Berufswechsel: Keine Angst mehr vor Veränderung

Artikel veröffentlicht am 30. September 2010
Artikel veröffentlicht am 30. September 2010
In bestimmten Augenblicken ist es normal, sich zu fragen: Möchte ich das? Ist das tatsächlich das Beste für mich? In bestimmten Umständen ist eine Umorientierung der beste Weg hin zu neuen Jobangeboten oder einem höheren Gehalt. Manchmal ist es auch eine Art, zu überleben, bis zu unserem „großen“ Tag. Marta, Joanne, José Ramón und Miriam sind die Akteure dieser Geschichte.
Sie haben nicht alle das gleiche Alter, arbeiten in verschiedenen Berufen - aber eine Sache verbindet sie: Sie haben keine Angst mehr vor Veränderung. Und das hat ihnen zum Erfolg verholfen.

Eine Verletzung am Knie. Das war es, was Antonio Banderas, damals Spieler für Málaga CF, eine Karriere als Fußballer unmöglich machte. Carla Bruni, Sängerin, Model und aktuell Première dame française, hat mal Architektur studiert. Und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erwarb ihren Abschluss in Physik. Dennoch sind diese bekannten Namen keine Einzelfälle.

José Ramón Martínez ist 35 Jahre alt. Acht Jahre lang hat er für eine Unternehmensberatung im Bereich der Personalentwicklung (Human Ressources) gearbeitet. Aber er spürte, dass das Unternehmen nicht wirklich auf die Personen setzte. Letztendlich verlor er die Motivation. Nach einem Sabbat-Jahr, welches er mit Reisen und dem Entdecken anderer Länder verbrachte, fand er seinen Weg. Heute ist er sein eigener Chef und hat seine Leidenschaft fürs Reisen in einen Lebensstil umgewandelt. So wurde buscounviaje.com (Eine Reise suchen, A.d.R.) geboren, eine Firma die auf sozialverträgliche Reisen spezialisiert ist. Dennoch ist es nicht einfach, so eine Entscheidung zu treffen. „Du musst alles lernen, von null an, in einem Bereich, der nicht der deine ist und dich der psychologischen Herausforderung stellen, ein Leben wiederaufzubauen, das Sinn macht“, sagt José. „Trotzdem war die Unsicherheit im Vergleich zur Monotonie eine verlockende Möglichkeit.

Der "Heißeste Mann des Jahrhunderts" war mal Milchlieferant“Es geht, soviel ist sicher, um eine kontrollierte Unsicherheit. Damit die Veränderung positiv ist, müssen wir unsere Ziele klar definieren, die Risiken sowie unsere Fähigkeit analysieren, mit den Konsequenzen umgehen zu können. Das empfehlen Experten. Félix Socorro, Fachmann der Unternehmenswelt und Autor des Buchs La Teoría des Saltamontes (Die Heuschrecken-Theorie), rät uns, eine Pro- und Contra-Liste zu machen. Und dann objektiv die Realität zu analysieren.

Arbeitslosigkeit und berufliche Zweifel

Diesem Gedankengang folgte auch Miriam Miranda: Zunächst Pro und Contra abwägen und dann die Risiken evaluieren. Sie war enttäuscht von der Welt des Journalismus, ihre Zukunftsaussichten deprimierten sie. „Die Krise war in vollem Gange, die Zahl der Arbeitslosen stieg … und da sah ich ganz klar, dass ich nicht mein ganzes Leben dem Journalismus widmen wollte.“ Eines Tages berichtete ihr ein Freund vom Beruf der Krankenschwester. „Gutes Gehalt, gute Berufsaussichten und ich konnte das tun, worauf ich Lust hatte, nämlich mich nebenher auf eine Karriere in der Wissenschaft konzentrieren.“ Miriam entdeckte, dass sie sich trotz ihres geisteswissenschaftlichen Diploms auf einen für Studenten mit BA-Abschluss reservierten Platz bewerben konnte. Und sie entschied sich. „Aber bevor ich mich da hineingestürzt habe, habe ich überlegt, dass es sicher besser wäre, zunächst einmal das tiefere Ausmaß dieser Entscheidung abzuwägen. Mein Lebensgefährte ist Notarzt und Freiwilliger bei Samur-Protección Civil, also hat er mir vorgeschlagen, zuerst an diesem Kurs teilzunehmen, zu sehen, ob mir das wirklich gefällt. Und wie du dir denken kannst, war ich sehr angetan. Ich hatte keine Zweifel mehr an dem Reiz, den dieser Beruf auf mich ausübt.

Auf Nummer sicher

Marta merkte, dass sie nach dem Studium nicht das tun wollte, wofür sie studiert hatteAuch die Britin J. K. Rowling hat nicht sofort ihre Ziele erreicht und entschied sich erstmal für Vorsorge. Ihre Leidenschaft war schon immer das Schreiben, sie beschloss jedoch, sich nicht ganz dieser Tätigkeit zu widmen, selbst als das erste Harry-Potter-Buch herauskam. Dieser erste Band war auf Anhieb ein Erfolg - aber Rowling arbeitete noch als Französischlehrerin und gab diesen Beruf bis zum Erscheinen des zweiten Bandes nicht auf. Marta Guillán befand sich in fast derselben Situation. Sie hatte Buchführung studiert, merkte aber nach Ende ihres Studiums, dass sie keine wirkliche Lust hatte, in diesem Bereich auch zu arbeiten. Also entschied sie sich, das zu tun, was schon immer ihre Leidenschaft gewesen war. Zurzeit widmet sie sich dem Zeichnen und der Modeillustration, sie träumt davon, eine neue Modelinie zu entwerfen und betrachtet sich selbst als „eine Privilegierte, weil ich einen Beruf gewählt habe, der mir nicht nur gefällt, sondern mich auch begeistert.“

Allerdings ist die Reise von Miriam, Marta oder José Ramón nichts im Vergleich zu den unterschiedlichen Wegen, auf denen Sean Connery wandelte, bevor er Filmstar wurde. Vom Milchlieferanten zum Lackierer von Särgen und zwischendurch war er auch Bademeister. Und wusstet ihr, dass er 1953 den dritten Platz bei der Wahl zum Mister Universum belegte? Fast ein halbes Jahrhundert später, 1999, wählte ihn das People-Magazin zum Sexiest Man des Jahrhunderts. Mut zur Veränderung kann also nicht schaden.

Fotos: Artikellogo (cc) Revoluciona tu vida diaria; Sean Connery (cc) x-ray delta one/flickr; Zeichnung ©Marta Guillan; Video: BuscoUnViajeCom/YouTube