BLOG ACTION DAY Berlin - Stadt der Toleranz!?

Artikel veröffentlicht am 9. Juni 2011
Aus der Community
Artikel veröffentlicht am 9. Juni 2011
von Christiane Lötsch Auf den ersten Blick bietet Berlin alles, was sich das schwul-lesbische Herz wünscht. Etwa einen bekennenden Bürgermeister, dessen Coming-Out „Ich bin schwul und das ist auch gut so!" seit einigen Jahren zum geflügelten Wort geworden ist.
Und das einzige Schwule Museum Deutschlands, das „homosexuelles Leben in all seinen Facetten" sammeln und so „einer Typisierung und Stigmatisierung entgegenwirken" möchte.

Am 4. Juni begann der „lesbisch-schwule Monat" in Berlin, am 18. und 19. Juni feiern zehntausende Menschen auf dem „Lesbisch-Schwulen Straßenfest" für mehr Toleranz in Schöneberg (nicht zu verwechseln mit dem Christopher Street Day, der am 25. Juni über den Ku'damm zieht) und vom 28. Mai bis zum 26. Juni findet das PRIDE Festival statt, das fast 200 Veranstaltungen zu homosexuellen Themen bündelt. Um den Überblick über die vielen Veranstaltungen zu behalten, haben sich mehrere schwul-lesbische Stadtmagazine gegründet, die nicht nur von der Community gelesen werden: L-Mag: Magazin für Lesben, Sergej, Siegessäule, Queer in Berlin… Alle diese Zeitschriften liegen in Cafés, Bars und Kneipen aus und können umsonst mitgenommen werden.

Schwul-lesbisches Leben findet in Berlin nicht nur in bestimmten Bezirken statt, sondern ist über die ganze Stadt verteilt - meistens dort, wo sowieso wild gefeiert wird: Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain, Schöneberg. Einige feine Unterschiede gibt es jedoch: Das nördliche Schöneberg ist das Zuhause der alteingesessenen Mittelschicht, wohingegen sich in Kreuzberg eher die politisch-aktive Lesbenszene trifft. Das Frauenzentrum Schokofabrik e.V. feiert hier im Oktober seinen 30. Geburtstag. Gleich gegenüber im SO36 begegnen sich „seit fast 8 Jahren Lesben, Schwule, Transen und deren Freunde auf dem HomoOriental Dancefloor". Fast alle Läden in der Oranienstrasse haben ein Stofftransparent im Schaufenster, das Opfern von Homophobie und Rassismus sofortige Unterstützung garantiert.

Übergriffe und Gewalt gegen Homosexuelle gibt es trotz aller Toleranz. Seit 17 Jahren besteht das Berliner Projekt MANEO – SCHWULES ÜBERFALLTELEFON UND OPFERHILFE von Mann-O-Meter e.V., das jährlich über 300 von Gewalt Betroffene berät und deren Erlebnisse dokumentiert. Die regelmäßigen, zu Toleranz aufrufenden Kampagnen tragen durch Öffentlichkeitsarbeit zur Gewaltprävention bei , besonders im Nahverkehr. Hoffen wir, dass es hilft!

Sergio Marx über die homosexuelle Seite des Andreas Baader