Brüssel : von der « djihadistische Stadt » zur « Geisterstadt » (1/2)

Artikel veröffentlicht am 27. November 2015
Artikel veröffentlicht am 27. November 2015

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

In nur wenigen Tagen ist Brüssel von der "Europäischen Hauptstadt des Djihadismus" zu einer Geisterstadt geworden. Cafébabel Brüssel stürzt sich in diese manchmal etwas gedrückte Stimmung. 

Brüssel, die Nachberhauptstadt von Paris, ist auf ihre eigene Art und Weise von den Attentaten am 13. November betroffen. Durch die Gewalt, die Nähe, die potenziellen Attentatsziele mit denen wir uns viel zu leicht identifizieren können und Orte, die viele von uns regelmäβig besuchen. Aber auch weil sich die belgische Hauptsadte seit einigen Tagen durch die höchste terroristische Gefahrenstufe komplett von der Auβenwelt abgeschlossen hat. Der Auβnahmezustand könnte noch eine Woche anhalten. Dies ist eine Situation die noch niemand in Belgien oder in Europa zuvor erlebt hat.

Freitag, 13 November

Wie in Paris, ist auch in Brüssel das Leben in vollem Gang. Gegen 22 Uhr, als wir gerade stolz sind, dass die "Diables Rouges" Italien in einem Freundschaftsspiel geschlagen haben, bekommen wir die ersten Nachrichten auf unseren Handys. "Leute, in Paris passiert gerade etwas." Wir verstehen nicht ganz worum es geht. Erste Reaktion: Wir holen unsere Handys raus: "Hey, wo bist du in Paris? Geht es dir gut?" Während die Minuten vergehen und wir Bier trinken wird das Gemurmel lauter. Die meisten von uns haben viele französische Freunde. Einige sind hier, andere in Paris. Einige erhalten auf Facebook "safety checks" von ihren Freunden, andere nicht.

Am nächsten morgen wachen wir abgestumpft, völlig aus der Fassung auf. Wir schaffen es nicht uns von unseren Bildschirmen zu lösen, das Herz ist angeschwollen, die Augen starr, der Kopf dreht sich. An den fünf folgenden Tagen diskutierten wir über fast nichts anderes, selbst als wir nicht mehr darüber reden wollten. Wir können uns nicht entscheiden ob es besser ist sich zu informieren oder sich nicht zu informieren.

"Seit den Attentaten von Paris machen mir die politischen Entscheidungen und die übertriebene Mediatisierung der kleinsten Neuigkeit Angst, aber es motiviert mich gleichzeitig auch mich zu wehren. Für mich ist es wichtig die Panik zu bekämpfen da sie das Hauptziel der Attentate ist: Angst vor den Anderen zu verbreiten. Und in einem Land in dem Frieden herrscht, ist dies eine echte Gefahr", seufzt Marie. Un während wir gerne auf andere Gedanken kommen würden, erfahren wir, dass die Gefahr wieder einmal von uns ausgeht. "Molenbeer, Festung des belgischen Djihad", so sind Zeitungen weltweit betitelt.

Man fühlt sich dumm, selbst schuldig. Man fühlt sich anvisiert, schlecht angesehen. Und wir, vielleicht um uns zu beruhigen, versuchen (künstlich) zu lachen: "Hey Leute, wir sollten Molenbeek und Raqqa zu Partnerstädten machen!". Im Ernst, in Brüssel weiβ man, dass Molenbeek ein unterprivilegiertes, im Stich gelassenes Viertel ist, wie viele andere Orte in Europa. "Ich denke im Grunde wissen alle, dass die Terroristen aus jedem beliebigen anderen Ort hätten kommen können. Aber für viele ist es erleichternd eine Quelle ausmachen zu können, das unerklärliche erklären zu können" beharrt Marie.

Montag, 16 November

Während Paris seine Wunden verbindet, entschuldigen sich Alex Vizorek und Charline Vanhoenacker in unserem Namen im französischen Radio und erklären: "Das ist der schlechteste belgische Witz den wir kennen". Und Gott (oder jeder Andere) weiβ, wir in Belgien mögen Witze. Aber nicht heute. 

Mit Molenbeek erscheinen plötzlich die Gesichter der Terroristen die Paris angegriffen haben. Innerhalb von wenigen Stunden wird einer von ihnen der meistgesuchte Terrorist in Europa: Salah Abdesalam. Schlimmer, er sei zurück im flachen Land, in Brüssel, da wo die Attentate geplant wurden. In weniger als fünf Tagen machen uns 250 Aufrufe in allen Ecken der Hauptstadt darauf Aufmerksam. Die Regierung warnt die Bürger, die Bombenwarnungen häufen sich, die Evakuierungen auch. Und während die Cafés in Paris sich mit jungen Menschen füllen die auf das Leben, die Repubik, Voltaire, die Liebe und den Humor anstoβen, sind die Brüssler Cafés umringt von vermummten Soldaten.

Freitag, 20 November

Abends wird die Universität Brüssel evakuiert. Kurz danach kommen gepanzerte Fahrzeuge im Stadtzentrum an. Auf dem Saint-Géry Platz, Festung der Trinker im Zentrum, patroullieren sieben Soldaten vor den Cafés. "Ich weiβ, dass diese Maβnahmen nur unserer Sicherheit dienen, aber Maschinenpistolen zu sehen während man gemütlich drauβen in einem Café sitzt, das ist komisch. Es ist als ob man eine Stimme im Kopf hätte die nicht aufhören kann zu wiederholen "pass auf, pass auf". Es ist als ob man uns einen Teil unserer Freiheit wegnehmen würde" , sagt Edith, ein Glas in der Hand, bevor sie zu einem Konzert im "l'Ancienne Belgique" geht. "Mein Freund wollte nicht, dass wir zu dem Konzert gehen, es sei zu gefährlich. Wir werden doch wohl nicht deswegen aufhören zu leben. Im schlimmsten Fall gehen wir während des Konzerts auf den Balkon und falls sie kommen haben wir vielleicht mehr Glück" fährt sie fort und versucht sich damit eher selbst zu beruhigen als rebellisch zu sein.

Zu den Maschinengewehren kommen die Spots im Fernsehen die uns manchmal beruhigen, manchmal wütend machen. Ausländische Journalisten fragen Barkeeper wie sie sich fühlen. Viele sagen sie sind zuversichtlich, anderen ist alles egal und einige wiederholen"das könnte überall passieren, immer, und wenn wir so denken, dann hören wir auf zu leben. Daher ist es besser man denkt nicht darüber nach!"

_

Suite de l'histoire ici.

_

Cet article a été rédigé par la rédaction de cafébabel Bruxelles. Toute appellation d'origine contrôlée.