Business-Punks: Wir nennen es Arbeit

Artikel veröffentlicht am 16. Oktober 2014
Artikel veröffentlicht am 16. Oktober 2014

Es gibt den englischen Spruch „When things don’t go right, go left”. Oder anders gesagt, wenn's nicht läuft, dann geh doch. Der Arbeitsmarkt ist heutzutage ein hartes Pflaster. Es ist an der Zeit neue Wege auszuprobieren. Freelancer versuchen ihr Glück auf eigene Faust. 

Tereza arbeitete fast 20 Jahre im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für große Firmen, bevor sie vor drei Jahren kündigte und sich entschied als Selbstständige zu arbeiten. Und sie bereut nichts. Heutzutage ist ja auch nichts mehr dabei, wenn man seinen Job kündigt, um seinen eigenen, unabhängigen Einmannbetrieb zu gründen. Die allgemein ungünstigen Arbeitsbedingungen machen die Entscheidung nur noch einfacher. Das ist keine freiwillige Entscheidung, sondern eine Folge der Krise", erklärt Tereza. Viele müssen als Freelancer arbeiten, weil es einfach nicht genug Vollzeit- oder Teilzeitstellen gibt, um der wachsenden Zahl an Arbeitnehmern auf globaler Ebene entgegenzukommen".  

Und es stimmt. In Ländern wie Griechenland und Spanien, in denen die Arbeitslosigkeit in den Himmel schnellt, waren die Leute gezwungen, ihre Bedürfnisse, Prioritäten und Gewohnheiten umzustellen. Das führte dazu, dass immer mehr sich dafür entschieden, als Freelancer zu arbeiten. Einfach weil die Arbeitsplätze in den Firmen fehlen. Das bedeutet dann aber auch, dass sie keine Absicherung haben und nur Lohn bekommen, wenn der Kunde zahlt. Viele denken nicht mehr daran, zu sparen, sondern nur daran, ob sie genug für das Hier und Jetzt haben. 

Beim Freelancing gibt es keine Garantie, wann der nächste Auftrag kommen wird," sagt Tereza. Außerdem ist es auch ein Nachteil, dass Selbstständige keine Krankenversicherungspflicht oder Anspruch auf Sozialhilfe haben." Aber Tereza gibt auch an, dass es auch deutliche Vorteile gibt, die die Selbstständigkeit ausmachen. Flexible Arbeitszeiten zum Beispiel. Oder die Freiheit, dass man selbst entscheiden kann, mit wem man arbeitet. Oder auch, dass man nicht in irgendeinem Büro sitzen muss.  

Den Absprung schaffen

Nick hat einen ähnlichen Weg wie Tereza eingeschlagen. Nachdem er zehn Jahre lang in einem Energiekonzern gearbeitet hat, zog er einen Schlussstrich. Er drohte in der Bürokratie zu versinken, die Aufstiegschancen waren begrenzt. Da entschied er sich dazu, sich selbstständig zu machen und von den Kontakten, die er in den Jahren gesammelt hatte, zu profitieren. Jetzt arbeitet er projektbasiert, ist aber viel glücklich. Er entscheidet selbst über seine Arbeit, seine Zeit und, ganz wichtig, seine Kunden. Es ist irgendwie befriedigender, für sich selbst zu arbeiten, aber auch schwieriger.", sagt er.  

Trotzdem ist es nicht leicht als Freelancer. Die Graphikdesignerin und frische Uniabsolventin Tina hat lediglich ein paar Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt während einiger Praktika gesammelt. Sie setzt alles daran, unabhängige Projekte zu finden, für die sie arbeiten kann. Aber ohne die entsprechenden Kontakte ist es schwierig und noch kämpft sie sich durch.  

Lebensziel: Selbstverwirklichung 

Immernoch ist der Gedanke, dass man den Beruf wechseln muss, um einen Job zu finden und sich selbstverwirklichen zu können, vorherrschend. Und von dem ganzen soll man auch noch Leben können. 

Nachdem Dominic sieben Jahre lang im PR-Bereich gearbeitet hat, entschied er sich dazu, etwas anderes auszuprobieren. Er ging wieder an die Schule. Dort wollte er endlich das machen, was er schon immer wollte, was Spaß ihm macht und was er gut kann: er wollte Architektur studieren. Lange Zeit hatte er sich nicht getraut, weil er Angst hatte, später keinen Job zu finden. Jetzt denkt er sich: Was macht das schon für einen Unterschied?" Schließlich sind sowieso alle Bereiche des Arbeitsmarktes von der Arbeitslosigkeit betroffen.  

Aber was drängt einen wirklich zu diesem entscheidenden Schritt? Ich war's so leid - die ganzen festen Termine, der Arbeitsaufwand, die Deadlines, die fehlende Freizeit, die Politikszene, ich war's so leid, dass ich nie wirklich was zu Ende bringen konnte. Also entschied ich mich dazu, was zu ändern. Auch weil es gesundheitlich nicht mehr in dem selben Tempo weiterging. Ich wollte mal runterkommen, kreativer sein, ich wollte etwas machen, wo ich nicht in einer großen Organisation verschwinde und flexibler sein kann. Außerdem wollte ich mehr Zeit für mich und die Leute, die mir wichtig sind. Und ich wollte auch einfach für mich selbst arbeiten, statt von einer Firma abhängig zu sein. Momentan stellt ja sowieso niemand Leute ein.

Die ewigdauernde Reise der Jobnomaden?

Wir sind Jobnomaden geworden. Wir schwimmen auf der Welle mit, hoffen darauf, dass wir einen Job finden, der sich auszahlt. Auch wenn die Bezahlung noch so schlecht ist. 

Vielleicht werde ich in der Zukunft bald wieder etwas total anderes machen - keine Ahnung. Aber ich weiß, dass ich immer versuchen sollte, die Sachen zu ändern, wenn es mir keinen Spaß mehr macht oder ich es nicht mehr aushalte.", sagt Dominic. Er lächelt und seine Augen glänzen, wenn er daran denkt, was sich alles wie verändern könnte. 

Im Allgemeinen ist es heute üblich, dass man sich eher damit auseinandersetzt, wie man die vielen Steuern bezahlt, die einem auferlegt werden, man sein täglich Brot bezahlt oder einfach über die Runden kommt. Fast niemand unter den jungen Leuten denkt heute noch an die Rente für später. Unsicherheit ist das Gefühl unserer Zeit und Sicherheit gibt es quasi nicht. Aber Optimismus gibt es. Und die Ausdauer, für etwas besseres zu kämpfen. "Ich will einfach ein erfülltes Leben führen. Mein Hauptziel ist es, zufrieden, glücklich und in Ruhe zu leben.", sagt Dominic. Aber vielleicht reicht dafür mittlerweile auch keine Jobwechsel mehr aus. Vielleicht muss sich auch an der Haltung etwas ändern. Ob es nun unsere Haltung als Individuum, Zugehörige einer bestimmten Nationalität oder Europäer ist. Nur dann können wir die Gesellschaft zu etwas besserem verändern und eine Zukunft schaffen, die erstrebenswert ist.