Budapest, die Boheme zwischen Trabbis und Paprika

Artikel veröffentlicht am 28. August 2005
Artikel veröffentlicht am 28. August 2005

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Das „Paris des Ostens“ lebt hin- und hergerissen zwischen dem rastlosen Pest und Buda, dem Hord der Ordnung und der Achtbarkeit. Eine Hauptstadt, die stets und nie dieselbe sein will.

Es ist schwierig, die Gegensätze der „Donauperle“ zu übersehen. Denn anders als Prag pfeift Budapest auf die „touristische Korrektheit“: An die Roccoco-Fassaden schließen sich klaffende Löcher an, städtisches Niemandsland wird kurz entschlossen zu wilden Parkflächen umfunktioniert, barocke Kirchen mit Zwiebeltürmen verirren sich in Mitten eines Dschungels aus Sozialwohnungsblöcken und einem Ballett altertümlicher Trabbis; glänzende BMWs tauchen unvermittelt auf der Kettenbrücke auf und verfehlen nur knapp die zahnlosen Roma in abgenutzten Trainingsanzügen. Diese Vielfalt und ein architektonischer Reichtum zwischen Barock, osmanischen Relikten und Jugendstil machen aus dieser zwei Million Einwohner zählenden Metropole eine der faszinierendsten Hauptstädte Zentraleuropas.

Flexible Preise

Kaum habe ich ungarischen Grund betreten, gerate ich schon in die erste Touristenfalle: Massig wie Rugbyspieler drohen die U-Bahnkontrolleure damit, die Polizei zu rufen, falls ich weiterhin lauthals mein Unwissen bezüglich der Vorschrift äußere, den Fahrschein bei jedem Linienwechsel erneut zu entwerten. Kosten des unterirdischen Psychodramas: 8000 Forint (33 EUR). Und das in Ungarn, wo das monatliche Durchschnittseinkommen bei ungefähr 80 000 Forint liegt.

Trotz des anfänglichen Eindrucks, ein Millionär zu sein beim Blick ins Portemonnaie, sind die Preise ziemlich fantasievoll. Und mein Ausweis für das ungarische Leben „Elnézést, nem értem. Beszél angolul?“ (Entschuldigen Sie, ich verstehe nicht. Sprechen Sie Englisch?) hilft mir sicherlich nicht, Preisnachlässe zu erhalten. Es ist schwierig, über die Aufschläge zu diskutieren, ohne sich an den unaussprechlichen Klängen dieser finno-ugrischen Sprache mit direkter Herkunft aus den mongolischen Steppen zu verschlucken. Nach drei Monaten habe ich außerdem die Idee aufgegeben, meinen Freund kaltblütig zu ermorden, der sich den Hals verdreht nach den hiesigen Wesen, allzu oft blond, gut gebaut und braun gebrannt… Der östliche Scharm und Solarien an jeder Ecke hinterlassen Spuren.

Urbane Durchmischung

Wie überall hören die Szenecafés ohne Seele, wo Zaster und Protz sich vereinigen, nicht auf sich auszubreiten, in der Umgebung von Deàk tér, dem neuralgischen Zentrum der Stadt, und auf der Andràssy utca, den hiesigen Champs-Elysées. Es ist besser, sie zu meiden, und die Nase in die zweckentfremdeten Innenhöfe oder privaten Gärten (die berühmten, im Sommer sehr populären „kert“) zu stecken; oder das jüdische Viertel auf der Suche nach einem „sörözo“ (Bierbar) oder einem verräucherten, typischen „borozo“ (Weinbar) zu durchstreifen. In Sachen Shopping sind die großen, üblichen Markenläden auf der Vaci utca-Straße und die riesigen Einkaufszentren nach amerikanischer Machart wie Pilze aus dem Boden geschossen: „Mammut“ und das „West End“ teilen sich die Gunst der Besucher durch die Vervielfältigung der Attraktionen: Kino, Clubs, Bars. Liebhaber von sowjetischem Nippes gehen auf den Flohmarkt von Ecséri, der am Stadtrand zwischen zwei Autobahnen eingebettet ist.

Wie viele verkaterte, nebelige Vormittage werden Sie im grünen und weichen Gras der Margit-Insel verbringen, wie viele reinigende Ausflüge zu den "gyufürdok" machen, den berühmten Bädern Budapests? Oder wie viele Gläser Tokaij zu gegrillter Stopfleber schlürfen? Charmant, leichtherzig und melancholisch, Budapest ist eine würdige Tochter der Boheme.

PRAKTISCHE INFORMATIONEN

Sprache:

Das Ungarische ist, wie Finnisch und Estländisch, keine indo-europäische Sprache - und die Ungarn sind stolz darauf. In den Lokalen unmittelbar mit Englisch zu beginnen, wird eher schlecht aufgefasst. Versuchen Sie, die Basisausdrücke zu lernen. Ältere Leute sprechen eher deutsch, aber die Jungen sind in der Regel anglophon.

Hochschulen:

Die Central European University, die von dem ungarischstämmigen Milliardär Georges Soros gegründet wurde, bietet ausgezeichnete Kurse in Humanwissenschaften an.

Der besondere Ort:

Das „Schiff A 38“ auf der Donau : Konzerte, Ausstellungen, Parties.

Machen:

Auf jeden Fall die Bäder. Es gibt nur die Qual der Wahl: Szechenyi, Géllert oder Lukacs sind die bekanntesten.

Bleibenlassen:

Ein Taxi auf der Straße herbeiwinken. Lieber von einer Telefonzelle aus eine Taxifirma anrufen, um exorbitante Fahrpreise zu vermeiden.

Unterkunft:

Wenn Sie kurzfristig ankommen, suchen Sie ein Zimmer bei einem Anwohner, um die Zeit zu haben, sich zurecht zu finden und den Gang durch die Immobilienagenturen zu machen. Zahlreiche Ungarn bieten an den Bahnhöfen oder am Flughafen ein Zimmer an. Eine andere Möglichkeit sind die Jugendherbergen. Die Agenturen werden Sie direkt mit den Eigentümern, denen die Letztentscheidung obliegt, in Kontakt setzen. Ziehen Sie den Führer Budapest Sun zu Rate.

Kleinanzeigen finden sich an den Schwarzen Brettern der Universitäten. Oder werfen Sie vor der Abreise einen Blick auf das Forum der Seite Tout sur Budapest. Versuchen Sie auch Budapest Cheap Flat oder Budapest Rooms.