Bigott: Der Snob mit der Maske

Artikel veröffentlicht am 21. März 2014
Artikel veröffentlicht am 21. März 2014

Borja Laudo alias “Bi­gott", ist ein wahn­sin­niger, lau­nen­hafter Pun­ker aus der Beat­-Ge­ne­ra­ti­on. Bei ihm weiß man nie, woran man ist. Mal ist er kindisch, im nächsten Moment ist er wieder sehr ernst. Ist bei Bi­gott alles nur Show? 

„Von mir aus gibt es nicht viel zu sagen", be­ginnt Bi­gott das In­ter­view, kurz vor sei­nem Kon­zert in Paris. Er ist ein Mu­sik­er der sich von Indie, Folk und Punk beeinflussen lässt. Es sind viele Be­grif­fe für je­man­den, dem es egal ist, als was er ab­stem­pelt wird, denn "jedem von uns wird ein Stem­pel auf­ge­drückt". 

Er kommt ge­ra­de von sei­nen Auf­nah­men sei­nes neuen Albums „Blue Jeans" aus dem tiefs­ten Ur­wald des Ama­zo­nas in Bra­si­li­en zu­rück. Die­ser Ein­fall konn­te nur von jemandem wie Bi­gott kom­men, der die Tage in im Urwald als eine „teure Pa­ra­noia" be­zeich­net. Ob sich die Reise nach Bra­si­li­en ge­lohnt hat, wird sich noch her­aus­stel­len. "Es war eine gute Er­fah­rung für mich. Du gehst ohne Ir­gend­et­was dahin, ohne Auf­nah­me­stu­dio, und ohne Ver­stär­ker. Wie in alten Zei­ten." Wenn man die Lieder hört, dann merkt man, dass das Album in einem anderen Teil der Welt enstanden ist. „Der Schwin­del fällt einem beim An­hö­ren der Lie­der nicht wirk­lich auf, weil er so per­fekt ist. Die Leute haben ein Thema über das sie mit mir spre­chen möch­ten, an­dern­falls hätte ich wenig zu sagen und nichts zu er­zäh­len", be­en­det er den Satz, und pfeift sei­ner vorbeigehenden Ba­ssis­tin nach.

In letz­ter Zeit bin ich sehr sen­si­bel

Bi­gott ist zwei­fels­frei ein be­son­de­rer Typ. Die Mei­nun­gen an­de­rer über sein Äu­ße­res oder seine Musik in­ter­es­sie­ren ihn über­haupt nicht. „Na­tür­lich den­ken sich die Men­schen, wenn sie mich sehen: ‘Der Typ ist ein ver­rück­ter, ob­dach­lo­ser Jun­kie und Dieb‘. Wenn ich mich selbst zu ernst nehme, be­kom­me ich Ang­st­zustände!"

Und in die­sem Mo­ment hat er mich vielleicht wie­der rein­ge­legt. Meint er es so oder macht er sich nur über mich lus­tig? Wäh­rend un­se­res In­ter­views rülpst er und spielt mit dem Fo­to­gra­fen. Wen habe ich hier vor mir sit­zen - ein mu­si­ka­li­sches Wun­der­kind aus Za­ra­go­za oder Dean Mo­ri­ta­ry höchst­per­sön­lich? Ist Bigott vielleicht ein „Hips­ter"? “Die­ses Kon­zept gibt es seit der Beat-Ge­ne­ra­ti­on. Men­schen die sich zusau­fen und zu­kif­fen gibt es of­fen­bar schon immer!"

Es macht ihm gro­ßen Spaß die Leute aus dem Kon­zept zu brin­gen: “Ich könn­te mir Tit­ten ma­chen las­sen". Ich hätte mehr Spaß mit ihm fei­ern zu gehen, als ein In­ter­view mit ihm zu machen.

Er ge­steht mir, dass er gerne eine pun­ki­ge CD auf­neh­men würde, die im Kontrast zu sei­ner bis­he­ri­gen Ar­bei­ten stehen würde. Doch so ganz glaubt er sich selbst nicht, denn der Punk ist nicht seine Welt. "Viel­leicht bin ich beim neuen Album in Punk-Stim­mung, aber das be­zweif­le ich. So selbst­ge­fäl­lig wie ich bin, auch wenn es nicht den An­schein hat. Die gan­zen Bei­na­men IndieHips­ter sind alles Schein. Ich trage eine ver­fluch­te Maske. Ich bin ein Snob, ich wurde so er­zo­gen. Was soll ich tun? Gegen die Ver­er­bung an­kämp­fen? Un­mög­lich."

ES ekel mich vor mir selbst

Uns bleibt eine gute halbe Stun­de für das In­ter­view, um Bi­gott zu demaskieren. Bigott ist ein Mu­si­ker der seine Lie­der nicht an­hört, weil er nicht wis­sen will, wie er klingt. Ist das fal­sche Be­schei­den­heit? Eine Fra­ge, auf die er keine Ant­wor­t gibt.

“Nach­dem ich meine Lie­der auf­ge­nom­men habe, höre ich sie nicht mehr an. Bei Auf­trit­ten stehe ich immer vorne um mich nicht selbst zu hören. Ich halte mich selbst nicht aus, es ekelt mir vor mir selbst.“

In sei­nem Haus gibt es keine Spie­gel, die ihn an sein Aus­se­hen er­in­nern können. Wenn er doch einmal in den Spiegel schaut, dann denkt er: “Oh mein Gott, sieh dich nur an, du alter Spin­ner. An der Uni warst du so fesch und jetzt ist Hop­fen und Malz ver­lo­ren, für dich gibt es keine Zukunft!"

Seine Musik hat Suchtpotential. Das ist vielleicht das Wichtigste. Er wurde ein­mal mit John­ny Cash ver­gli­chen, doch er wehr­te ab und sagte, dass er lie­ber “Tee aus bio­lo­gi­schem Anbau trinkt, als Kaf­fee." Keine Ver­glei­che bitte.