„Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“

Artikel veröffentlicht am 12. März 2016
Artikel veröffentlicht am 12. März 2016

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Sonderausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ bis zum 24. Juli im TECHNOSEUM in Mannheim

Die Ausstellung zeigt auf rund 800 Quadratmetern 300 Exponate aus 4 Jahrtausenden. Vom Brotbrei der Sumerer bis zum Craft-Beer-Trend in der heutigen Zeit. Der Besucher/in kann sich über die Geschichte des Bieres informieren, die Rohstoffe, die Bierherstellung und den Weg zum Konsumenten. Am Ende der Ausstellung kann er an einer Theke eine kleine Kostprobe nehmen. 

Es ist dunkel in den Räumen und man muss sich erst an die Lichtverhältnisse gewöhnen, ehe man sich den Einzelstücken widmen kann. Die Ausstellung beginnt mit dem Reinheitsgebot, das aus dem Jahr 1516 stammt und zunächst für Bayern galt, später für ganz Deutschland. Bier darf demnach nur Wasser, Hopfen und zu Malz veredelte Gerste enthalten. Es ist das erste Lebensmittelgesetz, das bis heute Gültigkeit hat. Das Gesetz war eine Reaktion auf die Tatsache, dass oft Kräuter oder sonstige Sachen wie Gips oder Ochsengalle schlecht gewordenem Bier zugesetzt wurde, um den Geschmack zu übertünchen. Gerste wurde nicht selten durch Erbsen oder Bohnen ersetzt. 

Das Thema Bier ist sehr umfassend. Jeder kennt das Getränk und hat es schon einmal verkostet. Man kann es in der Kneipe trinken, zu Hause oder beim Oktoberfest in München. Bei jeder größeren Veranstaltung gehört der Gerstensaft dazu.  

Im Mittelalter war das Bier ein Nahrungsmittel. Es besaß nur wenige Prozent Alkohol, so zwischen 0,7 und 1,5 Prozent und war dank Abkochung hygienisch sauberer als das Trinkwasser. Im Mittelalter tranken die Menschen eher Bier als Wasser. Lange gehörte ein Sudkessel fürs Bierbrauen zur Aussteuer einen jeder Frau. Dies änderte sich mit der Technisierung.

Das Gestaltungselement sind Bierkisten.

Die Bierkästen, auf denen die Ausstellungsstücke präsentiert werden, nimmt der Besucher erst auf den zweiten Blick war. Jeder kennt die Bierkiste. Sie stehen in großen Mengen in den Getränkeabteilungen der Kaufhäuser und vereinfachen die Distribution des Getränkes Bier.

Große Objekte wie eine Sudhaube, ein Stammwürzekühler, ein Verschneidbock, eine Abfüllanlage und eine Bierkutsche machen den Brauprozess und die Verteilung des Bieres nachvollziehbar. Diverse Brauereien wie Eichbaum in Mannheim, die Woinemer Hausbrauerei oder Rothaus aus dem Hochschwarzwald stellten dafür Leihgaben zur Verfügung. Die Besucher/innen können auf Tablets virtuelles Bier brauen, Bierdeckel bedrucken oder an einer Hörstation Trinksprüchen aus aller Welt lauschen. TECHNOscouts zeigen die einzelnen Schritte im Brauprozess, indem sie eine Jodprobe auf Stärkereste durchführen und den Alkoholgehalt messen.

Theke lädt zur Kostprobe ein

Zwischendurch kann man an der Craft-Beer-Theke verweilen und einen Schluck Bier probieren – allerdings nur nach 14.00 Uhr und wenn man mindestens 16 Jahre alt ist: Denn auch der Umgang mit Alkohol und seine Kehrseiten sind wichtige Themen der Schau. So zeigen verschiedene Stationen, welche Auswirkungen Alkohol auf den Körper hat und wie sich die eigene Wahrnehmung unter Alkoholeinfluss verändert.

Neben Regional- und Lokalgeschichte zeigt die Schau im TECHNOSEUM, wie sich Technik- Sozial- und Kulturgeschichte beim Thema Bier miteinander verschränken: Schließlich waren es bayerische Brauer, die dem Tüftler Carl Linde den Auftrag gaben, eine Kältemaschine zu konstruieren, mit der sich gärendes Bier kühlen ließ: der Vorläufer unserer heutigen Kühlschränke, erfährt der Besucher/in in der Ausstellung.

Technische Innovationen wie der Kronkorken, der 1892 patentiert wurde, oder die Entwicklung der Dose hatten gesellschaftliche Auswirkungen, da sich durch sie die Trinkkultur von der Kneipe ins heimische Wohnzimmer verlagerte. Auch bekannte Biertrinker kann der Besucher bestaunen, etwa Angela Merkel oder Gerhard Schröder, der mit dem Satz „Hol mir mal ne Flasche Bier, sonst streik ich hier“ im Jahr 2000 unfreiwillig zum bekanntesten Biertrinker der Nation wurde. Weitere Spitzenkandidaten sind Helmut Schmidt und Helmut Kohl.

Jeden Freitag und an den Sonn- und Feiertagen ist um 14 Uhr eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung, die im regulären Eintrittspreis enthalten ist.

Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 17 Uhr.

Über das TECHNOSEUM

Das TECHNOSEUM in Mannheim gehört neben dem Deutschen Museum in München und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin zu den großen Technikmuseen in Deutschland. Die Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik vom 18. Jahrhundert bis heute sowie der soziale und wirtschaftliche Wandel, den die Industrialisierung in Deutschland ausgelöste, sind die Themen der Dauerausstellung. Maschinen werden nicht einfach gezeigt, sondern in Ensembles inszeniert, Vorführtechniker erklären Arbeitsabläufe und beantworten Fragen der Besucher. Das Museum wurde 1990 eröffnet und zählte bisher  rund 6 Millionen Besucher.