Budweiser, Burgen und Briten in Böhmen

Artikel veröffentlicht am 29. April 2008
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 29. April 2008
Das tschechische Bier rückte zuletzt wieder im April in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Nach einem jahrhundertelang andauernden Streit mit den USA über die Namensrechte an Budweiser ging Tschechien vor den Gerichtshof in Luxemburg. Aber wie sieht der Verbrauch des weltberühmten Gebräus heute aus?

Liebhaber des Ceské Pivo (tschechischen Bieres) hörten im Januar 2008 von dem Antrag auf 'Herkunftsbezeichnung' bei der EU, welches Produkte verbunden mit ihrer geografischen Herkunft schützt. Die Tschechen bemühten sich zuerst im Mai 2004 darum. Damit standen sie in einer Reihe mit anderen bereits von der EU geschützten tschechischen Biere. Drüben in Deutschland erhielt das bayrische Bier schon im Jahr 2001 diese Anerkennung.

Burgen und Staropramen

(Foto: ©Boris Svartzman)

"Burgen und Bier", nennt ein junges Paar in ihren Zwanzigern als Grund für den Ausflug nach Prag. Zusammen mit einer großen Gruppe von britischen und skandinavischen Touristen fahren sie mit der Straßenbahn vom Stadtzentrum aus kurz in die Staropramen-Brauerei, in der neben dem traditionellen Lager Ležák auch das dunkle nach Malz schmeckende Granát hergestellt wird. "Es ist eine schöne Stadt. Und sie ist auch billiger als die meisten westeuropäischen Städte. Wir können hier eine wirklich angenehme Zeit verbringen." Die Bandbreite der Tätigkeiten und das in der Brauerei produzierte Volumen ist wirklich erstaunlich: Diese eine kleine Anlage produziert 300 Fässer in einer Stunde und 500.000 Flaschen Bier täglich. Das sind 850 Hektoliter pro Tag! Auch wenn die Preise sich nahe der Sehenswürdigkeiten unterscheiden, beträgt der Durchschnittspreis von einem großen Glas Bier um die 35 - 45 Tschechischen Kronen (zwischen 1,40 bis 1,80 Euro), was weit weniger als die Hälfte des Preises für ein großes Glas in Großbritannien ist.

Tschechen sind berühmt für ihre Liebe zum Bier. Ihr Kopfverbrauch liegt höher - um die 157 Liter pro Jahr - als in vielen anderen Nationen. Die Qualität der bekanntesten Marken wie Plzeský Prazdroj (Pilsner Urquell), Budweiser Budvar und Staropramen hängt mit den landwirtschaftlichen Bedingungen der Region zusammen, die sich gut für den Anbau von Hopfen eignen.

(Foto: ©Boris Svartzman)

Das erste tschechische Bier wurde 859 gebraut und 903 erstmals exportiert. Ein Großteil der mehr als 50 Brauereien in der Republik exportiert ihr Bier heute ins Ausland. Der Vorsitzende des tschechischen Brauereiverbandes Jan Vesely schätze im Jahr 2005, dass die Nachfrage nach Bier weltweit jährlich um 125 Prozent wächst. Was bedeutet, dass mehr als drei Millionen Hektoliter des Gebräus im Jahr nach Übersee geschickt werden. Die Erweiterung der Europäischen Union eröffnete auch neue Märkte für das Produkt "tschechisches Bier".

Prag ist das neue Amsterdam

Prags Reiz als Anlaufpunkt für billige Drinks ist schon seit mehr als 10 Jahren bekannt. Mit Firmenkonzepten, wie der britischen 'Prague Pissup Tour'(Prager Besäufnis Tour), wurde es zu einem bekannten Reiseziel für Junggesellen, die die Vorteile von Billigflügen nutzen, um über ein langes Wochenende so richtig zu feiern. "Manchmal sieht man Gruppen in der Altstadt, die sich wie betrunkene Idioten verhalten", meint eine Gruppe von Barmännern. "Aber sie sind uns willkommen. Schließlich geben sie eine Menge Geld aus."

Exportmeister Tschechisches Bier (Foto: ©Boris Svartzman)

Nach den Deutschen sind die Briten, die am meisten gesehenen Touristen in der tschechischen Republik. Mehr als eine halbe Million besucht das Land jedes Jahr. Nach einem Bericht des Auswärtigen Amtes von 2007 nahmen britische Besucher in der tschechischen Republik in ungewöhnlich vielen Fällen die Hilfe des Konsulats in Anspruch.

Haben sich die Dinge wirklich geändert, nachdem Prag im Vergleich zu den baltischen Ländern - wie Litauen - ein teurer Ort zum Trinken geworden ist? "Es ist noch ein sehr begehrtes Reiseziel", meint der Sprecher der britischen Botschaft. "Aber es wäre interessant zu sehen, wie ein Einbruch dieser Zahlen aussieht, wenn sich die Demografie der Touristen ändert. Ob es nun weniger attraktiv für Junggesellenabende ist oder weil sich die Verhaltensweisen geändert haben, eines ist klar: Es passieren weniger Vorfälle." Das Auswärtige Amt ergriff Initiative und ermutigte die vermehrten Biertouristen zu einem verantwortungsvollen Verhalten. Plakataktionen und bedruckte Bierdeckel in den bekanntesten Bars "scheinen geholfen zu haben".

Immer billig

Schon am frühen Freitagnachmittag füllen sich die Bars im Zentrum mit Gruppen von Touristen, die hauptsächlich männlich und Nachtschwärmer sind. Viele haben noch ihr Gepäck dabei. Auf dem Weg zu ihrem Hotel gönnen sie sich ein kleines Bier. "Das Bier ist super", sagt jemand aus einer Gruppe Junggesellen, die über das Wochenende aus Birmingham hier sind. "Es ist ein wenig teurer als vor fünf Jahren, als wir das erste Mal hier waren. Aber es ist immer noch die Hälfte des Preises von zu Hause." Ein großes Glas Premium Lager kostet in Großbritannien um die vier Euro. "Die Tschechen sind wirklich freundlich und zuvorkommend", ergänzt ein anderer. "Klar, gibt es einige Kerle, die ein wenig wild werden können. Aber ich denke nicht, dass es so schlimm wird, wie es in britischen Stadtzentren am Freitag oder Sonnabend zugeht."

Das letzte Bier in Prag (Foto: ©Boris Svartzman)

Es ist gegen 4 Uhr morgens in der Altstadt. Die Feiern sind längst zu Ende. Obwohl viele Bars noch offen sind, ist die Atmosphäre entspannt. Gruppen von Engländern, Amerikanern und Deutschen schwanken über die Karlsbrücke zurück in die Hotels und warten in Reihe auf ihre Taxen. Am Sonntagabend warten sie ebenfalls in Reihen auf ihre Busse zum Flughafen. Und mit verschwommenen Augen aber zufrieden blicken sie auf ein vergnügliches Trinkwochenende in Böhmen zurück.

Danke an Vítek Nejedlo.