«Buzz», «Chat», «Tuning»: Das Ende der Anglizismen in Europa?

Artikel veröffentlicht am 14. April 2010
Artikel veröffentlicht am 14. April 2010
Frankreich im Kreuzzug gegen Anglizismen? Seit dem 30. März müssen englische Wörter wie buzz, chat, newsletter, tuning und talk nun ihren französischen Entsprechungen weichen. Im Rahmen des Francomot-Wettbewerbs wurden kurzerhand neue Worte gefunden. Wird diese vom Staatssekretär für Frankophonie ins Leben gerufene Initiative Beispielwirkung in Europa haben?

Die Franzosen sind stolz auf die Sprache Molières. Doch was einst als protektionistisches Klischee taugte, nimmt nun ziemlich reelle Formen an. Der Beweis dafür ist der im Januar 2010 von Alain Jouyandet ins Leben gerufene Wettbewerb Francomot: Seit dem 30. März 2010 wurden bereits 5 Anglizismen von kreativen Studenten unter Beaufsichtigung einer Jury, in der u.a. Schriftsteller Jean-Christophe Rufin und die Rapper Mc Solaar und Sapho saßen, ins Französische 'zurück übersetzt'.

Videos auf Youtube werden also in Zukunft keinen buzz im französischen Netz mehr verursachen, sondern einen so genannten ramdam, ein Wort, das ursprünglich aus dem Arabischen stammt. Schluss soll auch mit chats im Internet sein, hier sollen von nun an nur noch éblabla oder tchatche stattfinden. Die Franzosen, die ihre Autos gern beim tuning tiefer legten, müssen sich jetzt an eine neues Wort gewöhnen: Auto-Bastler sollen neuerdings das Wort bolidage [von 'bolide' im dt; in etwa 'Flitzer'] dafür verwenden! Newsletter-Abonnenten, die sich im Fernsehen gern mal eine Talkshow ansahen, erhalten in Zukunft nun so genannte infolettres und sprechen über débats (Debatten). Werden sich die Frenchies an diese neuen Franzismen gewöhnen?

In Deutschland stellt man sich die Frage nach den Anglizismen sehr viel weniger, hier wird weiterhin gechattet, was das Zeug hält! Schlimmer noch, die Deutschen erfinden sogar englische Worte - so zum Beispiel das Handy - die nicht einmal der Engländer kennt. In Spanien bleibt man der eigenen Sprache treu: Der Medienhype hieß hier schon immer rumor oder zumbido. Im spanischen Netz versenden die Zeitungen anstatt des Newsletters ihr boletín.

Die Sprache von Dante tut sich ihrerseits schwer mit Anglizismen. Einerseits chattano (chatten) die italienischen Blogger während der berühmtesten italienischen Talkshow Annozero (von Michele Santoro), doch jeder öffentliche Auftritt von Berlusconi verursacht im Internet ein passaparola und keinen Buzz! Beppe Severgnini, Journalist beim Corriere della Sera, macht sich besonders gern über die Italiener lustig, die ständig Anglizismen verwenden. In seinem Buch Riscopriami l'italiano: lezioni semi serie ('Italienisch wiederentdecken, eine nicht ganz so seriöse Lektion'), fragt er sich voller falscher Naivität: „Warum Brand sagen, wenn man doch marchio (Marke; A.d.R.) verwenden kann?“ Oder riunione (dt : Versammlung) anstatt Meeting ? ».

Die Engländer lachen sich aufgrund unserer Pseudo-Anglizismen hier in Frankreich sicherlich ins Fäustchen: buzz heißt auf der anderen Seite des Kanals nämlich eigentlich hype und ein gutes Video auf Youtube makes viral history. Aus englischer Sicht sollten die Frenchies wohl nicht immer so viel ramdam veranstalten!