Blair: Mit Charme und Humor gegen Sarkozy

Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2008
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Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2008
Im französischen Kommunalwahlkampf ist Tony Blair der Partei von Nicolas Sarkozy (UMP) zu Hilfe gekommen. Geschickt setzte er seinen Humor als Waffe der politischen Kommunikation ein und gab unserem „energievollen“ Präsidenten eine Lehrstunde in Sachen Komik.

Frage: Wie bringt man mitten im Kommunalwahlkampf einen Saal voller Funktionsträger und Aktivisten der UMP zum Lachen (Jede Ähnlichkeit zwischen dieser Versammlung und den Hofhaltungen von Sarko-Superstar während der Präsidentschaftswahl sind natürlich rein zufällig)?

Tony, immer gut für einen Witz

Antwort: Ruft Tony, den Freund aus England. Immer zu Scherzen aufgelegt und immer bereit, die geladenen Gäste aufzuheitern. In den 90er Jahren war er einer der Vorsänger der „Cool Britannia“-Bewegung. Und der ehemalige britische Premierminister hat noch immer nichts von seinem Elan und seiner Wortgewandtheit verloren. Nachdem er daran erinnert hat, dass er in England ein Mitglied der Labour-Arbeiterpartei war, fügt Blair mit leichtem Akzent in verschnörkeltem Französisch hinzu: „In Frankreich wäre ich daher wahrscheinlich in der Regierung.“ Lautes Gelächter. „Aber nein, natürlich nicht, beruhigt Euch“, beschwichtigt uns Tony: „Er wäre in der Sozialistischen Partei, an der Seite derer, die daran arbeiten, sie zu erneuern.“ Bei der Sozialistischen Partei (PS) wird man sich sehr amüsiert haben, wurde man doch von Blair hoheitsvoll von oben herab behandelt. Das muss man verstehen, schließlich hat der kürzlich Bekehrte bei den sozialistischen Franzosen nicht gerade den besten Ruf.

Egal: Der ehemalige Bewohner von Downing Street No. 10 glaubte, er habe seinem Publikum geschmeichelt. Deshalb erlaubte er sich gleich noch einen kleinen Fauxpas gegenüber seinen konservativen Zuhörern: Er lobte unseren Präsidenten als „energievoll in allen Bereichen“. Sarkozy musste so sehr lachen, dass er sich fast den Kiefer ausgerenkt hätte. Selbst Jean-Marie Bigard, den französischen Komiker, den Sarkozy auf seinen Staatsbesuch bei Benedikt XVI. mitgenommen hatte, war nicht so komisch gewesen.

Die Tugend des politischen Humors: Unterschiede im Stil

Die komödiantischen Augenblicke, die Blair uns geboten hat, sind sehr aussagekräftig. Sie zeigen all jenen, die noch daran gezweifelt haben, dass Humor sehr hilfreich ist, um bittere Pillen besser zu verdauen. Zum Beispiel die eines Chefs des erneuerten Flügels der europäischen Sozialisten, der mit eher umstrittenen Eröffnungen gegen einen Präsidenten der politischen Rechten das Rennen macht.

Es ist interessant, die Leistung des Briten mit der langwierigen Pressekonferenz zu vergleichen, die Nicolas Sarkozy am Tag zuvor gegeben hatte. Der Präsident versuchte es mit der gleichen Strategie: Eine Prise Humor macht es leichter, die Massen in dieser dunklen Zeit zu besänftigen. Es gibt nur ein Problem: Wenn Sarko Witze macht, dann knirscht man mit den Zähnen. Einem Journalisten, der ihn zu Carla Bruni befragte, antwortete er: „Ich bin erstaunt, dass Sie damit bis zur zweiten Frage gewartet haben.“ Laurent Joffrin (Chefredakteur der Tageszeitung „Libération“), der besorgt war über das Abrutschen in eine „gewählte Monarchie“, entgegnete er schlagfertig: „Unsere Gesellschaft ändert sich doch ständig. Richten Sie Ihr Fähnlein nach dem Wind.“ Sarkos Humor geht auf Kosten seiner Gesprächspartner, um sie zum Schweigen zu bringen. Damit niemand vergisst, dass er es ist, der die Spielregeln diktiert. Genau die gleiche Strategie konnte man im Präsidentschaftswahlkampf beobachten: Sarkozy benutzte sie gegen seine Gegner in Form von sorgfältig ausgewählten (Sprich-)Wörtern.

Blair dagegen spielt in einer anderen Liga: der des britischen Humors, mit kleinen Seitenhieben, die man auch für Ungeschicklichkeit halten könnte (der Ausrutscher „energievoll“ – war er beabsichtigt?). Er bleibt damit auf absurde Weise bei der Politik und berührt das Privatleben des Präsidenten nur mit einer diskreten Anspielung. Diese Strategie hat viel mehr Charme und erobert die Gunst des Publikums.

Blair, Sieger in der Kunst der Improvisation

Durch seinen Humor in der politischen Kommunikation hat der Engländer auch seine Überlegenheit in der Kunst der Improvisation gezeigt. Takt und Finesse mit dem Schalk im Nacken sind besser als brutale Schlagfertigkeit und offensichtliche Verachtung. Man wird die selbstgefällige Fratze Sarkozys übergehen, wenn er sich aufplustert. Sie ist viel unangenehmer als der etwas verloren wirkende Blick à la Daniel Düsentrieb von Tony Blair.

Trotzdem: einen Vorteil hat Sarkozy: Wenn er versucht, uns mit Hilfe seines Humors einzulullen, dann werden wir erst recht vorsichtig. Blair dagegen ist dank seiner geflügelten Rhetorik mit seiner schelmischen Boshaftigkeit vielen in den Rücken gefallen.