Café Label im April

Artikel veröffentlicht am 21. April 2008
Artikel veröffentlicht am 21. April 2008
Portishead, Hooverphonic und Enneri Blaka: Namen sind Schall und Rauch! Woher die Bandnamen tatsächlich stammen und welche neuen Alben der April bereithält: der monatliche Soundkalender.

Portishead - Third

Beth Gibbons & Geoff Barrows(Foto: ©rubberdreamfeet/flickr)

Die meisten Leute wissen zwar, dass Portishead aus Bristol stammen. Doch dass das Trio sich den eigenen Bandnamen ursprünglich einer gleichnamigen Kleinstadt im Umland entliehen hat, das wissen nur die wenigsten. 1991 gegründet, sollte ihr Dummy-Debütalbum aus dem Jahr 1994 die Musikwelt revolutionieren: Begriffe wie 'TripHop' und 'Downtempo Electronica' machten plötzlich die Runde. Seither hat die Band um Leadsängerin Beth Gibbons bei ganz unterschiedlichen Musikliebhabern einen Platz im Regal sicher. Womit wir bei Third, dem dritten offiziellen Album in der 17-jährigen Bandgeschichte von Portishead, wären. Weit davon entfernt, ein Abklatsch des Vorgängers zu sein, ist auch diesmal eine gehörige Portion Weltschmerz und die alte Energie vorhanden.

Label: Island/Universal

VÖ: 28.04.2008

Hooverphonic - The President Of The LSD Golf Club

(Fotos: ©PIAS)

Wenn man über die großen Bands dieser in den neunziger Jahren entstandenen Szene spricht: Portishead, Moloko, Morcheeba oder Goldfrapp, dann darf der Name Hooverphonic nicht fehlen. Die Belgierin Geike Arnaert, seit 1997 "Gesicht und Stimme" des Trios, ist eine charismatische Sängerin mit eigenständigem Profil, die sich hinter Kolleginnen wie Alison Goldfrapp, Roisin Murphy (Moloko) oder aber Beth Gibbons (Portishead) keineswegs verstecken muss. Und doch gibt es entscheidende Unterschiede, durch die Hooverphonic ein eigenes Profil gewinnt: Geike Arnaert ist deutlich weniger schwermütig. Ihre Stimme klingt leichter, fröhlicher und ungebrochen. So wirkt auch der gesamte Sound der Belgier weniger melancholisch. Auf dem neuen, bereits achten Album knüpfen Hooverphonic nahtlos an ihre vergangenen Erfolgsalben und präsentieren mit The President Of The LSD Golf Club so etwas wie eine Hommage an die sechziger Jahre. Eine musikalische Reise mit Trip-Hop-Klanggebilden und bombastischen Arrangements.

Label: PIAS

The Lo Fat Orchestra - Canned Candies

Aus der Schweiz kennen wir: sahnige Schokolade, löchrigen Käse und reichhaltiges Fondue. Alles durchaus lecker - aber auch sehr gehaltvoll. Zum Glück gibt es auch etwas, das ungefähr die gleiche Serotoninausschüttung produziert, dafür aber nicht auf den Hüften hängen bleibt: Das Lo Fat Orchestra. Die deutsch-schweizerische Kombo aus dem malerischen Schaffhausen zählen Branchengrößen wie die Beatles, Dinosaur Jr. oder Lemonheas zu ihren musikalischen Vorbildern. "Popmusik ohne Grenzen" machen sie und benutzen dafür Orgel, Bass, Schlagzeug und jede Menge Humor. Ihr Debüt Canned Candies ist mit viel Liebe produziert und vollendet worden. Das Cover stammt aus den Händen von Sänger Chrisi. Schon der erste Track "Esta Noche" bricht das Eis auf der Stelle und weckt das Party Animal selbst im größten Stubenhocker. Wer da noch sagt, Schweizer seien bedächtig und langsam, braucht dringend eine Portion Canned Candies.

Label: Milk & Cho/ Broken Silence

Camille - Music Hole

Camille (Foto: ©Emi Music France)

In der langen Reihe der französischen Chanteusen hat Camille seit Jahren einen angestammten Platz. Nun hat die selbstbewusste Mademoiselle ihr lang erwartetes neues Album Music Hole herausgebracht. Zum ersten Mal singt Camille nicht nur auf Französisch, sondern auch auf Englisch. Dies ist nicht die einzige Veränderung. Music Hole ist Camilles bisher künstlerisch radikalstes und wohl auch innovativstes Album. Es gibt immer noch ein paar über das Album verteilte Pianopassagen. Doch ansonsten hat Camille bei den Aufnahmen auf jegliches herkömmliche Instrument verzichtet. Stattdessen arbeitet sie mit Künstlern aus den unterschiedlichsten Genres zusammen, die wahre Klangexperimente hervorzaubern. Mit ihren eigenen Worten ist Music Hole ein Mix von "Body Percussions, Minimalist Trance und Gesang aus den Tiefen der Kehle". Ein sehr cooles, lässiges Album für alle, die ausgetretene Pfade verlassen wollen.

Label: Virgin Frau/EMI

VÖ Frankreich, Großbritannien: 7. April; restliches Europa: 9. Mai 2008

Enneri Blaka - Big Bang

(Foto: ©Enneri Blaka)

Acht Landsmänner von Camille bewegen sich auf einem ganz anderen Terrain, obwohl sie in Sachen Experimentierfreudigkeit ihrer Sängerkollegin in nichts nachstehen. Enneri Blaka, die ihren Namen dem Urstromtal in Niger entliehen haben, erzeugen mit ihrem Elektro-Funk ein wahres Soundbeben. Musikalisch perfekt und präzise können sich die Straßburger in ihren Konzerten aber auch schräge Arrangements und wilde Klanggewebe erlauben, ohne den roten Faden zu verlieren. Von Klischees halten sie nichts, deshalb haben sie auch keine Scheu davor, ihre jazzigen Grooves mit Keyboard zu unterlegen und sich Unterstützung von einem DJ und rappenden MC zu holen. Wer die Chance hat, dieses kraftvolle Naturspektakel live zu sehen, sollte dies unbedingt tun. Aber Vorsicht: Es könnte sein, dass am nächsten Tag mit Muskelkater in allen Regionen und akuten Entzugserscheinungen zu rechnen ist. Allen anderen bleibt zunächst nur übrig, sich mit dem Album Big Bang zu begnügen.

Label: Eigenlabel (erhältlich über www.enneriblaka.com)