Brüssel: 6 Monate nach den Anschlägen trotzdem beliebt

Artikel veröffentlicht am 27. September 2016
Artikel veröffentlicht am 27. September 2016

[Kommentar] Mit seinem Unesco-Welterbe (Grand’Place), der beeindruckenden Architektur und natürlich der Schokolade zieht Brüssel üblicherweise milionen Touristen in den Bann. Nach dem Lockdown und den Attentäten versucht die belgische Hauptstadt, wieder Touristen anzulocken. Trauen diese sich überhaupt noch, nach Brüssel zu kommen? Ein Meinungsartikel. 

2016 war bisher kein gutes Jahr für Brüssel. Erst wurde im November 2015 die belgische Hauptstadt nach den Attentäten in Paris wortwörtlich verriegelt, dann wurde sie im März 2016 selbst Opfer von Anschlägen. Brüssel blutete und Belgien trauerte. Die Tourismusindustrie leidete ebenfalls: Weniger Besucher in den Museen, leere Straßen und Restaurants...Mehr denn je zeigt die belgische Hauptstadt Initiativen, um die Menschen wieder nach Brüssel zu locken, wie beispielsweise „Sprout to be Brussels“.

“Sprout to be Brussels”

In der ganzen Stadt kleben Sticker von Rosenkohlen („Brussels sprouts“) – an Restaurants, Museen, kulturellen Einrichtungen und sogar an Bewohnern der Hauptstadt. Mit „Sprout to be Brussels“ wird ein Zeichen gesetzt: Ich bin als Brüsseler stolz auf meine Stadt! Hier hat sich nichts geändert: Die Sehenswürdigkeiten sind immer noch genauso sehenswert, die Schokolade ist immer noch genauso schmackhaft und die Belgier genauso humorvoll wie eh und je.

Trotz Gefahr nach Brüssel?

Als waschechte Brüsselerin habe ich mich gefragt, ob trotz dieser tollen Initiative sich noch Leute trauen, als Tourist nach Brüssel zu kommen, um diese schöne Stadt zu besichtigen. Immerhin hat sie viel zu bieten und es wäre wirklich schade, diese Gelegenheit nicht beim Schopfe zu packen. Ich wollte es nun wirklich wissen und habe per E-Mail in meinem großen Bekanntenkreis, der sich über vier Kontinente und zahlreiche Länder erstreckt, nachgefragt, ob sie Brüssel besuchen würden, wenn sie mich nicht kennen würden (und daher nicht wegen mir in diese Stadt kommen würden). Natürlich habe ich die Freunde und Bekannte ausgelassen, die in Brüssel leben oder gelebt haben, um den Standpunkt so neutral wie möglich zu lassen.

Und siehe da, die Antworten von den Bekannten, die mir geantwortet haben, sind ziemlich eindeutig: Yelena aus Austin, Texas (USA) war noch nie in Brüssel und würde deshalb die Stadt trotzdem besuchen. „Europa ist für mich als Touristin niemals ein unsicherer Ort gewesen und ich wüsste keinen Grund, warum ich nicht nach Belgien kommen sollte. Ich kann mir vorstellen, dass gerade wenn so ein entsetzliches Ereignis in einem Land geschieht, dieses Land sich sehr bemühen wird, wieder sicherer zu werden“, schreibt die junge Frau.

Michèle aus Paris wäre auch bereit, wieder nach Brüssel zu kommen. Sie möchte dies auch tun, um sich mit den Bewohnern der belgischen Hauptstadt zu vereinen, da in ihrer Stadt ein ähnliches Ereignis passiert ist. „Es muss ein Zeichen gesetzt werden, um nicht Trübsinn zu blasen und in Angst zu verfallen“, erklärt sie. Nicole, die ebenfalls Pariserin ist, teilt Michèles Meinung. „Die Angst verdrängt nicht die Gefahr, und außerdem muss man ja weiterleben können. Ich liebe das Instrumentenmuseum hier in Brüssel, es ist wirklich einzigartig. Ich mag auch gerne die Grand’Place, die Cafés und die kleinen Restaurants – und natürlich die Schokolade“.

Allein Lacey aus Kalifornien würde nicht spontan die belgische Hauptstadt besuchen. Der Grund dafür ist jedoch nicht die Gefahr eines Anschlags. “Ich bin dessen nicht bewusst, was Brüssel alles zu bieten hat. Wenn ich aber sowieso in Europa unterwegs wäre, würde ich dennoch nach Brüssel kommen, weil ich daran interessiert bin, ein völlig neuer Ort zu erkunden.“

Sieht so aus, als ob Brüssel immer noch als Touristenstadt hoch im Kurs liegt. Zumindest hat sie bei der Umfrage gegenüber der Angst gepunktet. Brüssel: 1, Angst: 0. Wie Natalie aus Omaha, Nebraska (USA) es so gut ausdrückt: „Wenn ich aus Angst nicht mehr reise, wohin ich möchte, oder nicht mehr in öffentlichen Orten gehe, lasse ich die Terroristen gewinnen.“