den European Music Awards ab, österreichische Musiker frönen der Cowboyromantik und eine polnische Band ist der letzte Schrei in der Alternative-Szene: die Europa-Musikagenda für November und Dezember.

Oasis: Dig Out Your Soul

©myspace

Man kann über sie sagen, was man will, man kann sie überheblich, selbstverliebt und mitunter sogar größenwahnsinnig nennen. Man kann es amüsant oder nervig finden, wenn die Gallagher-Brüder mal ©Big Brother/Indingowieder mit fiesen Lästerattacken über andere Musiker aufwarten, man kann sich daran ergötzen oder sich darüber aufregen, wenn Noel und Liam mehr und mehr durch Pöbeleien und Ausfälle statt mit ihrer Musik in den Medien vertreten sind. Eines jedoch kann man nicht: sie ignorieren. Oasis, die Britpop-Legende, ohne die es einen Großteil der heutigen Indie-Bands überhaupt nicht gäbe, sind sich immer treu geblieben und haben keinen Pfifferling darauf gegeben, ob das den Nerv der Zeit trifft oder nicht. Auf ihrem neuen Album Dig Out Your Soul geht es um die großen Fragen des Lebens, die Herren sind reifer geworden und das hört man auch an ihrer Musik: ausgeprägt, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Und dennoch mit einer gehörigen Portion Rock’n’Roll. Und damit könnte Dig Out Your Soul den Meilenstein Morning Glory als bestes Oasis-Album sogar ablösen. Label: Big Brother / Indigo

Emre Aydin: Afili Yalnızlık

©www.emreaydin.com

Was für eine Überraschung bei den diesjährigen MTV European Music Awards! In der Kategorie ©www.emreaydin.com„Europe’s Favourite Act“ waren unter anderem solche Chartbreaker wie die Britin Leona Lewis oder der diesjährige Gewinner des European Song Contest, Dima Bilan aus Russland, nominiert - doch wer durfte die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen? Der in seiner Heimat erfolgreiche, im restlichen Europa allerdings (noch) sehr unbekannte türkische Singer-Songwriter Emre Aydin. Zunächst als Sänger der Band 6. Cadde bekannt, wagte er vor zwei Jahren den Schritt zum Solokünstler und wurde mit seinem aktuellen Album Afili Yalnızlık („Prächtige Einsamkeit“) von einem Major Label unter Vertrag genommen. Damit hat Emre Aydin einen Volltreffer gelandet: die Platte ein Bestseller, die Songs auf Heavy Rotation im Radio und MTV Turkey und jede Menge an Auszeichnungen, wie zuletzt den Powertürk Award als bester Newcomer. Wer hätte das gedacht: die schönste California-Beach-Musik kommt in diesem Jahr aus der Türkei! Label: Sony BMG / GRGDN

Silver Rocket: Tesla

©myspace

Wunderschöne, romantische Melodien, die an Ennio Morricone oder Serge Gainsbourg erinnern, gemischt mit zeitgenössischem Alternative Sound - wäre da nicht dieses gewisse Extra an slawischer ©Revolution 9, myspaceMelancholie, man würde denken, Silver Rocket kämen aus den Indie-Mutterländern England oder Frankreich. Weit gefehlt: Die vom Musikproduzenten, Multiinstrumentalisten und Singer/Songwriter Mariusz Szypura gegründete Band kommt aus Polen und hat die einheimische Musikszene in kürzester Zeit geprägt wie kaum eine andere davor. Der einzigartige Sound blieb auch auf dem internationalen Parkett nicht lange unentdeckt und Silver Rocket durften schon die Bühne mit Größen wie Mogwai oder The Sea And Cake rocken. Das neue Album Tesla, benannt nach und inspiriert vom gleichnamigen Erfindergenie und Freigeist Nikola Tesla, kombiniert Retro Pop mit psychedelischen Arrangements und harmonischen Melodien, die auch gut als Filmmusik geeignet wären. Als besonderes Schmankerl ist die Cover-Version von David Bowies „Space Oddity“ zu erwähnen. Und hier schließt sich der Kreis: Die wahren Filmfreaks unter uns werden es wohl sowieso wissen: Bowie höchstpersönlich spielte Nikola Tesla im Christopher-Nolan-Film The Prestige.

Label: Revolution 9

A Life, A Song, A Cigarette: Black Air

©www.siluh.com

Sechs Wiener mit einer Vorliebe für Indie-Country-Romantik und stürmische Seemannslieder. Sie ©www.siluh.comnehmen sich gesanglich und textlich die Sensibilität und Verletzbarkeit ihrer Indie-Idole wie Bright Eyes aus Alaska zum Vorbild und kombinieren das mit ihrer eigenen Mischung aus druckvollen, intensiven Gitarren. In den ruhigeren Momenten steuern Cello und Akkordeon die notwendige melancholische Romantik bei. ALASAC sind mittlerweile schon Veteranen der österreichischen Bühnen und wissen, wie man ein Publikum einfängt und mitreißt. Nie klangen gebrochene Herzen schöner - und da die Sprache der Liebe ja sowieso universell ist, ist Black Air auch für diejenigen, die nicht Deutsch sprechen, ein schönes Trostpflaster für Herzschmerz und Liebesleid.

Label: Siluh Records