British Council: Geopolitik mit Shakespeare

Artikel veröffentlicht am 2. Juni 2009
Artikel veröffentlicht am 2. Juni 2009
Um die im internationalen Rahmen wohl wichtigste britische Institution für Sprache und Kultur findet seit zwei Jahren ein diplomatisches Tauziehen statt. Russland drängt auf Schließung der Niederlassungen in Moskau und Sankt Petersburg.

Weit davon entfernt, einfach nur ein profitfreies Schulungsunternehmen für englische Sprache zu sein, stellt der British Council für das Vereinigte Königreich außerdem auch ein diplomatisches Werkzeug zur Einflussnahme im Ausland dar. Seine Gründung erfolgte 1934 und der Satzung nach handelt es sich um eine gemeinnützige Non-Profit-Organisation. Im Wesentlichen wird diese noble Institution, die in Großbritannien hoch angesehen ist, wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen geführt. Mehr als 60 Prozent seines Budgets stammen aus Einkünften in Verbindung mit dem Verkauf von Sprachkursen und dem Sponsoring im Kulturbereich. Doch aus der Nähe besehen sind die Beziehungen zum Staat sehr eng und von extremer Subtilität.

Ein bewaffneter kultureller Arm

©www.britishcouncil.orgDie Gründung des British Council erfolgte in den 1930er Jahren unter dem Einfluss des britischen Außenministeriums. Sie kann als mögliche Reaktion im Kulturbereich gegenüber der steigenden Gefahr des Faschismus angesehen werden. Seit der Verleihung einer „Royal Charter“ durch George VI im Jahre 1940 erhält der British Council darüber hinaus auch staatliche Beihilfen zur Sicherstellung seiner Tätigkeit. Seine Aufgabenstellung, den Einfluss des Vereinigten Königreichs durch Englischunterricht zu mehren und ein gutes Ansehen des Landes zu verbreiten, bedingt eine enge Zusammenarbeit mit dem britischen Außenministerium.

Gemäß einem Strategiepapier des British Council, erschienen unter dem Titel „Making a world of difference - Cultural relations in 2010“ [Schaffung einer anderen Welt - Kulturelle Beziehungen im Jahre 2010], wird der Erfolg des kulturellen Einflusses über die Anzahl der Besucher in den Zentren oder auf der Homepage gemessen. Durch die Förderung des interkulturellen Dialogs sollen die demokratischen und politischen Werte des Vereinigten Königreichs propagiert werden. Die Niederlassungen des British Council (etwa 200 in 110 Ländern) können also mit Fug und Recht als bewaffneter kultureller Arm der britischen Auslandsbotschaften angesehen werden.

Zur Kündigung gedrängte Mitarbeiter im Iran

Diese engen Beziehungen zum „Foreign Office“ stehen seit zwei Jahren im Zentrum eines intensiven diplomatischen Schlagabtauschs: Die Kraftprobe, die anlässlich des im November 2006 an dem russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko in London verübten Mordes, zwischen Großbritannien und Russland stattfand, hat die russischen Behörden dazu gebracht, Druck auf den British Council in Russland auszuüben: Auf die Ausweisung von vier diplomatischen Vertretern aus Großbritannien im Juli 2007 antwortete der Kreml unter dem Vorwand eines Steuervergehens mit der Anordnung der Schließung zweier Regionalzentren des British Council in Jekaterinburg und in Sankt Petersburg. Im Januar 2008 erreichte die Krise ihren Höhepunkt mit der Verhaftung von Stephen Kinnock, Direktor der Niederlassung von Sankt Petersburg und Sohn Lord Neil Kinnocks, des Präsidenten des British Council.

Zu Beginn dieses Jahres hat nun seinerseits der Iran die Angestellten des British Council als Zielscheibe benutzt, um Druck auf die Beziehungen zum Vereinigten Königreich auszuüben. Sechzehn iranische Mitarbeiter der Einrichtung wurden in das Büro der iranischen Präsidentschaft bestellt und dort zur Kündigung gedrängt, während der Iran gleichzeitig die Ausstellung von Arbeitserlaubnissen für die britischen Mitarbeiter des British Council verweigerte. Die Niederlassung von Teheran musste daher ihre kulturellen Aktivitäten vor Ort aussetzen.

Schließungen in Europa

Diese Schwierigkeiten im Iran stehen eventuell in Verbindung mit einer Strategieänderung, die im März 2007 von der Verwaltung des British Council beschlossen wurde. Im Zuge einer Neuausrichtung auf den Nahen Osten wurden zahlreiche Niederlassungen in Europa geschlossen. Ziel ist die Tätigkeit im Bereich muslimischer Länder „zur Verringerung des kulturellen Gefälles“ zwischen den Völkern und zum Kampf gegen den Extremismus. Diese Entscheidung hat einigen Wirbel ausgelöst, da sie von der Schließung zahlreicher Zentren weltweit begleitet war. Betroffen sind weit von Europa entfernte Länder wie Lesotho, Ecuador oder Peru, aber auch europäische Standorte, wie etwa in den deutschen Bundesländern, in Österreich, den baltischen Staaten oder in Weißrussland.

Diese geografische und politische Neuorientierung wurde im Jahr 2008 von dem Beschluss zur Schließung der Abteilung für Bildende Kunst begleitet, die einen gleichartigen Sturm der Entrüstung britischer Künstler hervorgerufen hat. Mehr als 100 der angesehensten Künstler, wie Lucian Freud, Bridget Riley, Damien Hirst, David Hockney oder Rachel Whiteread, haben im Januar 2008 eine Petition unterzeichnet, in der sie grundlegende Umgestaltung der kulturellen Aktivitäten des British Council verurteilen, deren Ziel die Schließung der Abteilungen für Bildende Kunst, Theater, Film oder Tanz ist.

Es scheint daher, als seien der sprachliche und der ökonomische Erfolg in Verbindung mit dem Verkauf von Englischkursen an weltweit Tausende von Schüler, für die britischen Künstler mit einer tiefgehenden Untersuchung der tatsächlichen diplomatischen Rolle verbunden, die dieser Elite-Einrichtung zugewiesen werden sollte. Sollte die Propagierung der Kultur einer Nation auf internationaler Bühne dazu verdammt sein, als „falscher Schnurrbart“ politische Hintergedanken zu verbergen?