Brüssel - Auf Europa bauen

Artikel veröffentlicht am 28. April 2017
Artikel veröffentlicht am 28. April 2017

[SPONSORED CONTENT] Brüssel ist zwar die Hauptstadt Europas, an einer wahrhaftigen europäischen Identität mangelte es ihr aber. Deshalb hat die Stadt beschlossen, Europa sprichwörtlich aus dem Boden zu stampfen. Wie wäre es also mit dem Besuch einer Reihe neuer symbolischer Orte, die euch den Alten Kontinent näher bringen? Stippvisite.

Heute gibt es weder Champagner noch Häppchen. Und auch keine offiziellen Fotos, die den Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, verewigen, während er das rote Band mit einer Silberschere zerschneidet. Stattdessen steht da eine Schlange von 2000 europäischen Bürgern, die ungeduldig darauf warten, dass endlich der Vorhang vor ‚Europa‘ fällt. Es ist der 10. Dezember 2016 und die Leute drängen sich vor dem neuen Gebäude des Europäischen Rates. Zugegeben, diejenigen, die gerne über die Teppiche der EU-Institutionen stolzieren, haben lange auf diese Eröffnung gewartet. Nach zehn Jahren Bauarbeiten hat die Europahauptstadt ihr neues architektonisches Kleinod aber nun endlich enthüllt: Das neue Europa-Gebäude ist ein gigantischer Kubus, in dem die Treffen der 27 Repräsentanten der europäischen Mitgliedstaaten, ob Staats- und Regierungschefs oder Minister, stattfinden sollen.

‚Europa‘ ist stärker als du

Trotzdem heißen die ersten Menschen, die das Europa-Gebäude betreten dürfen, nicht Angela Merkel, Theresa May oder Mariano Rajoy, sondern Patrick, Laura oder Fernando. Zahlreiche Besucher strömen trotz des Schmuddelwetters in den beeindruckenden Neubau, um vom Tag der offenen Türe der Institutionen zu profitieren. Diese haben sich nicht lumpen lassen und den Bürgern und Besuchern der Stadt noch vor den Politikern des Alten Kontinents diese Würde erwiesen. Verfrühtes Weihnachten? Für diejenigen, die architektonische Herausforderungen mögen, auf jeden Fall. Denn das Europa-Gebäude ist in puncto Look einige Risiken eingegangen. Auf 70 000 Quadratmetern gebaut, zählt es 3750 verschiedene Fenster und einen gigantischen zentralen Lichtkegel in Eiform, der von über 374 LED-Leuchten erhellt wird. Das „Space Egg“, wie der Bau auch genannt wird, ist eine Mischung aus Alt und Neu. Kostenpunkt? 321 Millionen Euro, ursprünglich war ein Budget von 240 Millionen geplant. Das Mammutprojekt wurde von vielen dafür kritisiert, horrende Summen zu verschlingen - und das als ein Ort, der die halbgaren Entscheidungen einer Horde Technokraten in Anzug und Krawatte ausspucken soll.

Doch der belgische Architekt, Philippe Samyn, verteidigt die saftige Rechnung seines Bauwerks gegenüber den ewigen Skeptikern. So erklärt er Patrick, Laura und Fernando zunächst, dass das Gebäude weniger gekostet habe als die NATO-Zentrale am anderen Ende der Stadt. Eine Milliarde haben sich die Architekten den Bau dort kosten lassen. Außerdem, so erklärt Samyn weiter, habe sein ‚Europa‘ tatsächlich auch eine europäische Identität. Ein Teil der Fassade besteht nämlich aus wiederverwerteten Holzfensterrahmen aus ganz Europa. Ein weiteres Argument: Der Boden und die Decke des Konferenzsaales, wo die zukünftigen Treffen der Staats- und Regierungschefs stattfinden, ist außergewöhnlich bunt gestaltet. „Die institutionellen Gebäude sind oftmals sehr dunkel und unpersönlich“, betont der Architekt. „Wir wollten im Gegensatz einen Ort entstehen lassen, der entspannt wirkt, obwohl hier Entscheidungen von enormer Tragweite getroffen werden.“ Das Gebäude ist seit Anfang 2017 in Gebrauch, bald werden wir also wissen, ob die bunten Mosaike einen Einfluss auf die Entspannung des deutsch-griechischen Verhältnis‘ haben.

Die EGKS, Kennedy und ein paar Pints

Eins ist sicher, mit diesem Prachtbau hat Brüssel seinem Europaviertel weiteren Glanz verliehen. Die Rue de la Loi zählt mit dem Lex- und dem Justus Lipsus-Gebäude nun mittlerweile drei wichtige EU-Gebäude. Aber man kann Europa in Brüssel ebenso gut über seine kulturellen Räume erkunden. Gerade einmal zehn Minuten zu Fuß entfernt, empfängt ein weiteres Bauwerk zahlreiche Besucher. Das Haus der Europäischen Geschichte, das erst vor kurzem fertiggestellt wurde, öffnet am kommenden 6. Mai seine Tore, pünktlich zu den Feierlichkeiten zum Europatag. Für den Brüssel-Trotter die perfekte Gelegenheit, das erste offizielle Museum der europäischen Geschichte zu besuchen. Das Gebäude, das sich mitten im Parc Léopold befindet, hat mit seinen zwei Seitenflügeln und dem Treppenaufgang einen fast schon feierlichen Charakter. Errichtet auf den Fundamenten einer ehemaligen Zahnklinik für Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen, zog das Museum aufgrund der Projektkosten die Kritik der Euroskeptiker auf sich: 56 Millionen Euro, so die Summe. Aber Finanzen mal beiseite, im Museum könnt ihr während eines Rundgangs (nochmal) lernen, was ihr jahrelang im Geschichts- und Politikunterricht versäumt habt: Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die Römischen Verträge oder die Bolkestein-Richtlinie? Unbezahlbar!

Auch der Treff- und Auskunftspunkt des Europaparlaments, der auf den Namen ‚Station Europe‘ getauft wurde, bietet kostenfreie Informationen und eine virtuelle Reise in die Plenarsäle der Institution. Pläne, 3D-Animationen, Slideshows und Touchscreens - die EU lässt sich nicht lumpen, damit ihr das von euch gewählte Europaparlament am Ende eures Rundgangs in- und auswendig kennt. Es war clever von der Station Europe, sich in den Überbleibseln des ehemaligen Bahnhofs Brüssel-Luxemburg , gleich in der Nähe des berühmten Place Luxembourg, niederzulassen - eine Hochburg des (pro)europäischen Nachtlebens. Denn solltet ihr eventuell eine Pause benötigen, weil euch zu viele virtuelle Animationen aus dem Parlament 2.0 im Kopf herumschwirren, dann warten auf der anderen Straßenseite ein paar frische Pints zur Abkühlung. Danach könnt ihr immer noch mit kühlem Kopf auf einen zweiten Rundgang vorbeischauen. Europa kommt euch dann bestimmt noch schöner vor.

Brüssel ehrt Europa aber nicht nur mit einer Reihe neuer Gebäude. Die belgische Hauptstadt versetzt sogar Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel auf dem Vorplatz des Berlaymont-Gebäudes, dem Sitz der Europäischen Kommission. Wenn ihr dort gewesen seid, könnt ihr später von euch behaupten, ein ordentliches Stück Europa gesehen (und auf Instagram verewigt) zu haben: Hier steht nämlich ein authentisches Stück der Berliner Mauer, das drei Tonnen wiegt und 3 Meter 60 hoch ist. Darauf ist ein Porträt von John Fitzgerald Kennedy zu sehen, umrandet von der amerikanischen Flagge. Das so genannte „Kennedy Piece“ ist Teil der 15 Mauerstücke, die 2009 für die Installation ‚Breaking the Wall‘, anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls und der deutschen Wiedervereinigung, in die belgische Hauptstadt reisten. Dass es dabei um ein wichtiges europäisches Datum ging, zeigten die Persönlichkeiten, die ein Jahr später zum Anstoßen mit dem Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker kamen: der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, EU-Kommissar Günther Oettinger und die ehemalige Kommissions-Vizepräsidentin Kristalina Georgieva waren vor Ort. Nach den Feierlichkeiten kaufte die EU-Kommission das „Kennedy“-Stück, um es längerfristig vor seinem Gebäude aufzustellen. Kostenpunkt? Schlappe 4500 Euro. Dann sind diesmal wenigstens die Euroskeptiker beruhigt.

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Alle präsentierten Bauwerke sind zum Europatag am 6. Mai 2017 geöffnet und für alle Besucher frei zugänglich.

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Dieser Artikel wurde von Visit Brussels finanziert.